Anna Funder Alles, was ich bin

Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Reinhild Böhnke
Alles, was ich bin
 

Anna Funder Alles, was ich bin

Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Reinhild Böhnke
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Inhalt

Ein Meisterwerk über Mut und Menschlichkeit

Das Deutschland der wilden Zwanziger und die politisch zerrissenen Jahre danach: Drei Menschen, drei Schicksale, die Flucht vor der Gestapo nach London, der leidenschaftliche Kampf um Freiheit und Leben: Basierend auf einer wahren Geschichte beleuchtet Anna Funder in ihrem Roman packend und mitreißend eine Liebesgeschichte in Zeiten großen Aufruhrs.



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Bibliografie

Roman

E-Book

Preis € (D) 9,99
ISBN: 978-3-10-402003-7
lieferbar

432 Seiten,
FISCHER E-Books
Preisänderungen & Lieferfähigkeit vorbehalten.

Pressestimmen

»Die australische Autorin Anna Funder hat aus einem realen Stoff einen wunderbaren Roman komponiert.«
Donna, März 2014, 12.03.2019

»Der Roman lebt von seiner atmosphärischen Dichte und der emotionalen Nähe zu seinen Figuren, die Anna Funder packend miteinander verwebt hat.«
Antje Liebsch, Brigitte Woman, März 2014, 12.03.2019

»Abenteuerlich, herzzerreißend, kaufen.«
Harper’s Bazaar, März 2014, 12.03.2019

»stellenweise wie ein Thriller […] wenn Funder die Vorgänge im Exil beschreibt, gewinnt das Buch große Eindringlichkeit.«
Eva Pfister, Stuttgarter Zeitung, 04.04.2014

»Voller Spannung und ohne überflüssiges Heldenpathos entwirft sie das Panorama der dunklen Zeit von Terror, Vertreibung und Exil, dargeboten als kunstvolles Spiel mit den Erzählebenen.«
Andreas Conrad, Der Tagesspiegel, 02.04.2014

»Trotz des Themas schreibt die Autorin in einem leichtfüßigen, unpathetischen, klaren Ton, sie formt aus den Widerstandskämpfern Figuren mit Stärken und Schwächen.«
Yvonne Poppek, Süddeutsche Zeitung, SZ Extra, 27.03.2014

»Ein Buch, das als Heldenepos beginnt und als tragischer Kriminalfall endet.«
Michael Merz, Sonntagsblick, 02.03.2014

»Eine mysteriöse Exil-Geschichte, aus der Anna Funder ein Meisterwerk über Mut und Menschlichkeit macht.«
Angela Wittmann, Brigitte, 26.02.2014



Buchtipps

Zeitgenössische Literatur (intern.)

  • V.S. Naipaul
»Das Rätsel der Ankunft«
  • S. Sjón
»CoDex 1962«
  • Richard Powers
»Die Wurzeln des Lebens«
  • Édouard Louis
»Wer hat meinen Vater umgebracht«
  • Roberto Bolaño
»Chilenisches Nachtstück«
  • Katie Hale
»Mein Name ist Monster«
  • Gerwin van der Werf
»Der Anhalter«
  • Laetitia Colombani
»Das Haus der Frauen«
  • J.M. Coetzee
»Der Tod Jesu«
  • Regina Porter
»Die Reisenden«
  • Eric-Emmanuel Schmitt
»Die zehn Kinder, die Frau Ming nie hatte«
  • J.M. Coetzee
»Die Kindheit Jesu«

Über Anna Funder

Anna Funder, 1966 geboren, studierte in Melbourne und Berlin Germanistik, Englische Literatur und Rechtswissenschaften. Seit Ende der neunziger Jahre arbeitet sie als freie Autorin. Für ihr erstes Buch »Stasiland« (2002) erhielt sie den Samuel Johnson Award, den angesehensten Sachbuch-Preis in der englischsprachigen Welt. Ihr Roman »Alles, was ich bin« (S. Fischer, 2014) basiert auf einer wahren Begebenheit: 1935 wurden zwei bekannte deutsche ...

Mehr über Anna Funder

Anna Funder
Foto: Karl Schwerdtfeger


Interview

Anne Funder über die Entstehung des Romans ›Alles, was ich bin‹, 21.01.2014
Anna Funder über die Entstehung ihres Romans ›Alles, was ich bin‹:
Anna Funder: Wenn man den Sommer 2006 in London und die Recherchearbeiten in New York und Berlin mit einbezieht, arbeitete ich insgesamt fünf Jahre lang an dem Roman. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen war das Buch mein einziger Gedanke. Zu der Zeit passierten aber auch andere Dinge in meinem Leben – darunter sehr wichtige: Meine kleinen Töchter wuchsen heran und wurden eingeschult; mein Sohn wurde geboren. Doch die ganze Zeit über lebte und atmete ich für dieses Buch, es war wie ein riesiges, geheimes, inneres Parallelleben. Es dauerte fünf Jahre, es niederzuschreiben, aber tatsächlich hatte ich das Buch mein ganzes Erwachsenenleben lang in mir getragen.

