Lisa Krusche ist beim Bachmannpreis mit dem Preis des Deutschlandfunks ausgezeichnet worden.

Nice! Lisa Krusche ist beim Bachmannpreis mit dem Preis des Deutschlandfunks ausgezeichnet worden. Ihr truly gefühlvoller und heartbreaking tougher Debütroman, „Unsere anarchistischen Herzen“, erscheint im Frühjahr 2021 bei S. Fischer.

Durch die Kraft ihrer Bilder, so stellte die Jury fest, baut Lisa Krusche eine eigene Welt, eine sehr fremde Welt, in der man sich aber bewegt, als wäre man schon immer dort gewesen. Sie verbindet eine queere Liebesgeschichte mit avantgardistischem politischem Denken – und man kann die Worte queer und avantgardistisch auch gleich wieder streichen, wenn man will, weil diese Geschichte auch ohne jedes theoretische Wissen unmittelbar verstanden (also empfunden) werden kann. Das liegt an den Bildern und dem Witz, über den Lisa Krusche verfügt: wie sie uns mitten in einer düsteren dystopischen Ruinenlandschaft eine Gruppe mit Rentnern mit Schwimmnudeln zwischen den Beinen auf die Leinwand unserer imaginären Vorstellungen wirft, das muss ihr mal jemand nachmachen. Lisa Krusche hat das Potential, ganz junge Leserschichten durch ihre gegenwärtige Sprache („nice!“), die ganz selbstverständlich Videospielästhetik und neueste Philosophie einbezieht, ebenso anzusprechen, wie ältere, schwimmnudelbedürftige Literaturinteressierte, die wissen wollen, was uns in der Gegenwart erwartet.  

Der erste Preis des Wettbewerbs in Klagenfurt ging an die inzwischen 80jährige Helga Schubert, deren letztes Buch „Die Welt da drinnen – Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom lebensunwerten Leben“ wir vor 17 Jahren als Original im Taschenbuch veröffentlicht haben. Wir gratulieren Helga Schubert zu ihrem berührenden, lebensklugen Text und freuen uns mit ihr über diese Ehrung.  

Der Wettbewerb begann am Mittwoch mit Sharon Dodua Otoos Eröffnungsrede, „Dürfen Schwarze Blumen Malen“, in dem sie sich mit der Erfahrung von Schwarzen Menschen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft auseinandersetzt: „Die meisten Menschen in Deutschland denken, Rassismus habe etwas mit Nazis zu tun, mit bösen Menschen, die böswillig andere verletzen oder umbringen wollen. Aber Rassismus ist ein System. Die Norm eines weißen Blicks führt dazu, dass wir rassistische Inhalte verinnerlicht haben“, sagt Sharon Dodua Otoo. Auch der Literaturbetrieb selbst sei nicht anders und werde von einer „eher weißen, eher männlichen, eher Mittelschichtsklasse“ bestimmt. Zumindest mit der männlichen Dominanz hat der Bachmann-Wettbewerb in diesem Jahr aufgeräumt.

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