(privat)

Liao Yiwu in Deutschland

Nachdem Liao Yiwu, Autor des Buches ›Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Gesellschaft von unten‹, sich in diesem Jahr mehrfach vergeblich darum bemüht hatte, ins Ausland reisen zu dürfen, konnte er in dieser Woche überraschend nach Deutschland kommen. Der S. Fischer Verlag freut sich darüber, seinen Autor in Deutschland begrüßen zu können. Liao Yiwu wird dort für einige Zeit bleiben und anschließend Einladungen in die USA und nach Australien wahrnehmen. Im Jahr 2012 wird Liao Yiwu Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD sein. Am 21. Juli erscheint im S. Fischer Verlag Liao Yiwus neues Buch ›Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen‹. (Bitte entschuldigen Sie das Hin und Her mit dem Erscheinungstermin. Angesichts der plötzlichen Reise mussten wir aber den Erscheinungstermin noch einmal verändern, um das Beste für Liao Yiwus Buch zu erreichen. Wir bitten um Verständnis.)
Noch einige Informationen zum Autor und zum Buch:
Bis zum Vorabend des 4. Juni 1989 führt Liao Yiwu das Leben eines so unbekannten wie unpolitischen Hippie-Poeten. Doch mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens ist schlagartig alles anders. Nachdem Liao ein kritisches Gedicht verfasst hat, wird er zu vier Jahren Haft im Gefängnis und in einem Arbeitslager verurteilt.
In seinem großen Buch schildert Liao auf literarisch höchst eindringliche Weise die brutale Realität seiner Inhaftierung. Dabei ist er schonungslos, auch sich selbst gegenüber: Er beschreibt, wie er und seine Mithäftlinge zu Halbmenschen degradiert werden und dabei manchmal selbst vergessen, was es bedeutet, Mensch und Mitmensch zu sein.
Liao Yiwu zeigt sich in diesem eindrucksvollen Buch abermals als einer der ganz großen Autoren Chinas, als einer der sprach- und bildmächtigsten Schriftsteller unserer Zeit.
Liao Yiwu, geboren 1958 in der Provinz Sichuan, wuchs als Kind von Eltern »ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis« in der großen Hungersnot der 60er Jahre auf und schlug sich jahrelang mit verschiedensten Tagelöhner-Jobs und als Dichter durch. 1989 verfasste er das Gedicht ›Massaker‹, das in Windeseile Verbreitung fand, auch über die Grenzen Chinas hinaus. Hierfür wurde er vier Jahre inhaftiert und schwer misshandelt. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis »Freiheit zum Schreiben« ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde. 2009 erschien auf Deutsch sein von der Kritik euphorisch begrüßtes Buch ›Fräulein Hallo und der Bauernkaiser – Chinas Gesellschaft von unten‹, das Menschen vom Bodensatz der chinesischen Gesellschaft porträtiert und in China verboten ist.
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