Interview mit Anne Weber

Petra Gropp: Nach »Luft und Liebe« erzählt Ihr neuer Roman »Tal der Herrlichkeiten« wieder eine Liebesgeschichte. Wieso wählen Sie erneut dieses Sujet?
Anne Weber: »Luft und Liebe« war eine Liebesgeschichte ohne Liebe. Das Buch erzählt davon, wie sich jemand ganz und gar einer Illusion hingibt, und wie diese Illusion dann wie eine Luftblase platzt. Nach diesem Roman über einen Betrug und eine Illusion hatte ich das starke Bedürfnis, eine wirkliche Liebe zu erzählen, diese gewaltige Woge, die alles ins Wanken bringt, die zwei Menschen erfasst und aus den gewohnten Bahnen reißt. Ich wollte von der Schönheit der Liebe erzählen, von den ungeheuren Kräften, die sie verleiht. Von der Schönheit des Erwartens, des Verlangens, des Sich-Findens.
Petra Gropp: Der Titel »Tal der Herrlichkeiten« klingt ja auf den ersten Blick nach einer glücklichen Liebe mit Happy-End. So ist es aber nicht?
Anne Weber: Nein, so ist es nicht, weil eine Art Unfall die beiden schon nach kurzer Zeit auseinanderreißt. Und gerade in dieser Situation zeigt es sich, zu welchen Taten die Liebe befähigt, welche Energie sie den Liebenden schenkt. Sperber bringt die Kraft auf, in die Welt der Toten aufzubrechen, um seine Geliebte wieder zurückzuholen. Dazu gehört nicht nur Kraft, sondern auch Mut und ein ungeheurer Wille. Und es gehört die Überzeugung dazu, dass die Toten nicht ein für allemal von uns getrennt sind, sondern dass wir sie unter größter Willensanstrengung mit der Macht unserer Liebe erreichen können. Unbeirrbar und zuversichtlich macht Sperber sich auf den Weg, und er kommt auch an sein Ziel.
Petra Gropp: Sie greifen den Mythos von Orpheus und Eurydike auf. Was fasziniert Sie an dieser Erzählung?
Anne Weber: Vieles: Orpheus ist die Urgestalt des Dichters, der mit seinem Gesang nicht nur die Menschen, sondern auch die Götter und die Tiere bewegt. Die Schönheit seines Gesangs erweicht das Herz des Gottes der Unterwelt, der ihm Einlass gewährt, damit er zu seiner geliebten Eurydike gelangen kann. Bis hin in unsere heutige Welt, die Kunst gerne mit Unterhaltung verwechselt, zeigt der Orpheus-Mythos, dass Kunst eine Macht hat, dass sie etwas bewirken kann. Vielleicht ist das übrigens ein Kriterium, das man anwenden sollte, um zu entscheiden, ob ein Schriftsteller oder Musiker etwas taugt oder nicht: Man stelle sich ihn mit seiner Dichtung oder mit seinem Gesang am Tor der Unterwelt vor. Wem würde wohl Einlass gewährt?
Eine wichtige Episode des Mythos von Orpheus und Eurydike ist, dass Orpheus zwar gestattet wird, die Geliebte mit sich zu den Lebenden zurückzuführen, dass ihm aber zur Auflage gemacht wird, ihr auf dem Rückweg vorauszugehen und sich kein einziges Mal nach ihr umzudrehen. Das ist natürlich faszinierend. Warum dreht er sich dennoch um? Ist es mangelnde Selbstbeherrschung? Ist es mangelndes Vertrauen? In die Götter? In die Geliebte? In diesem Punkt — und in vielen anderen — entfernt sich mein Roman von der Sage.
Petra Gropp: »Luft und Liebe« erzählte zwei Liebesgeschichten: das Märchen vom Prinzen, der das bürgerliche Mädchen auf sein Schloss entführt, und die realistische Geschichte, in der die Illusion an der Wirklichkeit zerbricht. In Ihrem neuen Roman schwebt die Geschichte zwischen einem Geschehen, das sich mit etwas Glück – zumindest in den ersten zwei Dritteln – in der Realität so zutragen könnte, und einer mythischen Ebene, in der die Liebe auch phantastisch ist und das Unmögliche möglich macht. Ist die Liebe untrennbar mit dem Irrealen verbunden?
