Autor: LIAO YIWU BERLIN 2010
Foto: ALI GHANDTSCHI

Der Geschwister-Scholl-Preis 2011 geht an Liao Yiwu für sein Buch ›Für ein Lied und hundert Lieder‹

Der Geschwister-Scholl-Preis wird Liao Yiwu für sein Buch „Für ein Lied und hundert  Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ verliehen. Das Manuskript dieses erschütternden, wilden und mitreißenden Buches wurde von den chinesischen Behörden mehrmals beschlagnahmt – und so musste Liao Yiwu es mehrmals schreiben. Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller wird die Laudatio auf den Preisträger halten.

Im Juni dieses Jahres hat Liao Yiwu sich ins Exil nach Deutschland absetzen können, wo sein Buch nun beim S. Fischer Verlag erschienen ist.  Geschildert werden darin die vier Jahre der Inhaftierung des   Autors von 1990 bis 1994. Liao Yiwu hatte am Vorabend des Massakers im Jahre 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking ein prophetisches Gedicht geschrieben, für das er inhaftiert wurde.

„Liao Yiwus epischer, drastischer Bericht handelt von der Brutalität und Absurdität willkürlicher staatlicher Repression. Die Auszeichnung gilt aber nicht allein dem persönlichen Schicksal des Autors, der wie andere verfolgte Künstler seines Landes vielfach einer existentiellen Unterdrückung ausgesetzt war. Vielmehr unternimmt es Liao Yiwu in seiner starken, mal illusionslosen, mal bildreichen Sprache, allen Erniedrigten Chinas eine Stimme zu geben. Der Schriftsteller kämpft einen literarischen Kampf für die Wiederherstellung der Menschenwürde – er ist ein großer Künstler und ein mutiger Chronist zugleich“, heißt es in der Begründung der Jury. Liao Yiwu habe seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Ton. Gerade damit sei er im Sinne des Vermächtnisses der Geschwister Scholl ein Vorbild für alle, die gegen Ungerechtigkeit und Diktatur aufbegehren. Sein Werk stehe in besonderer Weise für moralischen und intellektuellen Mut. Mit der Auszeichnung von Liao Yiwu verbinde sich die mahnende Hoffnung, dass er einmal in ein freies, demokratisches China zurückkehren möge.

Die Preisverleihung findet am 14. November 2011 um 19.00 Uhr in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München statt.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und die Landeshauptstadt München vergeben den mit 10.000 Euro dotierten
Geschwister-Scholl-Preis 2011 zum 32. Mal. Zu den bisherigen Preisträgern zählten in den letzten Jahren Joachim Gauck, Roberto Saviano, David Grossmann, Anna Politkovskaja und Necla Kelek, um nur einige Namen zu nennen.

Ab sofort finden Sie auf der Internetseite www.geschwister-scholl-preis.de alle Informationen zum Preisträger 2011 und das gesamte Archiv des Preises.
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