Interview mit Gillian Flynn

Gillian Flynn wuchs in Kansas City auf. Sie war als Journalistin für den San Francisco Examiner und U.S. News & World Report tätig und ist derzeit die leitende TV-Kritikerin von Entertainment Weekly. Die Autorin lebt in Chicago. „Cry Baby“ ist ihr erster Roman. Stephen King sagt dazu: »Dies ist ein absolut grandioser Debutroman. Mir grauste es vor den letzten dreißig Seiten, aber ich konnte nicht anders, ich musste weiterlesen. Nachdem ich das Licht gelöscht hatte, merkte ich dann, dass die Geschichte in meinem Kopf blieb, zusammengerollt und zischend wie eine Schlange in einer Höhle.«
Fischer Verlag: Ihr Geburtsort:
Gillian Flynn: Ich bin in Kansas City geboren, lebe aber heute in Chicago.
Fischer Verlag: Ihre Lieblingsautoren:
Gillian Flynn: Das ist eine lange Liste – Dennis Lehane, Joy Williams, James Ellroy, Kate Atkinson, Joyce Carol Oates, P.C.Wodehouse und Martin Amis.
Fischer Verlag: Ihr beruflicher Werdegang:
Gillian Flynn: Ich habe einen M.A. in Journalismus von der Northwestern University, hatte dann eine Reihe von Jobs, die irgendwie mit Journalismus zu tun hatten, schließlich wurde ich Leitende TV-Kritikerin bei Entertainment Weekly. Dann Schriftstellerin.
Fischer Verlag: Der Plot:
Gillian Flynn: Die Journalistin Camille Preaker wird in ihren Heimatort, Wind Gap, beordert, um dort den Tod zweier Teenager aufzuklären. Während sie die Wahrheit herauszufinden versucht, muss sie sich auch den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit stellen.
Fischer Verlag: Ihre stärkste Herausforderung:
Gillian Flynn: Nach einem langen Tag in der Redaktion, wo man viele Stunden damit zubringt, lange Texte über alles Mögliche in der heutigen Pop-Kultur zu schreiben, am Abend noch weiter zu schreiben.
Fischer Verlag: Ihr amerikanischer Verlag sagt:
Gillian Flynn: Wenn Donna Tartt einen Thriller geschrieben hätte, dann wäre das „Cry Baby“ gewesen
Fischer Verlag: Der Boston Globe sagt:
Gillian Flynn: Sie steht mehr in der Tradition von Joyce Carol Oates als von Agatha Christie, aber dieses Buch wird viele Leser nachhaltig verunsichern. Aber von der ersten Zeile ist klar, dass man
es mit einer talentierten und versierten Schreiberin zu tun hat.
Fischer Verlag: Schreiben Sie lieber Romane oder Rezensionen?
Gillian Flynn: Ich denke, dass Romane zu schreiben, ursprünglicher ist – und tatsächlich fällt es mir auch leichter. Da bin nur ich und mein Laptop; nicht ich, mein Laptop und eine TV-Show, an der 30 Leute mitgearbeitet haben. Rezensionen zu schreiben hält einen wach, ich kann heute fast nichts mehr anschauen oder lesen, ohne mir dabei Notizen zu machen, aber richtig zu schreiben ist für mich sehr entspannend.
Fischer Verlag: Was glauben Sie: Ist Ihre schriftstellerische Tätigkeit mehr von dem beeinflusst, was Sie gelesen haben, oder von dem, was Sie im Fernsehen/Kino gesehen haben?
Gillian Flynn: Meine Mutter arbeitete als Lehrerin, mein Vater ist ein pensionierter Filmprofessor. Ich bin also mit beidem groß geworden: den Büchern und den Filmen. Noch heute fragt mich mein Vater als erstes am Telefon: Hast du kürzlich was Gutes im Kino gesehen? Ich liebe es, Wörter zusammenzusetzen, aber wenn ich dann am Schreiben bin, denke ich oft in „Szenen“ – ich will diese beiden Personen in dieser schmuddeligen Bar mit genau dieser Musik im Hintergrund.
Fischer Verlag: Sie arbeiten im Moment an Ihrem zweiten Buch...?
Gillian Flynn: Ich spiele im Moment noch mit dem Plot. Bei „Cry Baby“ war ich mir lange Zeit nicht darüber im Klaren, wer eigentlich der Mörder sein sollte. Aber ich kann soviel verraten, dass das neue Buch von Familienloyalität, falschen Erinnerungen und einem Mordprozess handeln wird.
Fischer Verlag: Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Hat sich da seit Ihrem ersten Buch etwas verändert?
Gillian Flynn: Mein Schaffensprozess ist unglaublich ineffizient, und es hat sich seit dem letzten Buch in dieser Hinsicht leider nichts verändert. Ich schreibe zum Beispiel kein Exposé: Ich weiß so ungefähr, wie es beginnen soll, und auch ungefähr, wie es aufhören soll. Dazwischen schreibe ich drauf los, da gibt es dann Charaktere, die ich lieber mag als andere und die ich dann weiter verfolge. Ich habe aber auch schon ganze Kapitel geschrieben, von denen ich genau wusste, dass ich sie nicht verwenden würde. Ich habe einen ganzen Ordner voll mit „Gelöschten Szenen“.
Aber eines hat sich doch verändert: Ich bin in der Zwischenzeit in ein neues Apartment gezogen – dort gibt es eine große Badewanne. Da sitze ich dann mit hochgestelltem Laptop stundenlang im warmen Wasser und schreibe. Zugegeben: Das ist schon merkwürdig.

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