Anne Weber: Natürlich ist die Liebe mit dem Irrealen verbunden. Wenn sie es nicht ist, bleibt bald nur noch der gemeinsame Bausparvertrag übrig und die gemeinsame, vom anderen nie richtig herum ausgequetschte Zahnpastatube. Vor einer Liebe, die gar keinen Anteil von Traum oder Phantasie hätte, würde es mir grauen. Was variiert, ist bloß das Verhältnis von Realem und Irrealem.
Ich glaube auch, man tut unrecht daran, das Wirkliche vom Mythischen trennen zu wollen, und alles, was nicht gerade auf dem allerprosaischsten Boden der Wirklichkeit stattfindet, gleich »phantastisch« zu nennen. Mit demselben wirklichen Hirn nimmt der Mensch, der dort drüben vielleicht eine Ambulanz vorüberfahren sieht, Bilder war, die im Schlaf entstehen. Der Traum ist Teil der menschlichen Wirklichkeit. Und die Mythen sind nicht etwas, das mit unserem realen Leben gar nichts zu tun hätte; sie sind im Gegenteil der Untergrund, die ewigen Bilder und Konstellationen, die unsere Menschenleben begleiten und ausmachen.
Petra Gropp: Kann man von der Liebe nicht »realistisch« erzählen?
Anne Weber: »Realistisch« erzählen, heißt ja wohl: die Wirklichkeit so beschreiben, wie sie ist. Aber wie ist sie denn? Darüber herrscht gottseidank keine Einigkeit. Man hat keine andere Wahl, als von den Dingen so zu schreiben, wie man sie erlebt. Ich habe von der Liebe so erzählen wollen, wie sie ist, wie sie sein kann: etwas Erhebendes, Kräftigendes, Gewaltiges. Etwas Beängstigendes, zugleich. Denn man stelle sich einen armen Teufel vor, der plötzlich reich beschenkt würde. Fast gleichzeitig mit der Freude über das Geschenk ist die Angst da, es wieder zu verlieren. Die »Wirklichkeit« der Liebe ist so reichhaltig wie weniges andere im Leben. Sie lässt sich nicht auf eine objektiv zu fassende, »realistisch« darstellbare Erfahrung reduzieren.
Petra Gropp: Die Begegnung der beiden Figuren, die zu Liebenden werden, wird ja von einer höheren Warte aus beobachtet und erzählt. Was hat es mit dieser Erzählerposition auf sich?
Anne Weber: Der Erzähler, wenn er nicht gerade als solcher auftritt, ist in jedem Roman irgendwo versteckt. Entweder in den Figuren, die für ihn nicht, wie für den Leser, undurchdringlich sind, oder irgendwo in ihrer Nähe, von wo aus er sie beobachten kann. Bei mir zieht sich der Erzähler für Augenblicke — wie eine Kamera, die sich plötzlich entfernt — in weite Ferne zurück und sieht seinen Figuren wie aus dem Himmelsgewölbe zu. Die Erzählerperspektive ist eine gedachte, und insofern sind ihre Möglichkeiten unbegrenzt (wenn man einmal von den Grenzen der menschlichen Vorstellung absieht). Die Entfernung unterstreicht das Unwahrscheinliche einer Begegnung zwischen zwei Menschen auf dieser Erde — und sie unterstreicht die Freiheit des Erzählens.
Petra Gropp: »Und wiewohl es mancher nicht wird glauben wollen, waren sie in jenen Momenten, nicht weniger als Menschen und Tiere, Götter.« So heißt es an einer Stelle. Wie ist dies zu verstehen?
