Interview mit Leisa Rayven

Interviewer: Warum haben Sie sich entschieden, einen Liebesroman zu schreiben?
Leisa Rayven: Weißt du, ich war eigentlich nicht darauf aus, eine Liebesgeschichte zu schreiben. Eines Tages sah ich »Romeo & Julia« (die Fassung von Baz Luhrman) und begriff, warum ich Romeo schon immer gehasst hatte. Er ist für mich ein alberner, launischer Junge, dessen Handlungen einfach keinen Sinn ergeben. Am Anfang des Stücks grämt er sich über sein gebrochenes Herz, weil Rosaline ihn zurückgewiesen hat, und er bejammert, dass er sich nie wieder verlieben könne bla bla bla. Dann geht er auf eine Party, trifft Julia, verliebt sich Hals über Kopf und ist keine 24 Stunden später mit ihr verheiratet. Ich denke, wenn er wirklich Liebeskummer wegen Rosaline gehabt hätte, wäre er beim Anblick von Julia schnellstmöglich weggerannt. Die Intensität seiner Gefühle für sie hätte ihn doch nur noch verletzlicher gemacht. Das brachte mich zu der Überlegung, wie es ist, wenn jemand die Liebe seines Lebens trifft, aber durch vorangegangene
Beziehungen zu verletzt ist, um sich darauf einzulassen. Was wäre, wenn Romeo Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hätte, um Julia widerstehen zu können? Hätte es trotzdem einen Sieg für die Liebe gegeben, weil die beiden einfach für einander bestimmt waren? Diese Frage interessierte mich so sehr, dass ich begann dieses Buch zu schreiben.
Interviewer: Haben Sie Ihre Erfahrung als Schauspielerin in den Schreibprozess einfließen lassen?
Leisa Rayven: Ja, absolut. Ich habe schon vor »Bad Romeo & Broken Juliet– Wohin Du auch gehst« viele (unveröffentlichte) Bücher geschrieben, die alle nicht in der Theaterwelt spielten. Aber die Theaterwelt ist mein Zuhause. Ich schauspielere, seitdem ich ein kleines Mädchen bin, also schrieb ich mich nach der Highschool auf einer Theaterhochschule ein, die viel Ähnlichkeit mit der Grove hat. Es hat Spaß gemacht, einige meiner Schauspielschul-Erinnerungen lebendig werden zu lassen und in »Bad Romeo« einzubauen. Es ist eine krasse Umgebung, und die Zeit dort war eine wichtige Erfahrung für mich, so dass Cassie und ich hier einiges gemeinsam haben. Auch einen Großteil meines Berufslebens habe ich als Schauspielerin und Sängerin verbracht, daher habe ich es sehr genossen, meine persönlichen Erfahrungen in das Buch einfließen zu lassen. Die Schauspielerei ist sowohl herausfordernd als auch sehr bereichernd, aber sie unterscheidet sich deutlich von anderen Berufen. Ich dachte, dass es für meine Leser interessant wäre, über diese Welt mehr zu erfahren.
Interviewer: Können Sie uns ein bisschen von Ihrer Zeit als Schauspielerin erzählen?
Leisa Rayven: Ich war ein total schüchternes Mädchen. Am Tag meines Vorsprechens bin ich fast gestorben vor Angst. Wirklich, das war die schlimmste Erfahrung meines Lebens. Und das will was heißen: Ich komme aus Australien – einem Land mit den giftigsten Spinnen der Welt. Naja, irgendwas muss ich aber doch richtig gemacht haben, denn ich wurde aufgenommen und konnte einige Semester später meinen Bachelor of Arts mit den Hauptfächern Schauspiel und Regie machen. Lustigerweise spielt das Theater derzeit nur die Nebenrolle in meinem Leben, aber ich begrüße diese Veränderung sehr. Man braucht keine falschen Wimpern oder ausgefallenen Kostüme am Schreibtisch. Wenn es darum geht, jeden Tag ein paar Tausend Wörter zu Papier zu bringen, dann kann man das ruhig in Jogginghose machen.
Interviewer: Wann haben Sie angefangen zu schreiben?
Haben Sie bestimmte Gewohnheiten, wenn Sie einen Roman schreiben?
Leisa Rayven: Ich schreibe Geschichten, seit ich ein kleines Mädchen bin. Während meines Schauspielstudiums wurde mein Interesse für Theaterstücke geweckt, also habe ich nach meinem Abschluss eine Menge Drehbücher geschrieben und fürs Fernsehen gearbeitet. Einige meiner Theaterstücke waren sogar auf Tour.
Als ich aber dann mit meinem Mann nach Rom gezogen bin, hatte ich das dringende Bedürfnis, Romane zu schreiben. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich an das Schreiben von Büchern gewöhnt hatte. Aber als ich sechs Monate später zurück nach Australien kam, hatte ich drei Romane angefangen und viele weitere Ideen im Kopf. Mein Arbeitstag sieht meist so aus: Ich erledige zuallererst meine alltäglichen, langweiligen Aufgaben, und dann – während meine Jungs noch in der Schule sind – setze mich hin, um zu schreiben. Nachmittags bin ich meistens das Mama-Taxi und fahre die Jungs zu ihren Hobbies. Aber auch dann vertreibe ich mir die Wartezeit damit, zu schreiben. Das einzige Problem ist, wenn die Kurse vorbei sind und ich mitten in einem Kapitel stecke. Oft versuche ich, die Jungs zu überreden, sich erst mal hinzusetzen und ein bisschen zu warten….
Interviewer: Wie schreiben Sie Liebesszenen? Sind die besonders schwierig?
Leisa Rayven: Sexszenen sind einfach, aber mit der Liebe ist es schwer – wie immer im Leben. Ich versuche mich wirklich in die Figuren hineinzuversetzen. Es hilft mir, wenn ich dabei die Augen schließe. Das Ganze läuft dann wie ein Film vor meinem inneren Auge ab, und ich schreibe im Nachhinein auf, was ich gesehen habe.
Interviewer: Welche Autoren haben Sie beeinflusst?
Leisa Rayven: Ich liebe Stephen King und habe in meiner Jungend alles von ihm verschlungen. Dean Koonz und James Patterson habe ich auch viel gelesen. Liebesgeschichten waren früher nicht so mein Fall. Das erste Buch, in das ich mich total verliebt habe,war Die Outsider von Susan E. Hinton. Das muss man sich mal vorstellen: Die Autorin war bei der Niederschrift grad mal 16 Jahre alt! Ich war zehn, als ich es zum ersten Mal las. Seitdem bin ich ein Buch-Junkie. Auch für Ethan hat Hintons Roman eine große Bedeutung. Seine Ausgabe ist völlig zerfleddert, weil er sie ständig mit sich rumträgt.

