Interview mit Klaus-Peter Wolf

Wahr, menschlich und überraschend muss eine Story sein: Klaus-Peter Wolf verrät, was ihn am Krimischreiben fasziniert.
Frage: Sie sind in den 1960er-Jahren im Umfeld der Arbeiterdichter im Ruhrgebiet aufgewachsen. Wie wird man mit dieser Biografie zum Kriminalschriftsteller?
Klaus-Peter Wolf: Begegnungen mit Schriftstellern wie Max von der Grün haben mich sehr geprägt. Bei ihren Büchern hatte ich zum ersten Mal das Gefühl: So sind Menschen wirklich. Sie haben mir den gesellschaftskritischen Blick und mein Menschenbild vermittelt - dazu zählen auch Bergarbeiterdichter, die heute keiner mehr kennt. Wegen ihnen spielen in meinen Kriminalromanen zum Beispiel auch Malocher wichtige Rollen. Und meine Kommissarin würde nie nach unten treten - eher nach oben.
Frage: Trotzdem sind lhre Kriminalromane nie belehrend ...
Klaus-Peter Wolf: Das wäre ja auch wirklich langweilig! Ich erkläre die Welt nicht - ich erzähle sie. Und ich versuche nie, den Leser zu einer bestimmten Haltung zu bewegen. Das brauche ich nicht. Wenn ich über ein gesellschaftliches Thema wie zum Beispiel moderne Beziehungsprobleme schreiben will - von Scheidung bis Patchworkfamilie -, dann verteile ich die verschiedenen Haltungen auf verschiedene Figuren. Da kann der Leser dann selbst entscheiden, welche Position ihm näher ist.
Frage: Warum wählt ein Autor, dem Echtheit so wichtig ist, die Fiktion eines Kriminalromans für seine Geschichten?
Klaus-Peter Wolf: Ich weiß, das klingt komisch, aber ich glaube, dass Fiktion der Wahrheit oft viel näher kommt. Im Fernsehen gibt es manchmal »Tatort«-Krimis, die sind echter als die Nachrichten davor - da ahnt man doch oft, dass das nicht stimmen kann, was die Politiker dort erzählen. Ich will aber, dass die Wahrheit gefunden wird, deshalb schreibe ich schließlich Kriminalromane. Da kann ich von unseren Ängsten und unserem Wahnsinn erzählen, viel besser als alle soziologische Fachliteratur. Und ich kann gleichzeitig auch noch Leser unterhalten – das ist meine Leidenschaft. Davon habe ich schon als Achtjähriger geträumt.

Weitere Informationen

Zum Autor
Zur externen Homepage

0 Artikel  0 €