Anne Weber: In jedem Menschen steckt etwas vom Tier; sogar in den Städtern ist noch etwas Tierhaftes, Instinktives übrig, das wird uns häufig bewusst, ebenso wie unsere menschlichen Grenzen. In jedem Menschen steckt aber auch etwas, das über ihn selbst und seine menschliche Kondition hinausreicht, und auch dessen werden wir uns bewusst in manchen, seltenen Augenblicken. Die Liebe, die körperliche Liebe zwischen zwei Menschen, die nicht nur aus sinnlicher Anziehung beisammen in einem Bett liegen, sondern durch ein intensives Gefühl verbunden sind, kann einer jener Augenblicke sein, in denen wir die Grenzen, die sonst unsere sind, überschreiten und in eine andere Dimension vordringen. Ich nenne das in dem von Ihnen zitierten Satz: Götter sein. Man könnte auch andere Worte dafür finden.
Petra Gropp: Es gibt in dem Roman zwei explizit erotische Passagen. Von der körperlichen Liebe zu schreiben ist ja nicht einfach. Wie haben Sie das gemacht?
Anne Weber: Die zwei Kapitel, von denen Sie sprechen, waren die am schwierigsten zu schreibenden. Ich habe mir vorgestellt, was zwischen diesen beiden Liebenden, mit ihren Leibern und Gemütern zugleich, geschieht, und habe das dann versucht zu erzählen. Die Schwierigkeit war, das Beschriebene, das ja nicht etwa verschwommen, anspielungshaft erotisch, sondern geradezu pornographisch konkret ist, in die absolut unpornographische Sprache der Liebe zu bringen. Wenn man einen Menschen liebt, ist der Vorgang der körperlichen Liebe kein mechanisches Ineinanderstecken von Körperteilen. Das, was der Körper fühlt, und was das Herz oder die Seele, oder wie immer man es nennen willen, verspüren, ist nicht voneinander zu trennen. Es war deshalb nötig, ein eigenes Vokabular zu erfinden. Die umgangssprachlichen, vulgären Bezeichnungen, die in dieser Sphäre gängig sind, konnte ich genauso wenig gebrauchen wie die medizinisch-neutralen. Ich musste also neue, oft metaphorische Namen erfinden, die gleichzeitig nicht lächerlich sein durften. Ich habe an diese zwei Kapitel viel Zeit verwendet. Das Ergebnis ist unvermeidlich so, dass man sich durchaus darüber lustig machen kann, wenn man will. Das ist immer so, wenn einer ein Wagnis eingeht.
Petra Gropp: Sie schreiben dazu: »Dieses Buch unterscheidet sich radikal von der Art, wie heute gewöhnlich in Romanen Liebesszenen beschrieben werden. Nicht, weil ich mich unbedingt unterscheiden will von meinen Zeitgenossen, sondern weil ich Liebe nicht so erlebe, wie sie meistens dargestellt wird.« Können Sie etwas dazu sagen, wie Liebesszenen in unserer Gegenwart oft dargestellt werden, und wieso Sie eine andere Art der Beschreibung wählen?
Anne Weber: Die Liebesszenen, die ich in zeitgenössischer Literatur lese, sind oft so, dass ich mich frage: Wie erleben diese Leute bloß die Liebe? Da werden Vorgänge beschrieben, Gesten, als handele es sich um irgendeine besondere Art der Gymnastik, meistens absolut kalt und gefühllos, distanziert. Besonders beliebt ist es, wenn das Ganze geradezu abstoßend, brutal, trashig wirkt. Übrigens nehme ich diesen Autoren nicht ab, dass sie die Liebe wirklich so erleben, ich halte das im Grunde nur für eine coole Pose.
Ich stelle mir unter Liebe etwas anderes vor, und einiges von dem, was ich mir vorstelle, habe ich in diesem Buch erzählt. Nicht, um mich unbedingt von einer heutigen Beschreibungsweise abzugrenzen, sondern, weil ich diese Dinge offenbar anders erlebe.
Petra Gropp: Roland Barthes hat in »Fragmente einer Sprache der Liebe« eine Vielzahl an Wörtern, Sätzen, Bildern, Figuren vorgeführt, in denen das Unfassbare der Liebe zum Ausdruck gebracht wird. Wie findet man zwischen all dem, was schon geschrieben wurde, und der eigentlichen Unsagbarkeit der großen Liebe, eine eigene Sprache?
