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Exil
6 Darsteller, 1 Stimme
Was Pirandello mit seinen sechs Schauspielern nachträglich und szenisch vom Autor einfordern ließ, schreibt Exil sich selber ein. Der Text beginnt mit dem Bild der schreibenden Autorin an ihrem Computer, deren orientierungsloses und sinnloses Schreiben in einer Schreibblockade unmittelbar Gestalt annimmt. Die Genesis des Textes ist auch die der Figuren, die sich in der Blockade ihrer Autorin schier krümmen. Sie leiden unter ihrer eigenen Ziellosigkeit, fühlen sich zu theoretisch und in einer dramaturgischen Sackgasse, können reflektieren, soweit die Autorin reflektiert, wissen, dass sie sich selber nicht helfen können, wie die Autorin weiß, dass ihr nicht zu helfen ist. Indem sie unbewusst Details ihrer unmittelbaren Umwelt bzw. eigene Handlungen einschreibt, sich über die Sätze ihrer Figuren ab und zu Trost zuschreibt, stellt sich an den genialsten Stellen des Stücks eine Intertextualität her, die die Grenze zwischen Fiktion und Realität vollkommen aufhebt. Die uns die Frage unmöglich macht, ob der beschriebene Suizid der völlig verzweifelten Autorin wirklich stattfindet, da die Text-Welt ihrer Figuren so sehr ihre eigene ist, Abbildung ihres Scheiterns, Schreibakttheorie und -praxis. (Anja Nioduschewski)
Uraufführung:
12.02.2000 | Theaterhaus Gessnerallee, Zürich
Regie: Igor Bauersima
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