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Anne Weber erhält Kranichsteiner Literaturpreis 2010
Anne Weber Foto: Thorsten Greve
 
Der vom Deutschen Literaturfonds vergebene Kranichsteiner Literaturpreis geht im Jahr 2010 an die 1964 geborene und in Paris lebende Schriftstellerin Anne Weber. Sie erhält den Preis in Anerkennung für ihr Werk, insbesondere für den in diesem Jahr erschienenen Roman "Luft und Liebe". In diesem Roman verbindet sie Themen und Figuren aus zwei Kulturkreisen, in denen sie selbst zu Hause ist, zu einer Handlung, die in Frankreich ihren Schauplatz findet, aber der deutschen Romantik das literarische Vexierspiel verdankt.

Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 19. November in Darmstadt verliehen. Die Laudatio hält der Literaturkritiker Andreas Platthaus. Außerdem erhalten Michael Kleeberg ein 10-wöchiges Stipendium im Deutschen Haus der New York University und David Wagner ein 10-wöchiges Stipendium an der Queen Mary University of London.

Die Jury gehörten Lerke von Saalfeld, Burkhard Müller und Andreas Platthaus an.

Ebenfalls am 19. November bewerben sich in einer öffentlichen Lesung in der Bertolt-Brecht- Schule in Darmstadt drei Autoren um den Kranichsteiner Literaturförderpreis. Es lesen Daniela Dröscher ("Die Lichter des George Palmanazar"), Ricarda Junge ("Die komische Frau"), und Andre Rudolph ("fluglärm über den palästen unserer restinnerlichkeit") aus unveröffentlichten Texten. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert, ein zusätzlicher Preis in Höhe von 1.000 Euro wird von einer Schüler-Jury vergeben. Alle Preise werden am Abend des 19. November überreicht.

Darmstadt, den 20. August 2010
Die Enden der Welt
Roger Willemsen im Gespräch mit seinem Lektor Jürgen Hosemann
Jürgen Hosemann: Am Ende der Welt steht vermutlich kein Schild. Woher weiß man, dass man da ist?
Roger Willemsen: Am Kap der guten Hoffnung in Südafrika war das Ende der Welt immerhin mit einem Gatter versehen. Davor stand ein Schild mit der Gebührenordnung, den Eintrittspreisen. Als ich kam, hatte dies Ende der Welt gerade geschlossen, und es wurde auch nicht wieder geöffnet. Von einem Seitenweg aus konnte ich allerdings erkennen, dass es sich um einen öden Hügel handelte, bedeckt mit Andenken. Nicht gerade eine glamouröse Art zu enden, doch andererseits wird so selbst eine wüste Erdkuppe zur Sehenswürdigkeit.
Jürgen Hosemann: Kann man gewissermaßen versehentlich vor dem Ende der Welt stehen, oder muss man schon vorher wissen, wo man ein Ende finden könnte?
Roger Willemsen: Es gibt die offensichtlichen Enden: Patagonien, Kap Horn, den Nordpol. Es gibt daneben die plausiblen: Von Timbuktu aus etwa blickt man auf die Todeszone der Sahara, vom isländischen Isafjördur auf den Eiskontinent Grönland, in Tonga betritt man den von uns aus weitest entfernten Ort, im senegalesischen Gorée befand sich das Ende der Welt für zahllose Sklaven, die von hier aus nach Amerika verschifft wurden, und in Orvieto steht man im Dom auf der Spitze des Berges vor dem gewaltigsten jüngsten Gericht der Renaissance. Ich bin aber auch in einem Bordellflur in Bombay, an einem Flussufer in Afghanistan, an einem Krankenbett in Minsk oder im Krieg im Kongo plötzlich von dem Gefühl erwischt worden, hier gerade ein Weltende zu betreten. Das kann auch schauderhaft sein.
Jürgen Hosemann: Vielleicht sind also die nicht offensichtlichen Enden noch interessanter ... Was sind denn die subjektiven Kriterien für ein Ende der Welt, Ihre eigenen?
Roger Willemsen: Da ist nichts als Ahnung, Stimmung, ein Ausgesetzt-Sein, man fühlt sich erfasst. So viel Macht muss man einer Landschaft schon einräumen. Manchmal glaubt man, auf der Rückseite dieser Landschaft angekommen zu sein. Manchmal weiß man sogar erst im Rückblick, dass man sich im Extremen befunden und von dort abgestoßen hat.
Jürgen Hosemann: Zum Beispiel?
Roger Willemsen: Als ich im „Goldenen Dreieck“, also zwischen Thailand, Laos und Myanmar in der Heimat des Schlafmohns bei einem Bergvolk Opium rauchte, wusste ich nicht, dass ich mit dieser Erfahrung ans Ende meines Lateins geraten und schließlich regelrecht auf das Kreatürliche reduziert sein würde, die Erfahrung aber war bleibend, und ich zehre immer noch davon zu wissen, was so ein Kopf alles kann.
Leseprobe aus
288 Seiten
Geb.mit SU
Preis € 16,95
ISBN: 978-3-502-11064-4

Der neue Roman vom Autor der Kultserie »Stromberg«: genial tragikomisch und hoffnungslos lustig! Nett war gestern. Das Leben behandelt Lorenz Brahmkamp nicht gut – vielleicht als Quittung dafür, dass er es häufig mit der Wahrheit nicht so genau nimmt: Aber Lorenz ist nicht der Typ Sachbearbeiter, der sich das vom Leben gefallen lässt. Seine Frau hat ihn verlassen, also schreibt er ihr Drohgedichte, bei seinen Kollegen ist er unbeliebt und...

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