Ulrich Peltzer erhält den Carl-Amery-Literaturpreises 2013

Der Träger des diesjährigen Carl-Amery-Literaturpreises ist der Autor Ulrich Peltzer. Die Jury (Dr. Martin Hielscher, Dr. Thomas Kraft, Martin Mittelmeier und Ilija Trojanow) begründet ihre Wahl wie folgt:  „Ulrich Peltzer wird mit dem Carl-Amery-Literaturpreis ausgezeichnet, weil er in seinen Romanen akribisch, hoch reflektiert und mit literarischer Raffinesse die Verstrickungen und Auflösungserscheinungen klassischer Individualität verhandelt. Peltzer dechiffriert auf seinen Streifzügen durch die Gesellschaft moderne Erlebnis- und Bewussteinsräume und stellt sich die Frage, wie Gesellschaft heute erzählt werden kann und muss. So entsteht eine neue Ästhetik des Widerstandes innerhalb einer zunehmend fragmentierten und mediendurchtosten Wirklichkeit.“
 
Die Preisverleihung findet am 9. April 2013 um 19 Uhr im Literaturhaus München statt. Die Laudatio hält Kathrin Röggla. Mit dem Carl-Amery-Literaturpreis werden deutschsprachige Autorinnen und Autoren für ihr Werk ausgezeichnet, in dem eine zeitkritische Literatur neue ästhetische Wege zu gehen und damit das Spektrum literarischer Möglichkeiten zu erweitern sucht.

Seit 2007 wird der Carl-Amery-Literaturpreis alle zwei Jahre vom Verband deutscher Schriftsteller in Bayern vergeben, mit Unterstützung des Luchterhand Literaturverlages und von ver.di Bayern. Der Preis ist mit 6 000 Euro dotiert. Die bisherigen Preisträger sind Feridun Zaimoglu (2007), Juli Zeh (2009) und Ilija Trojanow (2011). Der Preis soll an den Münchner Schriftsteller Carl Amery (1922-2005) und sein Lebenswerk erinnern. Amerys kritische Auseinandersetzung mit restaurativen Tendenzen in Gesellschaft und Kirche und sein publizistischer Einsatz für eine friedliche und ökologisch vernünftig gestaltete Welt haben Maßstäbe gesetzt. Seine Streitbarkeit und sein unbestechlicher Blick für gesellschaftliche Mißstände verbanden sich in seinen Romanen, Hörspielen und Essays mit einem ausgeprägten Bewußtsein für Formenvielfalt und ausgefeilte Rhetorik. Carl Amery war ein glänzender Stilist, der auch als Romancier gesellschaftliche Analysen in furiose literarische Tableaus verwandelte.  Eine unideologische Darstellung und Analyse gesellschaftlicher Wirklichkeit jenseits etablierter Erklärungsmuster und versprengter Erfahrungswelten verlangt - das hat Carl Amery eindrucksvoll unter Beweis gestellt - eine niemals sich zufrieden gebende sprachliche und formale Anstrengung, verlangt literarische Experimentierfreude und formale Intelligenz.

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