Interview mit Patricia Koelle

„Ich habe gelernt, die kleinen Dinge des Lebens zu genießen“

Patricia Koelle schreibt Romane, die sich wie Zuhause anfühlen und verrät das Geheimnis der Zufriedenheit
FÜR SIE: In „Das Meer in deinem Namen“ geht es um Studentin Carly, die in einem Reetdachhaus an der Ostsee eine unmögliche Liebe vergessen will, aber auch um Trauer und darum, sich seinen Ängsten zu stellen. Wie kamen Sie auf die Idee?
Patricia Koelle: Ich wollte von der Kraft der Veränderung erzählen. Carly erlebt, dass Verändern auch bedeutet, sich seinen Ängsten zu stellen. Manche Menschen springen an Gummiseilen in Abgründe, um ihrer Angst zu begegnen. Aber die spannendsten Abgründe sind in uns selbst. Es gibt kein größeres Abenteuer, als genau dort hineinzuspringen – selbst wenn uns kein Gummiseil hält.
FÜR SIE: Ihre Bücher machen Mut Neues zu wagen. Was inspiriert Sie?
Patricia Koelle: Es ist doch unglaublich: Wir leben auf einem sich drehenden Planeten, in einer von unvorstellbar vielen Galaxien. Nur dank der Schwerkraft und anderen Zufällen können wir morgens aufstehen oder abends Bücher lesen. Es wäre doch ein Jammer, wenn wir aus diesem Geschenk nicht das Größtmögliche machen.
FÜR SIE: Wie beeinflusst Ihre Liebe zu einem körperbehinderten Mann Ihren Blick aufs Leben?
Patricia Koelle: Ich habe gelernt, dass nichts selbstverständlich ist. Gar nichts! Auch nicht Atmen, Sitzen, Sprechen oder, Gehen. Weil mein Mann und ich das wissen, sind wir oft glücklich. Wir können Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden und regen uns über Letzteres nicht auf. Wir genießen kleine Dinge und schätzen sie vielleicht mehr als manch ein anderer. Und wir sind stark geworden, weil wir es uns einfach nicht leisten können, ein Problem nicht zu lösen. Und wenn es mal aus eigener Kraft nicht gelingt, darf man ruhig um Hilfe bitten – auch etwas, das man erst lernen muss.
FÜR SIE: Sie kennen auch die Schattenseiten des Lebens. Trotzdem schreiben Sie wunderbar positiv, poetisch und lebensbejahend ...
Patricia Koelle: Mein Mann hatte am Morgen nach unserer Hochzeit einen Atemstillstand und lag drei Tage im Koma. Seitdem weiß ich, wie nah größtes Glück und größte Angst beieinanderliegen können. An der Skala orientiere ich mich im Alltag – und da liegen die meisten Erlebnisse oben in der Glückshälfte. Optimismus und Zufriedenheit sind hierzulande leider aus der Mode gekommen, obwohl es uns so gut geht. Ich habe mich aber nie an eine Mode gehalten. Und ich hoffe, auch diese ändert sich wieder.
FÜR SIE: Sie nennen Ihre Romane Wellness-Literatur – was heißt das?
Patricia Koelle: Ich möchte mit meinen Geschichten zum Anhalten einladen. Ich möchte, dass man in ihnen Ruhe findet, mit den Figuren Abschied nehmen kann, sich mit ihnen freut oder überlegt, was zum eigenen Glück fehlt. Ich möchte, dass
sich die Menschen in meinen Büchern wie zuhause fühlen.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion FÜR SIE

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