Foto: S. Fischer Verlag

Ilse Aichinger im Alter von 95 Jahren gestorben

Ilse Aichinger ist am 11. November 2016 in ihrem Zuhause in Wien gestorben. Die große Schriftstellerin und Dichterin wurde 95 Jahre alt. Seit ihrem Debüt, 1948 erschien ihr Roman ›Die größere Hoffnung‹ im Wiener Bermann-Fischer/Querido Verlag und dann später bei S. Fischer, war sie dem Verlagshaus eng verbunden. 

Ilse Aichinger wurde am 1. November 1921 mit ihrer Zwillingsschwester Helga in Wien geboren, als Tochter einer Ärztin und eines von Steinmetzen und Seidenwebern abstammenden Lehrers. Einen Großteil der Kindheit verbrachte sie, nach der frühen Scheidung der Eltern, mit Mutter und Zwillingsschwester bei ihrer Großmutter. Nach dem deutschen Einmarsch in Österreich im März 1938 verlor die jüdische Mutter Praxis, Wohnung und ihre Stellung als städtische Ärztin. Die Schwester konnte im Juli 1939 noch mit einem der letzten Jugendtransporte nach England fliehen, die geplante Ausreise der restlichen Familie verhinderte jedoch der Kriegsausbruch: Die Großmutter und die jüngeren Geschwister der Mutter wurden 1942 deportiert und ermordet. Ilse Aichinger und ihre Mutter waren die Kriegszeit über dienstverpflichtet. Nach Kriegsende begann sie ein Medizinstudium, das sie nach fünf Semestern abbrach, um den Roman »Die größere Hoffnung« zu schreiben. 1952 erhielt sie für die »Spiegelgeschichte« den Preis der Gruppe 47. 1953 heiratete Ilse Aichinger den Lyriker und Hörspielautor Günter Eich, lebte in Oberbayern, in Portugal, im bayrisch-österreichischen Grenzland, wo auch die beiden Kinder Clemens (1954-1998) und Mirjam (geboren 1957) aufwuchsen. 1963 Umzug nach Großgmain bei Salzburg. 1972 starb Günter Eich. Nach dem Tod der Mutter zog Ilse Aichinger 1984 nach Frankfurt am Main, seit Ende 1988 lebte sie in Wien. Am 11. November 2016 ist Ilse Aichinger in Wien gestorben.

»Die größere Hoffnung« blieb ihr einziger Roman. Für ihn sowie für ihre Erzählungen, Gedichte, Hörspiele und ihre Kurzprosa, die in viele Sprachen übersetzt wurden, wurde sie mit zahlreichen literarischen Auszeichnungen geehrt.

Ilse Aichinger war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Akademie der Künste in Berlin.

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