›Ahnen‹


Anne Weber begibt sich auf eine Entdeckungsreise, die in die befremdende und faszinierende Welt ihres Urgroßvaters und damit in die Abgründe und Höhenflüge einer ganzen Epoche führt. Florens Christian Rang – im Buch Sanderling genannt – war Jurist, Pfarrer in zwei Dörfern bei Posen, Schriftsteller und Philosoph. Er korrespondierte mit Hugo von Hofmannsthal, war befreundet mit Martin Buber und Walter Benjamin. Doch auf der Reise zu diesem Urgroßvater stellt sich immer wieder ein gewaltiges Hindernis in den Weg: die deutsche und familiäre Vergangenheit, wie sie nach Sanderlings Tod weiterging. ›Ahnen‹ ist eine ebenso poetische wie reflektierte Zeitreise, die zugleich von den Sehnsüchten und dem Schmerz der Gegenwart erzählt.


»Der Weg in die Vergangenheit liegt vor uns«

Ein Interview mit Anne Weber über ihr neues Buch ›Ahnen‹, über deutsche Vergangenheit und Gegenwart und ihren Urgroßvater Florens Christian Rang.

Nach dem Liebesroman ›Tal der Herrlichkeiten‹ wendest Du Dich in Deinem neuen Buch ›Ahnen‹ Deiner Familie und vor allem Deinem Urgroßvater Florens Christian Rang zu. Was waren Deine Beweggründe für dieses sehr persönliche Buch und was war das für ein Mensch, dieser Florens Christian Rang?

Auf den ersten Blick mögen diese beiden Bücher nicht viel miteinander zu tun haben; auf den zweiten durchaus. Man kann sicher ›Tal der Herrlichkeiten‹ einen Liebesroman nennen, aber es ist auch und vor allem eine Orpheus-Geschichte; die Geschichte eines Mannes, der sich aufmacht in das Reich der Toten, um die verlorene Geliebte wieder zu den Lebenden zurückzuholen. Wer sich mit Vergangenheit beschäftigt, mit Menschen, die vor uns gelebt haben, begibt sich in gewisser Weise auch in ein Reich der Toten. Er kommt zwar nie wirklich an, die Vergangenheit entzieht sich ihm immer wieder. Aber indem er ihre Schriften liest, ihre Bilder anschaut, etwas über ihre Zeit herausfindet, macht er sich auf den Weg zu den Toten und versucht, sich ihnen anzunähern.

Mein Urgroßvater Florens Christian Rang war ein durchaus faszinierender Mann. Eigentlich ist das Erstaunliche nicht so sehr, warum ich mich näher mit ihm beschäftigen wollte, als vielmehr, warum ich das nicht schon früher getan habe. Wenn ich auf die Frage: Was war das für ein Mensch?, eine einigermaßen einfache und bündige Antwort wüsste, hätte ich sicherlich dieses Buch nie geschrieben. Natürlich gibt es ein paar Anhaltspunkte: Er ist 1864 in Kassel geboren, war nach einem Jura-Studium zunächst im preußischen Staatsdienst, verließ seine Stelle aber schon bald wieder und studierte spät noch Theologie, war einige Jahre Pfarrer in zwei Dörfern in der Umgebung von Poznań/Posen. Aber auch diesen Beruf ertrug er nicht lange. Er war mit Walter Benjamin, Martin Buber und Gershom Scholem befreundet, korrespondierte mit Hofmannsthal. Er war ein gelehrter Mann und hat viel geschrieben, über Shakespeare, Kleist, Cervantes, über das Christentum, über die Ursprünge des Karnevals. Sein Nachlass liegt seit einigen Jahren im Walter Benjamin Archiv in Berlin. Er scheint ein leidenschaftlicher, unruhiger, zerrissener Mensch gewesen zu sein. Das sind aber nur Anhaltspunkte, mit deren Hilfe allenfalls eine Art Phantombild eines Menschen zustande kommt. Alles Weitere entsteht in der Bewegung hin zu dem Mann und seiner Zeit, die dieses Buch abbildet.

 
Zum ganzen Interview


PRESSESTIMMEN

»sprachlich aufregende und intellektuell überragende Herkunftserkundung.«
Anke Groenewold, Neue Westfälische Zeitung, 8.4.2015

»[…] das macht diese großartige Begegnung der Lebenden mit den Toten zu einem literarischen Lehrstück.«
Oliver Pfohlmann, Landshuter Zeitung, 21.3.2015

»eine interessante Mischung aus persönlicher Beziehung und Zeitgeschichte, Selbstreflektion und Objektivität.«
MDR, Figaro, 12.3.2015

»Fasziniert erleben wir diese Form literarisch-essayistischer Prosa, mit der Anne Weber einen neuen intellektuellen und künstlerischen Maßstab für die literarische Identitätssuche setzt.«
Alexander Cammann, Die ZEIT, 12.3.2015

»Tastend und sprachlich äußerst behutsam begibt sich Anne Weber in ihrem glänzend geschriebenen Buch auf eine ungewöhnliche Geschichtsexkursion, die einen ganz eigenen Sog entwickelt.«
Michael Opitz, Deutschalndradio Kultur, 28.2.2015

»[…] was dieses anspielungsreiche Buch ausmacht: der persönliche Erlebnisbericht einer Recherche, eine selbstironische Distanz zum eigenen Handeln und eine Reflexion über das Deutschtum.«
Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung, 24.2.2015

»Etwas literarisch Eindrucksvolles und Berührendes«
Oliver Pfohlmann, Der Tagesspiegel, 22.2.2015

»Es ist eine Spurensuche nach ihrem Urgroßvater, die zur Selbstbefragung wird – ein Erkenntnisprozess, der auch literarisch fasziniert.«
Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.2.2015

Bücher

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