Interviewer: Ist Ethan der Typ Mann, in den Sie sich verlieben würden?
Leisa Rayven: O mein Gott, JA! Haha! Ich glaube, jeder von uns hat sich schon mal in jemanden wie Ethan verliebt – den kaputten Typen, den es zu »bekehren« gilt. Aber wenn es nur eine Sache gibt, die die Leser aus meinen Büchern lernen, dann ist es hoffentlich die, dass man andere Menschen nicht heilen oder ändern kann. Wir können sie unterstützen, wenn sie sich selber ändern wollen. Aber mehr kann man nicht tun. Zu glauben,dass die Liebe alles bewirken kann, wenn sie nur stark genug ist, stimmt nicht.
Interviewer: Welche Schauspieler würden Sie vorschlagen, wenn »Wohin Du auch gehst« verfilmt wird?
Leisa Rayven: Das Model Sean O’Pry wäre die perfekte Besetzung für Ethan – also rein optisch. Leider weiß ich nicht, ob er schauspielern kann. Ich würde es mir natürlich wünschen, denn er wäre PERFEKT. Meine zweite Wahl fiele auf den britischen Schauspieler Douglas Booth. Der ist unglaublich attraktiv,spielt aber meines Wissens sonst ganz andere Rollen. Für Cassie schwebt mir Phoebe Tonkin vor. Die australische Schauspielerin würde das sicher phantastisch hinkriegen.
Interviewer: Was ist das Geheimnis einer funktionierenden Partnerschaft?
Leisa Rayven: Gespräche, Liebe und Respekt! Ganz sicher. Mein Mann und ich sind zusammen, seit ich 19 bin, und wir hatten immer eine unglaublich offene und ehrliche Beziehung. Was wir über die Jahre gelernt haben, ist, den anderen nie als selbstverständlich anzusehen.
Wir scheinen in einer Gesellschaft zu leben, die immer mehr will, dabei sollten wir dankbar sein für alles Gute, das uns bereits widerfahren ist. Ich bin sehr glücklich, dass ich meinen Mann habe, jeden Tag. Er ist der tollste Mensch, den ich kenne. So einen Seelenverwandten in meinem Leben zu wissen, macht mich zufrieden und beflügelt mich bei allem, was ich tue.

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