Besprechung von Felicitas Hoppe und Monika Maron beim Literarischen Quartett


Felicitas Hoppe reist zehntausend Meilen weit auf den Spuren von Ilija Ilf und Jewgeni Petrow durch Amerika, während Monika Marons Heldin Mina Wolf in Berlin am Schreibtisch sitzt und über den Dreißigjährigen Krieg schreibt. In beiden Büchern drängen sich gegenwärtige Ereignisse vor die Bilder der Vergangenheit: der Wahlkampf in den USA und die zunehmende Gereiztheit in einer kleinen Berliner Straße.

Wir bei S.Fischer haben die beiden so unterschiedlichen Bücher mit Begeisterung gelesen und fragen uns, ob die ›Wahrheit‹ (»Prawda«) und das ›Chaos im Kopf‹ vielleicht doch etwas miteinander zu tun haben. Vielleicht haben wir Glück und das literarische Quartett bringt Aufklärung.


Monika Maron – ›Munin oder Chaos im Kopf‹

Mina Wolf, Journalistin und Gelegenheitstexterin, opfert den Sommer, um einen Aufsatz über den Dreißigjährigen Krieg für die Festschrift einer Kleinstadt zu schreiben. Eine irre Nachbarin, die Tag für Tag von morgens bis abends auf ihrem Balkon lauthals singt, zwingt sie, nur noch nachts zu arbeiten. Die kleine, enge Straße gerät in Aufruhr und in Minas Kopf vermischen sich der Dreißigjährige Krieg, die täglichen Nachrichten über Krieg und Terror mit der anschwellenden Aggression in der Nachbarschaft. Als auch noch eine Krähe in ihre nächtliche Einsamkeit gerät, die sie Munin nennt und mit der sie ein Gespräch über Gott und die Welt beginnt, ist das Chaos in Minas Kopf komplett.
Monika Maron entwirft in diesem turbulenten Roman provokant und mit Humor ein Stimmungsbild unserer Zeit.


Felicitas Hoppe – ›Prawda‹

Im Westen endlich was Neues: die Wahrheit über Amerika

Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe auf Expedition in einem unbekannten Amerika: Zehntausend so komische wie hochpoetische Meilen reist Hoppe von Boston über San Francisco bis Los Angeles und zurück nach New York. Hellwach und hellsichtig begibt sie sich als literarischer Wirbelsturm auf die Spuren von Ilf und Petrow, zweier russischer Schriftsteller, die 80 Jahre vor ihr unterwegs waren und zu Kultfiguren wurden. Ob Hoppe mit ihnen die Ford-Werke und den ersten elektrischen Stuhl besichtigt, nebenbei den Zaun von Tom Sawyer streicht, in einem Tornado verschwindet oder im Auge des Sturms auf Quentin Tarantino persönlich trifft – »Prawda« (russisch: Wahrheit) lässt die Leser Dinge sehen, wie sie über das unglaublichste Land der Erde noch nie geschrieben wurden: eine literarische Weltentdeckung.

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