Neue Rundschau 1/2011 Zur Übersicht

Neue Rundschau 2011/1

Neue Rundschau 1/2011
192 Seiten
Preis € 12,00
ISBN 978-3-10-809084-5

Inhalt

Thesen zur Literaturkritik
Walter Benjamin
Die Technik des Kritikers in dreizehn Thesen

Helmut Böttiger
Roman Bucheli
Martin Ebel
Meike Feßmann
Wieland Freund
Ulrich Greiner
Ina Hartwig
Wolfgang Herles
Andreas Isenschmid
Richard Kämmerlings
Dirk Knipphals
Tilman Krause
Felicitas von Lovenberg
Kristina Maidt-Zinke
Peter von Matt
Burkhard Müller
Michael Schmitt
Wolfgang Schneider
Mathias Schreiber
Christoph Schröder
Gustav Seibt
Daniela Strigl
Hubert Winkels
Uwe Wittstock
Tilmann Lahme Krise im Kasperltheater. Zur Lage der Literaturkritik
Georges-Arthur Goldschmidt Auf zwei Stühlen oder: Von der »Zweiliteraturigkeit« Richard Powers Schwingt euch zum Tanz

Lyrikosmose3
zusammengestellt von Michael Braun und Michael Lentz

Konstantin Ames
Franz Richard Behrens
Ulrich Koch
Dagmara Kraus
Renate Rasp
Werner Riegel
Jürgen Theobaldy

Carte Blanche
Uwe Dick zweimal acheron
Felicitas Hoppe Abenteuer – was ist das? Danksagung anlässlich der Verleihung des Rattenfänger-Literaturpreises der Stadt Hameln
Paul Feyerabend–Gerard Radnitzky Briefwechsel

Beilage
Thomas Mann (zusammengestellt von Heinrich Detering)
Ankleben Verboten. Die Technik des Schriftstellers in 13 Thesen

Editoral

Gilt, was Oscar Wilde über die Karikatur schreibt, auch für die Literaturkritik: Ist sie eine Huldigung des Mittelmaßes an das Genie? Oder bleibt, in den Worten Friedrich Schlegels, jedes Werk ohne Kritik unvollkommen?, greift sie deutend ins Kunstwerk ein?, verfährt sie als Bewusstseinssteigerung des kritisierten poetischen Werkes?

Anders gefragt: Ist Literaturkritik immer auch eine Kritik der Literaturkritik? Und des Literaturbetriebs? Oder beschäftigt sie sich frei und unabhängig auf einem neutralen Boden der Kunst mit ihrem Gegenstand, der Literatur, den sie autonom zu behandeln weiß? Wem ist sie verpflichtet? Dem Leser, dem Werk, den Kritikerkollegen? Und ist der Gedanke an die Kollegen einer, der die Selbstreflexion der Kritik fördert oder doch die Referenz auf einen geschlossenen Zirkel? Oder ist sie, wie Kurt Tucholsky schreibt, der ungezwungene Bericht eines Lesers, »der sich beklagt oder begeistert«?

»Der freien Bühne fehlt das freie Wort.« Mit diesem Satz gründeten der Theaterkritiker Otto Brahm und der Verleger Samuel Fischer 1890 eine zunächst wöchentlich erscheinende Zeitschrift, die heute, nach 120 Jahren, unter dem Namen »Neue Rundschau« erscheint. Das erste Heft des 121. Jahrgangs wollen wir diesem Jubiläum widmen, allerdings nicht mit einer Rückschau auf die Rundschau, keinem Abgesang und keiner Feier.

Von Walter Benjamin gibt es einen Text, »Die Technik des Kritikers in dreizehn Thesen. Benjamin hat ihn in seine Sammlung philosophischer Lesestücke und Skizzen »Einbahnstraße« (erschienen 1928 bei Rowohlt) aufgenommen. Diese Thesen behandeln die Rollen des Kritikers so sehr wie seine Aufgaben, sie tun das im Sinne eines kritischen und moralischen Erkenntnisinteresses, im Ton einer Parteinahme und durchaus polarisierend.

Da sich die »Neue Rundschau« seit je auch als literaturkritische Kulturzeitschrift versteht, haben wir namhafte Literaturkritiker um einen Text gebeten, der – frei oder auch in direkter Auseinandersetzung mit Benjamin – Thesen über die Kritik und Regeln für den Kritiker heute aufstellt. Wir drucken Benjamins Text auf der nächsten Seite ab.

Ein weiterer Schwerpunkt der »Neuen Rundschau«, seit jeher, ist die Lyrik. Wir haben für diese Jubiläumsausgabe Michael Braun und Michael Lentz gewinnen können, die 50 Gedichte von sieben Autoren ausgewählt haben. Konstantin Ames, Franz Richard Behrens, Ulrich Koch, Dagmara Kraus, Renate Rasp, Werner Riegel und Jürgen Theobaldy sollen damit »ins Handgemenge« des vergesslichen Betriebs zurückgeworfen werden, denn ihnen ist gemeinsam, dass sie lange geschwiegen haben oder seit langem verschwiegen wurden, dass sie also entdeckt oder wiederentdeckt werden sollten.

Als »mein Leibblatte« bezeichnete Thomas Mann die »Neue Rundschau« 1916, und schon 1901 schrieb er an Samuel Fischer, er habe »wieder mit unbändigem Vergnügen die ›Neue deutsche Rundschau‹ gelesen, diese produktivste und anregendste Zeitschrift, die ich kenne.« Das Plakat »Ankleben verboten!« stammt von ihm und wurde, anders als sonst, nicht geschrieben, sondern von Heinrich Detering, einem der Hauptherausgeber der Großen kommentierten Ausgabe der Werke und ausgewiesenem Kenner Thomas Manns, zusammengestellt.

Oliver Vogel
0 Artikel  0 €