Anne Weber: Als sprachlich zu erfassendes Phänomen ist die Liebe eine Art Minenfeld. Wer es durchqueren will, läuft Gefahr, bei jedem zweiten Wort, das er verwendet, auf eine Mine zu treten. Anders gesagt, jedes zweite Wort ist eine Falle, ist Kitsch oder Pornographie, ein abgenutztes, konventionelles Klischee, das es zu vermeiden gilt. Es ist quasi unmöglich, heil auf die andere Seite zu kommen. Ob es mir gelungen ist, weiß ich nicht. Es ist eine Gratwanderung, bei der ich sicher hin und wieder mit einem Fuß abgerutscht bin. Aber dass ich es gewagt habe, dafür zolle ich mir selbst doch auch eine gewisse Anerkennung.
Im Übrigen enthält dieses Buch neben der Liebesgeschichte auch noch vieles andere, angefangen von der steinigen Landschaft der bretonischen Küsten über Paris, bis hin zum Reich der Toten.
Petra Gropp: »Tal der Herrlichkeiten« ist tatsächlich nicht nur ein Buch über die Liebe, sondern auch ein Buch über den Tod. Wer Ihr Buch »Besuch bei Zerberus« kennt, der wird sehr viele Anknüpfungspunkte entdecken. Wieso endet diese Liebe mit dem Tod?
Anne Weber: Wenn sie nicht schon vorher versiegt, endet jede Liebe mit dem Tod. Aber natürlich ist es nicht dasselbe, ob ein Paar nach Jahren oder Jahrzehnten auseinandergerissen wird oder schon ganz zu Beginn, wenn das gemeinsam zu Erlebende noch wie ein herrliches, unbekanntes Neuland vor ihm liegt. Das ist es, was in meinem Buch passiert. Im Augenblick, wo seine Gefühle am heftigsten und seine Erwartungen und Hoffnungen am größten sind, wird Sperber dieser Schatz wieder entrissen. Aus der Fassungslosigkeit und der Wut über diesen frühzeitigen Verlust fließt ihm die Kraft zu, ins Reich der Toten aufzubrechen und den wahnwitzigen Versuch zu unternehmen, die Geliebte wieder zu den Lebenden zurückzuholen. Von dieser Kraft, die Menschenunmögliches möglich macht, wollte ich erzählen.
Petra Gropp: Sperber geht ins Reich der Toten, um Luchs zurückzuholen. Dieser Gang wird ganz realistisch erzählt, auch wenn er eigentlich unmöglich ist. Wie gelingt es, dass der Leser dies als selbstverständlich akzeptiert?
Anne Weber: Nach einer Phase der völligen Verzweiflung, in der Sperber fast wahnsinnig wird, beginnt er, über den Zugang zur Welt der Toten wie über eine Reise nachzudenken. Nicht gerade wie über eine gewöhnliche Reise, eher wie über eine schwierige Expedition. Nach und nach vergisst er, dass dieses Unterfangen eigentlich unmöglich ist. Er möchte so sehr an ein Wiedersehen mit der Geliebten glauben, dass er es schließlich nicht mehr für ausgeschlossen hält und sich einfach auf den Weg macht.
In allen literarischen Darstellungen der Totenwelt, bei Homer, bei Vergil, bei Dante, wird diese als ein konkreter Ort geschildert mit einer ganz besonderen, mehr oder weniger genau beschriebenen Geographie oder Architektur. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie sich ein heutiger Mensch, wie ich mir selbst diesen Ort vorstellen würde. Die Totenwelt als dicht bevölkerte Stadt, von der ich im Buch erzähle, ist dann beim Schreiben vor meinem inneren Auge entstanden. Es ist eine Welt, aus der fast alles Leben, fast alle Bewegung entwichen ist — aber eben nur fast. Wenn der Leser das als selbstverständlich akzeptiert, dann vielleicht, weil im Leben wie auch in meinem Buch Wirklichkeit und Vorstellung nicht völlig getrennte Spären sind, sondern einander durchdringen.
