Aktuelles Heft - Neue Rundschau 3/2013 Zur Übersicht

Neue Rundschau 2013/3

Neue Rundschau 3/2013
192 Seiten
Broschur
Preis € 12,00
ISBN 978-3-10-809094-4

Inhalt


Kroatien in der EU
Anja Utler
Nur Sklaven sind unangreifbar: Verwickelt euch!
Marko Pogačar
Als ich Sterne aus der Nähe sah
Ivana Simić Bodrožić
Angst vor Europa
Robert Perišić
Das Paradoxon des alten sozialistischen Privatunternehmers
Nadežda Čačinovič
Der Mythos der Kontinuität: Kroatien und Europa
Jurica Pavičić
Willkommen in Europa
Damir Karakaš
Wie ich nach Europa gekommen bin
Renato Baretić
Ihr tut mir leid ...
Zvonko Maković
Auf der Suche nach Identität
Ivana Sajko
Das Schwert, das seinen Schmied durchbohrte
Edo Popović
Anleitung zum Wandern
Delimir Rešicki
Stiefmütterchen und Leichte Kavallerie
Anðelko Miraldović
Xenophobie als Kehrseite der zweiten Moderne
Srećko Horvat
Danke Deutschland!

Moby-Dick- Ein historisch-spekulativer Kommentar
Leander Scholz
Kapitel 36: The Quarter-Deck
Markus Krajewski
Kapitel 97: Die Lampe
Matthias Bickenbach
Kapitel 119: The Candles

Lyrikradar
Luísa Costa Hölzl / Wanda Jakob
ZeppelinPoético
Dirceu Villa
Gedichte
Márcio-André
Gedichte
Ricardo Domeneck
Gedichte
Érica Zíngano
Gedichte
Eduardo Sterzi
Gedichte
Gabriel Pedrosa
Gedichte
Ismar Tirelli Neto
Gedichte
Paulo Ferraz
Gedichte
Angélica Freitas
Gedichte

Carte Blanche
Gregor Hens
Helium
Dieter Kühn
Die französische Amerikanerin, reloaded
Luca Crescenzi
Kunst – Leben – Performance
Corinna Schnabel
Nachruf auf Ernst Schnabel
Frauke Meyer-Gosau
In den Lüften der Literatur, fest verwurzelt im Boden der Uckermark: »Fürstenfelde«
Jan Peter Bremer
Döblin
Kathrin Röggla
Laudatio auf Ulrich Peltzer
Ulrich Peltzer
Phantome

Die Autorinnen und Autoren

Editoral


Kroatien in der EU
Kroatien ist der EU beigetreten. Früher wäre das eine Erfolgsgeschichte gewesen, der Beitritt zur Europäischen Union hätte sowohl die alten wie die neuen Mitglieder in Begeisterung versetzt, der Schritt wäre als historisch bezeichnet worden, als Aufbruch in die Modernisierung, zu Wohlstand und Fortschritt. Das war vor der Krise. Jetzt kommt einem der Beitritt eher wie ein Relikt aus der Vergangenheit vor, etwas, das vor langer Zeit in die Wege geleitet worden ist und nun viel zu spät erfolgt oder lediglich durchgezogen wird, um etwas zu Ende zu bringen, das man irgendwann angefangen hat. Die gegenwärtige Krise des Modells »Europa« findet ihren bedrückendsten Ausdruck darin, dass solche Beitritte keine Euphorie mehr aufkommen lassen, dass sie bei alten wie neuen Mitgliedern ein Achselzucken hervorrufen, als handele es sich um einen Verwaltungsvorgang, der nun abgeschlossen sei. Dass man aber danach gerade nicht zur Tagesordnung übergehen kann, darin liegt die Chance solcher Beitritte. Und vielleicht ist die Tatsache, dass es keinen großen Protest gegen den Beitritt gegeben hat, das kleine Fünkchen Hoffnung, dass die Idee Europa doch noch nicht so erledigt ist, wie die Kritiker meinen. Kroatien ist der EU beigetreten. Die Neue Rundschau wollte wissen, was das bedeutet, für Kroatien wie für die Europäische Union. Denn im ehemaligen Jugoslawien wohnten unterschiedliche Völker unter einem Staat zusammen, der zwar ganz anders als die EU war, nach dessen Zerfall jedoch Probleme auftraten, aus denen man möglicherweise etwas lernen kann für das Zusammenleben unterschiedlicher Völker mit je eigener Kultur und Geschichte unter einem Dach. Vielleicht erfährt die europäische Idee ja gewissermaßen von der Peripherie her neuen Schwung, von den Rändern abseits von Brüssel und Straßburg. Was kann Europa von Kroatien lernen? Aus der Lektüre der Texte wird deutlich, dass die Krise Europas eng mit der uneingeschränkten Dominanz des Kapitalismus verzahnt ist. Soziale Kälte, mangelnde Solidarität, der Zwang zur schnellen Entscheidung, die vielzitierte »Alternativ-losigkeit« der politischen Entscheidungen, die sich scheinbar dem Diktat der Märkte zu unterwerfen haben, das sind die Stichworte, die genannt werden. Doch ist das paradoxerweise nicht eine gemeinsame Erfahrung aller Europäer, auch der Deutschen, selbst wenn sie scheinbar von der Krise profitieren? Und ist es nicht falsch oder vorschnell, das der EU anzulasten und nicht der kapitalistischen Wirtschaftsordnung? Wenn von der EU daher mehr ausgehen würde als die Durchsetzung dieser Ordnung und der Interessen der Banken, wenn sie einen alternativen Entwurf dazu entwickeln und fördern würde, dann könnte ihr altes Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Demokratie neuen Schwung für die europäische Idee bedeuten. Und wer weiß, ob dann nicht die Skepsis verfliegt und weitere Länder mit Freude und Enthusiasmus beitreten. Denn so oder so, wir brauchen Europa. (Alexander Rösler)
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