Das Hörspiel "Vier Lehrmeister" von Liao Yiwu ist "Hörspiel des Jahres 2011".
Eine von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste eingesetzte Jury wählt Monat für Monat aus den ARD-Ursendungen die nach ihrer Meinung beste Produktion. Aus 12 „Hörspielen des Monats“ wählt die gleiche Jury dann das „Hörspiel des Jahres“. Zum „Hörspiel des Jahres 2011“ wurde »Vier Lehrmeister« von Liao Yiwu auserkoren. Die Preisverleihung und eine Präsentation des Hörspiels finden am Samstag, den 25. Februar 2012, um 19 Uhr 30 im Literaturhaus Frankfurt statt. Der Eintritt ist frei.
Die Begründung der Jury
Schon in seinem deutschsprachigen Debütwerk »Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Gesellschaft von unten« (2009) gelang Liao Yiwu eine grandiose Verdichtung. Er fokussierte in seinen Gesprächen und Interviews den Blick auf die Marginalisierten, die Unerwünschten und ausgestoßenen Chinas und ermöglichte so eine neue, präzisere Perspektive auf ein Land, in dem eine rasante Modernisierung und Industrialisierung gerade nicht einhergehen mit politischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Liao Yiwus Hörspiel »Vier Lehrmeister« geht noch einen Schritt weiter: Es präsentiert keine Ausschnitte aus dem Buch, sondern verknüpft exemplarische Geschichten mit der Biographie des Autor. Der Chronist des Abseits und des zähen Überlebenskampfes gehört selbst zu den Unerwünschten. Dynamisch und dennoch sehr ruhig, unaufgeregt, aber nicht gelassen, ganz auf die Dramatik, die schon im Erzählstoff selbst begründet ist, vertrauend verknüpft er vier Einzelschicksale mit den Lektionen, die ihm seine vier großen Lehrmeister erteilten. Das sind: der Hunger; die Schande, ausgeschlossen zu sein und zu den Geächteten zu zählen; die Obdachlosigkeit; schließlich das Gefängnist. Aus diesen Positionen des Abseitigen – eines Ortes, der tatsächlich im Zentrum der modernen chinesischen Gesellschaft liegt – gelingen ihm höchst individuelle und dennoch (deswegen?) generelle Aussagen. Liao Yiwu erzählt ohne Zorn, ohne Wut, seine Montagen sind nicht plakativ. Gerade in der stillen, in sich ruhenden Dramaturgie wird der Abgrund der gesellschaftlichen Entfremdung offenbar. »Vier Lehrmeister« ist ein hartes, überaus konzentriertes, reduziertes, im besten Sinne karges Hörspiel, dessen überlegt eingesetzte künstlerische Mittel dazu verführen, auf jede Nuance zu achten. Es entwickelt in seinem weit gespannten Rhythmus einen ungeheuren Sog – bis man meint, die chinesisch vorgetragenen Gedichte Liao Yiwus unmittelbar zu verstehen.
Die Begründung der Jury
Schon in seinem deutschsprachigen Debütwerk »Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Gesellschaft von unten« (2009) gelang Liao Yiwu eine grandiose Verdichtung. Er fokussierte in seinen Gesprächen und Interviews den Blick auf die Marginalisierten, die Unerwünschten und ausgestoßenen Chinas und ermöglichte so eine neue, präzisere Perspektive auf ein Land, in dem eine rasante Modernisierung und Industrialisierung gerade nicht einhergehen mit politischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Liao Yiwus Hörspiel »Vier Lehrmeister« geht noch einen Schritt weiter: Es präsentiert keine Ausschnitte aus dem Buch, sondern verknüpft exemplarische Geschichten mit der Biographie des Autor. Der Chronist des Abseits und des zähen Überlebenskampfes gehört selbst zu den Unerwünschten. Dynamisch und dennoch sehr ruhig, unaufgeregt, aber nicht gelassen, ganz auf die Dramatik, die schon im Erzählstoff selbst begründet ist, vertrauend verknüpft er vier Einzelschicksale mit den Lektionen, die ihm seine vier großen Lehrmeister erteilten. Das sind: der Hunger; die Schande, ausgeschlossen zu sein und zu den Geächteten zu zählen; die Obdachlosigkeit; schließlich das Gefängnist. Aus diesen Positionen des Abseitigen – eines Ortes, der tatsächlich im Zentrum der modernen chinesischen Gesellschaft liegt – gelingen ihm höchst individuelle und dennoch (deswegen?) generelle Aussagen. Liao Yiwu erzählt ohne Zorn, ohne Wut, seine Montagen sind nicht plakativ. Gerade in der stillen, in sich ruhenden Dramaturgie wird der Abgrund der gesellschaftlichen Entfremdung offenbar. »Vier Lehrmeister« ist ein hartes, überaus konzentriertes, reduziertes, im besten Sinne karges Hörspiel, dessen überlegt eingesetzte künstlerische Mittel dazu verführen, auf jede Nuance zu achten. Es entwickelt in seinem weit gespannten Rhythmus einen ungeheuren Sog – bis man meint, die chinesisch vorgetragenen Gedichte Liao Yiwus unmittelbar zu verstehen.
