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Demokratie im Kriegszustand - Ein Kommentar von Frido Mann

Am 24. Februar 2022 ist unsere schon so oft angegriffene, umkämpfte und derzeit in zunehmende Gefahr geratene Demokratie endgültig aus ihrer Komfortzone hinauskatapultiert worden. Die russische Föderation als schon seit Jahrzehnten aus dem Hinterhalt verdeckt operierender Verächter von allem, was mit Demokratie und Menschenwürde zu tun hat, hat von einem Tag zum anderen einen hinterhältigen, brutalen und mit schamlosen Lügen gepflasterten Vernichtungskrieg gegen seinen ukrainischen Nachbar und Bruder vom Zaun gebrochen. Ziel dieses Krieges ist die Auslöschung der Kultur und Lebensstruktur einer Nation, welche sich geweigert hat, sich als Vasall in eine mit List und Gewalt versuchte Wiederherstellung der längst untergegangenen Sowjetunion hineinzwingen zu lassen. Nun führt sie deswegen, von ungeheurem Leid, Zerstörung und Verzweiflung heimgesucht, seit Wochen unter Wolodymyr Selenskyi, dem Präsidenten der Herzen und Medien-Profi, einen heldenhaften, auch ganz Europa zugutekommenden Verteidigungskampf gegen einen alles kurz und klein bombardierenden Riesenmoloch. Der teilweise an westliche Demokratien angrenzende ukrainische Staat hat sich schon lange für seine Unabhängigkeit und Selbstständigkeit entschieden und neigt dem demokratischen Stil der Europäischen Gemeinschaft zu, nachdem Russlands Präsident von der Illusion einer Wiederherstellung der dem Ewiggestrigen angehörenden Sowjetdiktatur anscheinend nicht mehr abzubringen ist und seine halluzinatorischen Ideen über jedes Völkerrecht stellt. Deshalb ist der vor einigen Wochen in Richtung Mittel- und Westeuropa hereingebrochene Krieg in erster Linie ein Krieg gegen die Demokratie und damit auch ein Krieg gegen die Weltzivilisation schlechthin.

Ein ideologisch begründeter Krieg gegen die Demokratie ist mehr als nur ein Krieg. Es ist eine einschneidende Zeitenwende, ja ein Zeitenbruch. Es ist der Versuch einer Liquidierung des neuzeitlichen, von Freiheit und Selbstverwirklichung bestimmten, aus dem Zeitalter der Aufklärung stammenden Menschenbildes und Menschseins, geleitet von der zwanghaften Vorstellung, das Rad der Geschichte um 200 Jahre zurückdrehen zu müssen in die Finsternis zaristisch selbstherrlicher Untertanen-Mentalität. Und unsere über Jahrhunderte mit Blut, Schweiß und Tränen erkämpfte Demokratie? Kann sie noch über solche Machenschaften siegen?

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Frido Mann, geboren 1940 in Monterey/Kalifornien, arbeitete nach dem Studium der Musik, der Katholischen Theologie und der Psychologie viele Jahre als klinischer Psychologe in Münster, Leipzig und Prag. Er lebt heute als freier Schriftsteller in München. Zuletzt sind von ihm erschienen ›An die Musik. Ein autobiographischer Essay‹ und, zusammen mit ...
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