Carolin Emcke erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat Carolin Emcke zur diesjährigen Trägerin des Friedenspreises gewählt. Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gab die Entscheidung auf der Hauptversammlung des Verbandes in Leipzig bekannt. Die Auszeichnung wurde zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 23. Oktober 2016 in der Paulskirche in Frankfurt am Main verliehen. In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2016 an Carolin Emcke und ehrt damit die Journalistin und Publizistin, die mit ihren Büchern, Artikeln und Reden einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden leistet. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei besonders jenen Momenten, Situationen und Themen, in denen das Gespräch abzubrechen droht, ja nicht mehr möglich erscheint. Carolin Emcke setzt sich schwierigen Lebensbedingungen aus und beschreibt – vor allem in ihren Essays und ihren Berichten aus Kriegsgebieten – auf sehr persönliche und ungeschützte Weise, wie Gewalt, Hass und Sprachlosigkeit Menschen verändern können. Mit analytischer Empathie appelliert sie an das Vermögen aller Beteiligten, zu Verständigung und Austausch zurückzufinden. Das Werk von Carolin Emcke wird somit Vorbild für gesellschaftliches Handeln in einer Zeit, in der politische, religiöse und kulturelle Konflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen. Sie beweist, dass er möglich ist, und ihr Werk mahnt, dass wir uns dieser Aufgabe stellen müssen.“

Carolin Emckes Werke erscheinen seit 2004 im S. Fischer Verlag. Aus den Briefen, die sie als „Spiegel“-Reporterin in Krisengebieten ihre Freunde schrieb, entstand 2004 ihr erstes Buch „Von den Kriegen“. Es folgten „Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF“, „Wie wir begehren“ und „Weil es sagbar ist. Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit“.

Carolin Emcke erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Lessing-Preis des Freistaats Sachsen, den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay und den Theodor-Wolff-Preis. Im Oktober 2016 ist bei S. Fischer ihr neues Buch erschienen: „Gegen den Hass“.

Peter Sillem, Programmgeschäftsführer des S. Fischer Verlags (und auch der Lektor der Bücher von Carolin Emcke) kommentiert die Jury-Entscheidung:

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung für Carolin Emcke – eine wunderbare, richtige Wahl. Carolin Emcke ist eine intellektuelle Ausnahmefigur in Deutschland. Sie vereint in ihrem Denken und Schreiben theoretische Reflexion mit Anschauung und Praxis wie kaum sonst jemand. Im Akademischen ist sie ebenso zu Hause wie im Journalismus, in Krisen- und Kriegsgebieten ebenso wie auf der Bühne der politischen Debatte und schreibend in ihren Büchern. Zwei Leitmotive sind für ihre intellektuelle Biographie ausschlaggebend gewesen: Zum einen die Überzeugung, es komme im Leben darauf an, ‚menschenwürdige Verhaltensweisen unter Umständen zu zeigen, die das Gegenteil nahe legen‘. Das andere Leitmotiv, das vielleicht aus dem ersten folgt, ist das Mandat zum Sprechen, dem sich die Autorin vor allem angesichts des Holocaust besonders verpflichtet fühlt. Dem Leiden, den Opfern eine Stimme zu geben – das ist wohl die Hauptantriebskraft für sie, sich immer wieder auf den Weg zu machen, zuzuhören und davon Zeugnis abzulegen, was sie in Gaza, Afghanistan, im Kosovo, in Haiti oder im Nordirak sah und hörte. Der Gewalt setzt Carolin Emcke die Sprache entgegen, ein Ethos des Erzählens, aus der tiefen Überzeugung heraus, dass mit dem Sprechen, mit der schreibenden Zeugenschaft den Opfern von Gewalt ihre Würde, ihre Individualität zurückgegeben werden kann. Diesem Mandat der Zeugenschaft fühlt Carolin Emcke sich in ihrem Denken, Schreiben und Handeln zutiefst verpflichtet.“

Zur Rede von Carolin Emcke (Quelle: hessenschau.de)

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