Clemens Meyer: »Was mich beim Schreiben inspirierte«

Einmal einen Blick hinter das Epos werfen – das ermöglicht Ihnen Clemens Meyer: Er zeigt exklusiv seinen Schreibtisch und die Gegenstände, die ihn maßgeblich beim Schreiben von ›Im Stein‹ begleitet und beeinflußt haben. Eine kommentierte Objektausstellung.


  Clemens Meyer Auge


»Das weinende Auge, eine Collage des Schweizer Künstlers Markus Uhr, der in Leipzig lebt und arbeitet, hat mich über die letzten Wochen des Schreibens begleitet. Er hat ein Gesicht, ich glaube sogar das Gesicht Romy Schneiders, übermalt und nur das Auge freigelassen und diesen Träneneffekt erzeugt. Ein toller Künstler, dessen Collagen mich immer wieder beeindrucken. Die tiefe Schwärze, aus der ein Auge wie ein Raumschiff auftaucht. Nun ist es auf dem Cover vom ›Im Stein‹.«


Clemens Meyer Hilbig


»Der Wolfgang Hilbig war immer anwesend. Oft musste ich das Foto auf meinem Schreibtisch mit Notizzetteln verdecken, wenigstens zur Hälfte, weil sein skeptischer, fragender Blick manchmal nicht zu ertragen war. Aber dann kam es auch häufig vor, dass er zu lächeln schien. Ich habe oft auf sein Wohl getrunken, auch wenn er nun schon einige Jahre tot ist. In einigen Kapiteln von ›Im Stein‹ fühlte ich mich ihm sehr nahe. Auch wenn es fast unmöglich ist, weil er für mich einer der größten Dichter deutscher Sprache ist. Er überragt die letzten Jahrzehnte.«   

* Anmerkung der Redaktion: Als Wolfgang Hilbig am 2. Juni 2007 starb, verlor die deutschsprachige Literatur eine einzigartige Stimme. Wolfgang Hilbig (1941 – 2007) erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, darunter den Georg-Büchner-Preis und den Ingeborg-Bachmann-Preis. Geprägt von den Alltagserfahrungen eines Arbeiterlebens in der DDR, schuf er sich seine eigene Sprache: leidenschaftlich und voll brennender Sehnsucht, elegisch, grüblerisch, zärtlich. Fesselnde Handlung, atmosphärische Dichte, grotesken Humor, philosophische Reflexion und gesellschaftspolitische Analyse zeichnen seinen Stil aus.
Inspiriert von seiner intensiven Erfahrung mit der Poetik Hilbigs setze Clemens Meyer Wolfgang Hilbig in seinem Buch ›Gewalten‹ ein kleines Denkmal und schrieb das Nachwort zum jüngst bei S. FISCHER erschienenen fünften Band der Wolfgang-Hilbig-Werkausgabe namens ›Ich‹.



Clemens Meyer Tisch 1


»Unzählige Bücher habe ich gelesen, Studien, Biografien, Statistiken, Stimmen, Stimmen, in Büchern, vom Diktiergerät, Pinnwände umgaben mich, bergeweise Materialien, das Kapital, Lexikon der Prostitution, Clausewitz, Farbenlehre, Machiavelli, Rotlicht-Tycoon-ein Spiel für den PC – über Jahre bewegte ich mich in diesem ungeheuren Raum.«  


Clemens Meyer Tisch 2

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