db-mobil: Herr Ollestad, Sie haben im Alter von elf Jahren einen tragischen Flugzeugabsturz erlebt, dabei haben Sie Ihren Vater verloren. Wie ist es möglich, ein solches Erlebnis seelisch zu überwinden und ein normales Leben zu führen?
Norman Ollestad: Wissen Sie, es ist doch so, dass Menschen auf der ganzen Welt Tag für Tag in grausamer Armut überleben, sie überleben Krieg, Hunger, Gewalt. Sie haben keine Hoffnung, es gibt für sie keine Zukunft. Was mir geschehen ist, ist nichts Außergewöhnliches, wenn man die Welt betrachtet. Das war es nur für mich. Menschen finden Wege, um durchzuhalten und nach vorn zu blicken, das Geschehene hinter sich zu lassen. Das Wichtigste ist doch, wie man es schafft, weiterzumachen. Man muss sich regelrecht durch die Trauer, den Schmerz und die Wut durchkämpfen, damit man sich das Leben nicht ganz verdirbt. Mir half das Surfen, das Skilaufen, dieses Süchtigsein nach dem Sturm, all das, was mein Vater mir beigebracht hat, um die Schönheit des Lebens wiederzufinden. Und so ist es mir langsam nach und nach gelungen, mich durch die Dunkelheit freizukämpfen.
db-mobil: Sie haben Ihre ganz persönliche Geschichte aufgeschrieben. Wann haben Sie sich dazu entschlossen und wie sind Sie vorgegangen?
Norman Ollestad: Ich bin genauso vorgegangen, wie bei jeder anderen Geschichte, die ich schreibe: Wo ist das Fleisch und wo ist der Knochen? Wo sind die spannenden Aspekte? Wie ist ein Gefühl oder eine Erfahrung mit der nächsten verbunden? Ich grabe und grabe, und unter einer dicken Schicht finde ich dann den roten Faden, dem ich folge.