Neue Rundschau 3/2007 Zur Übersicht
Inhalt
The True Colors of America
Jack Kerouac
New York Panorama
Jonathan Lethem
Brooklyn, New York
Richard Nash
Brooklyn, New York
Martine Bellen
East Village, New York
Lisa del Rosso
Upper West Side, New York
Dan Simon
Desbrosses Street, New York
Art Spiegelman
Central Park, New York
Lawrence Weschler im Gespräch mit Joel Meyerowitz Hallraum Ground Zero
Allen Ginsberg
Paterson, New Jersey
Nell Freudenberger
Long Island, New York
Lydia Davis
East Nassau, New York
Joe Sacco
Washington, D. C. Trauma on Loan
J. R. Moehringer
Gee’s Bend, Alabama
Wells Tower
Chapel Hill, North Carolina
Ken Foster
New Orleans, Louisiana. Weshalb wir bleiben
Richard Powers
Urbana, Illinois
Richard Powers
Das Zuhause folgt einem überallhin. Ein Gespräch über Lesen und Schreiben im Zeitalter des Internets
Lawrence Weschler
Chicago, Illinois
Andrew Sean Greer
Missoula, Montana
Jack Kerouac
Denver, Colorado
Lydia Millet
Pinos Altos, New Mexico
Chuck Klosterman Don’t Look Back in Anger
Dave Hickey
Las Vegas, Nevada. Im Neon zu Hause
Gary Snyder
San Juan Ridge, Sierra Nevada. Allen Ginsberg geht
Barry Lopez
Finn Rock, Oregon
Robert Hass
Inverness, California
Matt Groening
Olympia, L.A. und anderswo
Sarah Shun-Lien Bynum
Los Angeles, California
John Haskell
Laurel Canyon, Los Angeles
Scott Bradfield
California – London
Brenda Hillman
Berkeley, California
William T. Vollmann
Sacramento, California. Ich weiß, ich bin reich
Stephen Elliott
San Francisco, California
Jack Kerouac
San Francisco, California
Barry Lopez
Als wir verschwanden. Eine Erzählung
Carte blanche
Adam Thirlwell
Miss Herbert
Lavinia Meier-Ewert / Andreas Resch
Roadsong
Gert Mattenklott
Laudatio auf Orhan Pamuk
Günter de Bruyn
Von erträumter und gelebter Freiheit. Dankrede zur Verleihung des Preises der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung
Editoral
America the plum blossoms are falling.
Allen Ginsberg (1926–1997)
»Es sieht es aus wie Amerika, es schmeckt wie Amerika, aber es fühlt sich nicht an wie Amerika,« antwortete Richard Powers 2006 auf die Frage, in welchem Amerika er denn heute lebe. Sorge und Trotz sprach daraus ebenso wie die Resignation über von der Bush-Administration in Gang gesetzten oder beschleunigten Prozesse, den Krieg, die Folter, die Art, wie die Opposition der Presse in entscheidenden Momenten zusammenzubrechen schien. Die Kaltschnäuzigkeit der Politiker und die beschämende Langsamkeit, mit der die Opfer angehört werden, wurden schon gar nicht mehr kommentiert. Es schien, als sei das Land sich selbst fremd geworden, unheimlich.
Durch dieses Land ging unsere Reise. Wir fragten Autoren überall im Land, wie sie nun lebten. Ihre Antworten, ob von bekannten Absendern oder noch zu entdeckenden, fielen zum Teil direkt aus wie Postkarten von accidental killings und Überschwemmungen, von Armut und Arbeitslosigkeit. Andere Geschichten gerieten zu Briefen darüber, wie man sich auf dem Patchwork Planet einrichtet. Sie wurden konterkariert von gezeichneten Kommentaren, ins Bild gesetzten Lebensgeschichten, Erkundungen der neuen Medien, dem Beharren auf dem Ort, dem Andenken an Freunde, der Aufmerksamkeit für die Landschaft – die Koordinaten des Hier.
An ihnen orientierte sich Jack Kerouac bei seinem großen Aufbruchsbuch On the Road, das vor genau 50 Jahren erschien. Während der Arbeit hatte er sich auf Anregung eines Malers angewöhnt, Orte zu »skizzieren« – dem Book of Sketches. In den rhythmisierten Notizen, die sich in epischen Bögen über den Kontinent bewegen, finden sich auch Blicke in die Vitrinen der Geschichte, der gelebten, abgelebten Welt – »beat« ist der Puls, und »beat« ist der Schuhladen mit den gebrauchten Tretern, »beat« ist die große Welt der Dinge, die dort auf unsere Augen warten. Ihre Geschichte erzählt die Spur der Menschen – eine Landkarte entstand: The True Colors Of America.
Hans Jürgen Balmes

