Interview mit Mark T. Sullivan

Nach "66095" erscheint jetzt mit "Toxic" ein weiterer Thriller von Mark T. Sullivan im Fischer Taschenbuch Verlag. Wir haben Mark R. Sullivan interviewt.
Fischer: Wann und warum haben Sie begonnen, Thriller zu schreiben?
Mark T. Sullivan: Ich habe mich nie bewusst dafür entschieden, Thriller zu schreiben. Das ist irgendwie so passiert. Mein erster längerer Text hieß „The Fall Line“, ein Text, der von einem Mann handelt, der bis zum Äußersten geht, um seine Haut zu retten. Der Text basierte auf einer Reihe von journalistischen Arbeiten, die ich über Geldwäsche und Drogenschmuggel geschrieben hatte. Erst als das Buch in der New York Times sehr gut besprochen wurde, wurde mir klar, was ich da genau geschrieben hatte und dass das ein Thriller war.
Fischer: Was interessiert Sie besonders an diesem Genre?
Mark T. Sullivan: Ich bin nicht an Geschichten interessiert, die sich leicht oder direkt an der Oberfläche erschließen. Mich interessieren Geschichten, in denen die handelnden Personen ihre Seelen offen legen müssen, und die es dem Leser ermöglichen, auch die tieferen Hintergründe einer Geschichte zu begreifen. Die guten Krimis können so etwas.
Toxic
Fischer Taschenbuch Verlag
Broschur
Fischer: In Ihrem neuen Buch „Toxic“ behandeln Sie ein biblisches Thema und setzen sich mit religiösen Fragen auseinander. Was hat Sie an diesem Thema so gereizt? Wann und wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Mark T. Sullivan: Irgendwann kam mir einfach die Idee zu diesem Buch. Ich mache mir immer Notizen über alle möglichen Buchideen, und in diesem Fall war es der erste Arbeitstitel „Die zweite Frau“, der mich fesselte. Aber bis dahin wusste ich immer noch nichts Genaues. Erst als ich begann, mich mit diesem Thema eingehender zu beschäftigen, fügte sich die Geschichte zusammen. Ich fragte einen Experten, der meinte: „Oh, ja, die zweite Frau. Das weiß eigentlich keiner so recht, woher sie kam. Das ist das älteste Geheimnis der Bibel.“ Das war natürlich für so jemanden wie mich genau die richtige Antwort, und ich rannte los, um diese Geschichte niederzuschreiben. Was mich am meisten faszinierte war die Tatsache, dass dieses Geheimnis um die zweite Frau der ganzen Geschichte eine viel größere Tiefe geben würde als nur eine vordergründige Story über einen Serienmörder im heutigen Kalifornien.
Fischer: Sie kommen beruflich aus dem investigativen Journalismus, eine Arbeit, die sehr viel mit Recherche zu tun hat. Hat das Ihre Arbeit als Schriftsteller beeinflusst? Und wenn ja, wie.
Mark T. Sullivan: Ja, diese Art des Recherchierens und Schreibens hat meine Arbeit als Schriftsteller sehr beeinflusst. Denn in diesen Jahren habe ich Geschichten ausgegraben, die keiner ausgegraben haben wollte. Und dabei wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, gut recherchiert zu haben. Um „Toxic“ überhaupt schreiben zu können, habe ich Monate mit Ärzten, einem Kriminalistenteam der Polizei von San Diego, mit Herpetologen vom Zoo in San Diego und mit Experten der Holiness Religion der Appalachen verbracht. Ich bin auch stundenlang durch die Straßen von San Diego gelaufen und kreuz und quer durch Nordwest-Alabama gefahren. Diese „Innenansicht“ hat der Geschichte erst die nötige Tiefe verliehen.
Fischer: Sie leben heute in Montana, ein Land, das für uns hier in Deutschland immer noch so ein bisschen das Gefühl von Paradies, Freiheit, Natur und einer unbeschreiblich schönen Gegend vermittelt. Warum sind Sie dorthin gezogen und wie sieht für Sie ein normaler Arbeitsalltag heutzutage aus?
Mark T. Sullivan: Ich bin 1993 zum ersten Mal in Montana gewesen und habe mich sofort in dieses Land verliebt. Es ist diese Größe und Erhabenheit, die einem das Gefühl vermittelt, ganz klein zu sein. Zu der Zeit habe ich in Vermont gelebt und als ich nach Hause kam, erzählte ich meiner Frau völlig begeistert davon.
Ein Jahr bin ich wieder hingefahren zum Tiefschnee-Skifahren und zum Fliegenfischen. Und jedes Mal, wenn ich wieder wegflog, saß ich im Flugzeug und fragte mich warum. Nun gut, es dauerte dann ein bisschen, bis ich meine Familie überredet hatte, aber wir sind dann 1999 hierher gezogen. Und sind seitdem begeistert! Ja, wie sieht ein normaler Arbeitstag für mich heute aus:
Also, normalerweise bin ich schon vor Sonnenuntergang mit meinen Hunden draußen in den Bergen beim Joggen. Dabei werde ich wach, es zentriert mich und ich kann mich dabei auf die langen Stunden am Schreibtisch vorbereiten. Ich bin nämlich nicht der Mensch, der so einfach stundenlang still sitzen kann und das morgendliche Training verbrennt schon mal viel überschüssige Energie. Normalerweise bin ich wieder rechtzeitig zu Hause, um die Jungs zur Schule zu verabschieden und meine Frau zur Arbeit, um 8:30 Uhr sitze ich dann an meinem Schreibtisch. Zuerst erledige ich kleinere Arbeiten, dann stöpsele ich Telefon und Internet aus, und arbeite an einem größeren Projekt, entweder einem Roman oder einem Drehbuch. Das dauert so ungefähr fünf bis sechs Stunden.
Fischer: Wird es mehr über Seamus Moynihan, den Detective in San Diego zu lesen geben?
Mark T. Sullivan: Das habe ich vor. Ich mag nämlich Seamus. Er ist zerrissen, aber im Grunde ein guter Mensch. Ich habe aber bis jetzt noch keine konkrete neue Story für ihn. Oder besser: Er ist bis jetzt noch mit keiner neuen Geschichte rübergekommen. Aber ich werde definitiv weiter über ihn schreiben.

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