Unsere Autoren

Die Autoren-Websites der S. Fischer Verlage

Besuchen Sie die zahlreichen Autoren-Websites der S. Fischer Verlage!

Video

+

Interview mit László Krasznahorkai

László Krasznahorkai im Interview, 26.11.2019
Thirwell: Ich sinne gerade darüber nach, was Sie über Menschen in einer anthropomorphen Welt gesagt haben. Manchmal fällt mir auf, wie ungeniert anthropozentrisch Romane sind. Wo sind die Tintenfische? Wo sind die Algen? Eins der Dinge, die ich an Ihren Romanen liebe, ist der Versuch, gewissermaßen nicht so menschlich provinziell zu sein. Zugleich kommt mir das paradox vor. Was sollten sie sonst sein?
László Krasznahorkai: Das ist sehr wichtig. Die Romanform an sich ist vielleicht zu anthropozentrisch. Es fängt schon mit dem Erzählerproblem an, und das bleibt bis in alle Ewigkeit bestehen. Wie kriegt man den Erzähler aus dem Roman? In meinem jüngsten Roman stehen auf jeder Seite nur Dialoge zwischen den Figuren – damit lässt sich der Erzähler zwar vermeiden, aber das ist nichts weiter als eine Technik. Denn ich stimme Ihnen zu: das Grundgerüst des Romans und der Welt ist anthropozentrisch. Aber wenn ich wählen müsste zwischen einem Universum ohne Grundgerüst und der Menschheit als Grundgerüst, würde ich mich für die Menschheit entscheiden.

Wir haben keine Ahnung, was das Universum ist. Kluge Leute haben uns schon immer gesagt, das sei der Beweis, dass man nicht denken sollte, weil Denken nirgendwohin führt. Man überbaut nur das Riesenkonstrukt aus Missverständnissen, das die Kultur darstellt. Die Geschichte der Kultur ist die Geschichte der Missverständnisse großer Denker. Wir müssen also immer wieder bei null anfangen und anders ansetzen. Und vielleicht hat man so die Möglichkeit, zwar nicht zu verstehen, aber zumindest weitere Missverständnisse zu vermeiden. Denn die andere Frage ist: Bin ich wirklich so mutig, sämtliche menschliche Kultur in den Wind zu schlagen? Die Schönheit dessen, was die Menschheit hervorbringt, nicht mehr zu bewundern? Es fällt sehr schwer, zu alldem nein zu sagen.

Autoren von A - Z

Le Guin, Ursula K.

Ursula K. Le Guin (1929–2018) gilt als die Grande Dame der angloamerikanischen Science Fiction. Sie wurde mit zahlreichen Literatur- und...

Le Huche, Magali

Magali Le Huche wurde 1979 in Paris geboren. Nach dem Studium an der Kunsthochschule in Straßburg illustrierte sie ihre ersten zwei...

Le Pichon, Aude

Aude Le Pichon ist Herausgeberin und Autorin zahlreicher Kunstbücher. Außerdem hat sie bereits zwei Kochbücher für Kinder und einen ...

Leach, Douglas

Douglas Leach (1898–1987) war ein britischer Krimi-Autor.

Lebedew, Sergej

Für »Kronos‘ Kinder« hat Sergej Lebedew in den Archiven von Halle und Berlin seine deutschen Wurzeln recherchiert. Lebedew arbeitete nach...

Lebert, Andreas

Andreas Lebert war Gründungs-Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung, arbeitete beim Stern, bei der ZEIT, und er war...

Lebert, Benjamin

Benjamin Lebert lebt in Hamburg. 1999 erschien sein erster Roman »Crazy«, der in 33 Sprachen übersetzt und von Hans-Christian Schmid fürs ...

Lebert, Stephan

Stephan Lebert arbeitet – nach Stationen bei der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel und beim Tagesspiegel – als Redakteur bei der Zeit. Er...

Leblanc, Alain

Alain Leblanc wurde 1951 in Paris geboren. Von 1973 bis 1987 war er Kulturredakteur bei verschiedenen französischen Zeitungen und Magazinen....
0 Artikel  0 €