Petra Gropp: Geht es dabei auch um die Nähe der Lebenden und der Toten? Oder generell die Nähe oder eben radikale Fremdheit der Menschen untereinander? Die Nähe, die man in der Liebe erreichen kann, und die Unerreichbarkeit, die auch in der größten Liebe bleibt?
Anne Weber: Ja, es geht um das Verhältnis, das wir zu den Toten haben, und um die Frage, ob sie wirklich für uns ganz und gar unerreichbar sind. Diese Frage beschäftigt mich in der Tat schon lange, spätestens seit »Besuch bei Zerberus«, aber auch sehr stark in »August«. Wie können wir an die Toten heranreichen? Können wir es überhaupt? Ich glaube, dass es uns bis zu einem gewissen Grad möglich ist. Jedenfalls, dass die Anstrengung, die wir unternehmen, um uns den Toten anzunähern, dass diese Anstrengung, wenn sie mit ganzer Kraft, mit der Kraft der Liebe unternommen wird, allein schon eine Annäherung ist. Als würde man versuchen, die Arme über eine Mauer zu strecken. Allein der Versuch kann, wenn er ernsthaft unternommen wird, schon ein Schritt sein bis hin zu der Schwelle.
Petra Gropp: Im Text wird ein Gedicht des französischen Schriftstellers und Malers Max Jacob zitiert. Inwiefern ist dieser Autor wichtig für die Geschichte bzw. für Ihr Schreiben?
Anne Weber: Max Jacob ist, über sein Schreiben und seine Malerei hinaus, eine ergreifende Figur. Er ist in einer jüdischen Familie in Quimper, in der Bretagne geboren und später zum Katholizismus konvertiert, hat viele Jahre seines Lebens sogar in einem Kloster in Saint-Benoît-sur-Loire gelebt, hin- und hergerissen zwischen seiner Homosexualität und den Pariser Versuchungen und einer tiefen Zurückgezogenheit und Buße. Er sollte nach Auschwitz deportiert werden, stand schon auf einer Liste, ist dann aber schon vorher im Internierungslager Drancy, in einer Pariser Vorstadt gestorben. Er war ein großer Spaßmacher, und ein zutiefst trauriger Mensch.
Im Buch kommt Max Jacob weniger als Dichter vor, denn als Figur, und zwar hauptsächlich in der Rolle eines Führers: Sperber fasst das Gedicht, auf das er zufällig stößt, als Aufforderung auf, in die Hauptstadt aufzubrechen, um seine Geliebte wiederzufinden. Im dritten Teil ist es wieder Max Jacob, der Sperber im Reich der Toten zu seiner Geliebten führt. Und auch im Mittelteil des Buches kommt Max Jacob noch einmal vor, als Sperber in Drancy durch die Siedlung geht, in der das Internierungslager untergebracht war, und die heute in Sozialwohnungen umgewandelt ist. Er stellt nicht nur eine Verbindung her zu der Welt der Toten, sondern auch zwischen Paris und der Bretagne, den beiden Orten, wo das Buch angesiedelt ist.
Petra Gropp: Sie haben auch diesen Roman, wie alle Ihre Bücher, auf Deutsch und auf Französisch geschrieben. Ist das zweifache Schreiben eine Übersetzung oder eigentlich ein Neu-Schreiben? Sind die Fassungen identisch? Oder verändert sich die Geschichte in der zweiten Version?
Anne Weber: Das zweifache Schreiben dient mittlerweile bei mir auch der Verbesserung. Ich bediene mich des Vorgangs des Übersetzens wie eines besonders strengen und genauen Korrekturlesens. Oft kehre ich während des Übersetzens noch einmal zu der Originalfassung zurück, um Ungenauigkeiten oder Unbeholfenheiten zu beheben. Am Ende nähern sich deshalb die beiden Fassungen, die ursprünglich eher dazu tendieren, sich voneinander entfernen, wieder an. Die meisten Veränderungen, die sich bei diesen Vorgängen ergeben, betreffen aber sprachliche Details. Die Geschichte bleibt die gleiche.
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