Mit neunzehn habe ich die wirkliche Ruth kennengelernt, aus der die Ruth Becker in »Alles, was ich bin« wurde. Sie war genau sechzig Jahre älter als ich, aber so voller Leben, so gegenwärtig, dass es schien, die Geschichte hätte gar nicht stattgefunden. Das zwanzigste Jahrhundert faltete sich wie ein Akkordeon in sich selbst zurück. Dadurch, dass ich eine so alte Freundin hatte, schien mir das Leben lang und die Historie kurz. Und tatsächlich, die Geschichten, die Ruth von ihren gegen Hitler gerichteten Aktionen erzählte, waren nicht mehr länger historisch, sondern verwandelten sich in etwas, zu dem eine sehr mutige und bescheidene Freundin von mir die Kühnheit und Geistesgegenwart besessen hatte.

Im Gespräch verband Ruth ihre Kritik an Hitler mit einer Kritik an unserer eigenen (australischen, konservativen, gegen Flüchtlinge gerichteten) Politik. Ihr Verhalten machte mir klar, dass, unter welcher politischen Herrschaft man auch lebt, es immer Menschen geben wird, die einen klaren Blick für die Dinge behalten, egal, ob sich diese ganz entsetzlich oder halbwegs unangenehm darstellen: Es sind die Menschen, die sich entschließen, ihre Stimme zu erheben. Es ist diese Art von Mut, der mich, mitsamt dem ihm zugrundeliegenden moralischen Kompass, stets faszinierte.

In den späten Achtzigern hatte ich in Berlin studiert, in den Neunzigern kehrte ich mehrmals dorthin zurück, um dort zu leben. Während ich weg war, schrieben Ruth und ich uns immer. Was ich über Ruths persönliche Geschichte wusste, begleitete mich stets. Ich lief durch die Straßen und sah die Einschusslöcher vom Straßenkampf zwischen Kommunisten und rechtsradikalen Vorläufern der Nazis aus den Zwanzigern oder von dem Kampf der Russen gegen Ende des Krieges. So konnte ich Ruths Leben quasi körperlich wahrnehmen. Schon lange kannte ich zum Beispiel die Geschichte, wie die Gestapo ihr befahl, sich mit ausgestreckten Armen und Beinen an die Wand zu stellen und sie dann rings um sie herum schoss. Die Erzählung fühlt sich anders an, wenn man mit seinen Fingern über eine Wand tastet und spürt, welch tiefe Trichter Kugeln schlagen.

Alle guten Texte entstehen aus einer Art Liebe. Ein Buch, das sich nicht aus dieser leidenschaftlichen Quelle speist, erkennt man sofort; es weigert sich, zu leben. Einen großen Teil von »Stasiland« habe ich in Berlin geschrieben. Für mich waren Berlin und auch andere Städte im Osten Deutschlands keine Orte, die zuerst von Nazis, dann von der Stasi überrannt worden waren. Im Gegenteil, diese Städte waren stattdessen voll mutiger Menschen, die sich geweigert hatten, mit den Unrechtsregimen zu paktieren – ironische, humorvolle, bescheidene und höchst kühne Menschen, die sich nicht kompromittieren ließen und ihre Mitbürger nicht verrieten. »Stasiland« war zunächst eine Hommage an diese außergewöhnlichen Menschen, die man in dem neuen wiedervereinigten Deutschland vergessen hat.

Als ich mit »Alles, was ich bin« begann, war es eine meiner Absichten, eine Gruppe von äußerst kühnen, zum großen Teil vergessenen Menschen zu ehren, die sich in den Dreißigern den Nazis entgegenstellten. Sie gaben Zeugnis für das Beste im Menschen – die Art von Gewissen, das ganz selbstverständlich das Wohlergehen der anderen über das eigene stellt und es zum Kern der eigenen Moralität macht – Menschen, die sich weigerten, mit einem Unrechtsregime zusammenzuarbeiten und sich dadurch zu erniedrigen, Menschen, die für dieses größere Gut Gefahr auf sich nahmen. Es ist immer noch das Ziel eines guten Romans, wahre und vergessene Helden in eine Geschichte gekleidet zum Leben zu erwecken und Licht in das dunkle Funktionieren der Seele zu bringen.

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