Interview mit Christoph Maria Herbst

»... eine Art literarischer Gemischtwarenladen«

Vom Schauspieler zum Buchautor: Christoph Maria Herbst über die Hintergründe seines Debüts als Schriftsteller, Erlebnisse auf dem Traumschiff und die Liebe zu seinem Brotberuf.
db-mobil: Wissen Sie noch, wann und wo Sie auf die Idee zu diesem Buch gekommen sind?
Christoph Maria Herbst: Ja: gar nicht. Ich bin selbst gar nicht darauf gekommen – die Buchidee ist eher auf mich gekommen. Ich habe lediglich Freunden und Familie während der Reise per E-Mail von meinen Erlebnissen und meinem Müßiggang geschrieben. Die wischten sich dann Tränen des Lachens aus den Augen und forderten mich auf, mehr zu berichten. Das tat ich. Wenn ich auf das Traumschiff gegangen wäre mit dem Vorsatz, ein Buch darüber zu schreiben, hätte ich keine einzige Zeile zustande gebracht, da ich von Hause aus kein Autor bin und unter Druck nur schlecht kreativ sein kann. So aber konnte ich die Tinte einfach fließen lassen, weil ich klare Adressaten vor Augen hatte. Die Idee, das Ganze am Ende zu bündeln und sogar zu binden, hatte Wolfgang Rademann, der meine Ergüsse mindestens in der Zeit oder der Süddeutschen Zeitung abgedruckt sehen wollte.
db-mobil: Als Hörbuchsprecher sind Sie sehr gefragt, haben schon viele Romane eingelesen – hat es Sie gereizt, sich auch mal mit einem eigenen Text ans Mikrofon zu setzen?
Christoph Maria Herbst: Das ist natürlich ein besonders spannender Vorgang, einen eigenen Text einzulesen. Die Tatsache, dass auf der CD »Autorenlesung« steht, ist neu für mich und gibt mir schriftlich, dass ich nun wohl Autor bin. Lustigerweise hatte ich vor dem Mikrofon aber niemals das Gefühl, hier jetzt als Schreiber zu sitzen. Ich empfand mich die ganze Zeit als Performer dieser Zeilen und versuchte, wie ich es bei jedem Hörbuch versuche, mich in den Dienst des Textes zu stellen. In dem Punkt habe ich regelrecht eine multiple Persönlichkeit und kann da ganz gut differenzieren.
db-mobil: Wie ist der Untertitel »Eine Art Roman« zu verstehen?
Christoph Maria Herbst: Nun, das, was ich schrieb, geht über die herkömmliche Tagebuchform hinaus, folgt aber dennoch nicht komplett der Struktur, die normalerweise ein Roman hat. Mein Buch hätte genauso »Eine Art Tagebuch « heißen können. Es ist ein literarischer Gemischtwarenladen geworden, in dem sich Reales und Irreales, Fiktion und Non-Fiktion fröhlich die Hände reichen.
db-mobil: Im ersten Kapitel schildern Sie eine Begegnung mit dem Produzenten Wolfgang Rademann – wie hat der große alte Mann des deutschen Fernsehens denn darauf reagiert, dass er im Logbuch Ihrer Reise persönlich vorkommt?
Christoph Maria Herbst: Ich las ihm noch auf Bora Bora in Hawaiihemd und Shorts – wir hatten beide das Gleiche an – die Berliner Szene vor, und er schüttete sich vor Lachen aus. Mir entging allerdings nicht, dass seine Augen auch aus anderen Gründen glasig wurden. Wolfgang war gerührt, was wiederum mich rührte. Am Ende saßen wir da in Französisch-Polynesien und lachten wimmernd.
db-mobil: Sind Sie auch auf hoher See mit dem Versicherungsangestellten Bernd Stromberg verwechselt worden, den Sie in der gleichnamigen Serie spielen?
Christoph Maria Herbst: An Bord war eindeutig nicht die Stromberg-Zielgruppe. Passagiere, die mich ansprachen, verwechselten mich oder kannten mich aus Kinderfilmen wie »Hui Buh« oder »Hände weg von Mississippi«, die sie zusammen mit ihren Enkeln gesehen hatten. Erkannt wurde ich aber in Chile, davon handelt auch ein Kapitel.
db-mobil: Auf dem Traumschiff waren Sie ja beruflich – werden Sie nach dieser Erfahrung auch privat auf Kreuzfahrt gehen?
Christoph Maria Herbst: Niemals konnte ich ein »Nein« eindeutiger sagen als in diesem Fall. Auf einem Schiff sein, eine Kreuzfahrt machen wird für mich in den nächsten Jahren immer mit Beruf, Schminke und fremden Texten assoziiert sein. So wie jemand, der verdorbene Muscheln gegessen hat, zunächst mal einen Bogen um Meeresfrüchte macht. Mit Abstand freut man sich dann später umso mehr wieder darauf, auch wenn man sich an die Symptome noch ganz gut erinnern kann.
db-mobil: Haben Sie jetzt als Autor Blut geleckt – wollen Sie noch mehr Bücher schreiben?
Christoph Maria Herbst: Mein Erstling soll jetzt erst einmal laufen lernen. Bis dahin werde ich mich gut zurückhalten können. Das ist schon eine extrem einsame Arbeit, der man da nachgeht, und das ist grundsätzlich nichts für mich, da ich eher Ensemblemensch, Teamplayer, Mitmacher bin. Trotzdem habe ich in dieser Schreibzeit eine Menge über mich gelernt. Ausschließen will ich es also nicht, aber meine Leidenschaft wird immer meinem Brotberuf gehören: Schauspieler.

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