Interview mit Koethi Zan

Frage: Wie würden Sie Ihren Roman ›Danach‹ in einem Satz beschreiben?
Koethi Zan: Ich würde ›Danach‹ als psychologischen Thriller beschreiben, in dem mehrere junge Frauen in einem Keller gefangen gehalten werden, und in dem es darum geht, wie man nach einer solch traumatischen Erfahrung weiterlebt. Man könnte es auch so sagen: Hätte die junge Frau aus dem Keller in ›Das Schweigen der Lämmer‹ so wie Sarah in meinem Roman überlebt, dann würde sie jetzt Hannibal Lecter jagen so wie Sarah ihrem Peiniger Jack Derber auf die Spur kommen will.
Frage: Woher stammt die Idee zu Ihrem Roman?
Koethi Zan: Zum Teil habe ich mich von den Berichten von Frauen inspirieren lassen, die ihre jahrelange Gefangenschaft überlebt haben: Elisabeth Fritzl, Natascha Kampusch, Sabine Dardenne, Jaycee Lee Dugard. Sie haben das Schlimmste durchgemacht, was ich mir vorstellen kann, und jede von ihnen ist mit dieser schrecklichen Erfahrung unfassbar mutig und stark umgegangen. Genau so eine weibliche Hauptfigur wollte ich für meinen Roman: Eine Frau, die im Angesicht unvorstellbaren Grauens nicht aufgegeben hat, die sich dem Erlebten aber erst stellen muss, um es zu begreifen.
Frage: Wie haben Sie für ›Danach‹ recherchiert?
Koethi Zan: Indirekt habe ich schon die vergangenen zehn Jahre für mein Buch recherchiert, denn ich habe wie besessen alles über Psychopathen und ihre Opfer gelesen. Während des Schreibens habe ich mich dann in BDSM, psychische Störungen, Opferforschung, statistische Untersuchungen und ähnliches eingearbeitet. Hinterher befand sich auf meinem Computer so mancher Virus, und ich hatte jede Menge verstörende Texte gelesen und schreckliche Bilder gesehen, die ich wohl nie wieder aus meinem Kopf bekommen werde.
Frage: Sind auch Ihre eigenen Erfahrungen in Ihren Roman mit eingeflossen?
Koethi Zan: Ja, definitiv. Obwohl ich selbst nie gefangen gehalten wurde – und dafür bin ich sehr dankbar –, sind mir doch zum Teil die Emotionen, die die Frauen durchleben, sehr vertraut.
Sarah, Tracy und Christine reagieren völlig unterschiedlich auf die traumatische Erfahrung, die sie alle gleichermaßen gemacht haben – die eine mit Angst, die andere mit Wut, die dritte mit Verdrängen. All das kenne ich aus eigener Erfahrung und habe mich über zehn Jahre lang in einer Therapie damit auseinandergesetzt. Das hat mir gezeigt, was es bedeutet, zu einzelnen Stationen in seinem Leben zurückzukehren und dem Dunklen, auf das man dort stößt, auf den Grund zu gehen.
Auch die Beziehung zu meiner besten Freundin findet sich in der Freundschaft von Sarah und Jennifer wieder. Die beiden stehen sich so nahe, wie das bei meiner Freundin und mir war, und auch ihre Paranoia und ihr Fixiertsein auf Vorsichtsmaßnahmen, die sie auf ihrer „Niemals-Liste“ im Roman zusammenstellen, ist nicht weit entfernt von dem, wie wir als Jugendliche waren.
Frage: Wie und wo ist ›Danach‹ entstanden?
Koethi Zan: Ich habe ›Danach‹ tatsächlich in einem Kellerraum geschrieben, was ja gut gepasst hat. Ich bin fünf Tage die Woche um fünf Uhr morgens aufgestanden und habe für genau eine Stunde geschrieben, bevor meine Kinder wach wurden. Mein Pensum war ein Minimum von 500 Wörtern in dieser Stunde, da war also keine Zeit für irgendwelche Schreibblockaden oder Selbstzweifel. Ich hatte auch nur die groben Züge der Geschichte im Kopf, insofern hielt jeder Tag eine neue Entwicklung und auch Überraschendes beim Schreiben bereit.

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