Aktuelles Heft - Neue Rundschau 4/2015 Zur Übersicht

Neue Rundschau 2015/4

Neue Rundschau 4/2015
288 Seiten
Preis € 15,00
ISBN 978-3-10-809104-0

Inhalt

Urheberrecht, Copyright, Künstler


Christopher Blenkinsop
YouTube, Spotify & Co. für Einsteiger

Jakob Ilja
Schriftliches Interview des Gitarristen und Gründungsmitglieds von »Element of Crime« mit Schülern aus Berlin / September 2015

Benoît Machuel
Das Streamen von Musik

Kent
And I say to myself »What a wonderful world!«

Paul Pacifico
Zwangslizenzierung

Ekki Maas
von der Kölner Popband Erdmöbel schreibt:

Berthold Seliger
Urheberrecht? Copyright?

Tilo Gerlach
Verwertungsgesellschaften

Jan Paschen
… warum ich JP werde

Lutz Engelhardt
Verbündeter oder Gegner?

Tobias Fuchs
Geist und Eigentum

Jonas Maatsch
Geist und Buchstabe, urheberrechtlich

Michael Hagner
Open Access

Stephan Kammer
Sechs Anmerkungen zum akademischen Publizieren

Sean Blenkinsop
Schreiben als Gemeinschaft

Patricia Holland Moritz
Copy and Paste oder The Art of Making Art

Christoph Hoffmann
Was heißt Zitieren?

Cornelia Ortlieb
»Wir müssen zitieren«

Philipp Theisohn
Die Stimme der Souffleuse

Walter Rothschild
Kreativität und geistiges Eigentum

Till Kreutzer
Das Berliner Gedankenexperiment

Katharina Winter
Es geht ums Prinzip

Reimer Ochs
Der Wert eines Buchverlags sind seine Rechte

Michael Jahn
Die Drehtür und Wikipedia

Heinrich Bosse
Autorschaft ist Werkherrschaft

Ulf Stolterfoht
Ein Briefwechsel

Patrick Tschan
Kai-Uwes Idee

Nina George
In welcher Art digitaler Gesellschaft wollen wir leben?

Anton Rey
Urheber und ihre Rechte

Niki Stein
Der Klick

Michalis Pichler
Statements zur Appropriation

Anna-Sophie Jürgens
Zirkuswerke

Annette Gilbert
Appropriation (&) Literature

Alexander Presber
Die Universalbibliothek




Moby-Dick

Markus Krajewski
Kapitel 14: Nantucket

Bernhard Siegert
Kapitel 58: Brit

Gerhard Plumpe
Kapitel 111: The Pacific




Lyrikradar Ted Hughes
Zehn Gedichte

Uwe Dick
Erehwon III




Carte Blanche

Claudia Rankine
Trauer ist der Status quo des schwarzen Lebens

Szilvia Molnar
Alternative Szenarien für Lover

Olga Martynova
Elefanten im digitalen Babel

Joseph Heller
Fast wie Weihnachten

Oksana Sabuschko
Das ukrainische Palimpsest

Hakan Tezkan
Ausflug




Beilage

Thomas Glavinic
Ankleben verboten!
Die Technik des Schriftstellers in 13 Thesen

Editoral

Es vergeht kaum ein Tag, an dem man in den Medien keine Nachricht über das Urheberrecht lesen kann. Entweder sind es Nachrichten über Gesetzesinitiativen, über Beratungen, Lobbyarbeit, Parteibeschlüsse oder Ähnliches, oder es geht um Künstler, die sich schlecht entlohnt fühlen, um Klagen über illegales Kopieren von geistigem Eigentum im Internet, um die nüchterne Feststellung, dass künstlerische Arbeit wohl ihren Wert für die Menschen verloren hat. Wenn man das Thema etwas weiter fasst, was man tun sollte, dann stellt man zugleich fest, dass das detaillierte Aufspüren von abgeschriebenen und nicht nachgewiesenen Stellen in Doktorarbeiten prominenter Politiker fast zu einer Bewegung geworden ist. Wird auf der einen Seite geistiges Eigentum als etwas nicht mehr Zeitgemäßes aufgefasst, das sich durch die Praxis des Digitalen sowieso nicht mehr länger halten lässt, geht es auf der anderen Seite um das akribische Auffinden des Originals noch in der flüchtigsten Spur – und das mit allen Mitteln des Digitalen selbst, mit Programmen, Algorithmen, Scans und Suchmaschinen. Eine sonderbare Zeit, in der die Idee des geistigen Eigentums als gleichzeitig abgeschafft und höchst bewahrenswert erscheint. Das ist, wie ein Blick in die Geschichte des Copyrights zeigt, die Monika Dommann so wunderbar nachgezeichnet hat, Zeichen eines Verteilungskampfs, besser von Verteilungskämpfen auf allen Ebenen und unter allen Beteiligten. Das war schon immer so, seit Apparate erfunden worden sind, die Autoren in manchem entgegenkommen und in manchem entgegenstehen. Was die Sache aber nicht leichter macht.

Eine übergeordnete Position einzunehmen fällt hier nicht leicht. Das Feld ist nicht nur unübersichtlich, die Verteilungskämpfe selbst zeigen, dass es anscheinend keine objektive Position geben kann – denn wer hätte hier keine Interessen? Und wie sollte auch eine Lösung aussehen, die keinerlei Interessen folgt? Daher haben wir von der Neuen Rundschau gedacht, dass es zur Klärung der Lage vielleicht hilfreicher wäre, viele subjektive Stimmen mit ihren Positionen zu versammeln, die sich möglichst parteiisch äußern. Einerseits wird durch den Einblick in die persönliche Situation von Betroffenen und Verbänden deutlich, was überhaupt auf dem Spiel steht und in welche Richtung eine Lösung überhaupt gehen könnte, und andererseits ermöglicht dieses Vorgehen, der geneigten Leserin, dem geneigten Leser, sich selbst ein Bild zu verschaffen – so zumindest unsere Hoffnung.

Wir haben daher versucht, möglichst viele verschiedene Akteure und Perspektiven zu versammeln, auch wenn nicht alle relevanten Bereiche abgedeckt werden konnten. Zumindest grob geht es jedoch um die gängigen Stichworte wie u.a. Wissenschaft, Zitieren, Open Access, Plagiat, Teilen, Verwerten, Geistiges Eigentum, Streamen, künstlerisch kreativ und interpretativ tätig sein usw. Überrascht hat uns, dass eine gewisse Nostalgie viele Texte durchzieht, so, als ob eine Epoche unwiederbringlich vorbei wäre. Vielleicht ist es so, vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall dokumentieren wir eine Etappe, und in jedem Fall wird die Diskussion weitergehen. Aber das ist ja auch der Sinn einer Debatte: eine Selbstvergewisserung zu erreichen, die klarmacht, worum es geht und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Geistiges Eigentum, auch das zeigt die Geschichte, ist eine Idee, die sich durchsetzen musste. Und Geschichte ist eben nie zu Ende.

Großen Dank schulde ich meinen Mitherausgebern Cornelia Ortlieb und Christopher Blenkinsop sowie Timo Sestu, ohne die dieses Heft nicht möglich gewesen wäre und die mir immer wieder gezeigt haben, was eine Gemeinschaft dem Einzelnen voraushaben könnte.

Alexander Roesler
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