Über Anne Weber
Vita
Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt als Autorin und Übersetzerin in Paris. Sie übersetzt sowohl aus dem Deutschen ins Französische (u. a. Wilhelm Genazino und Sibylle Lewitscharoff) als auch aus dem Französischen ins Deutsche (u. a. Pierre Michon und Marguerite Duras). Zuletzt erschienen von ihr ›Besuch bei Zerberus‹ (2004), ausgezeichnet mit dem Heimito-von-Doderer-Preis, ›Gold im Mund‹ (2005), ausgezeichnet mit dem 3sat-Preis, ›Luft und Liebe‹ (2010), nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse, sowie das bürgerliche Puppentrauerspiel ›August‹ (2011) und der Roman ›Tal der Herrlichkeiten‹ (2012). Anne Weber schreibt auf Deutsch und Französisch, ihre Bücher erscheinen zeitgleich in Frankreich und Deutschland. Ihr Werk wurde ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Literaturpreis 2010.
Interview
Anne Weber, »eine ganz besondere literarische Begabung« (Ulrich Wickert, NDR Kultur), wählt nach ihrem gefeierten Roman »Luft und Liebe« die Form eines Theaters im Kopf, um die Existenz eines ewigen Sohnes und sein Ringen um Selbständigkeit als Ausweg in die Freiheit literarisch vielstimmig und eindringlich darzustellen.
Im Mittelpunkt Ihres neuen Buches, »August«, steht eine reale Person, August von Goethe, der Sohn Johann Wolfgang von Goethes. Was reizt Sie an dieser Figur?
In diese Situation ist August hineingeboren, niemand, er selbst am allerwenigsten, ist dafür verantwortlich zu machen. Darin liegt die Tragik seiner Existenz: Er konnte seiner Lebenssituation nicht entkommen, und ebenso wenig konnte er sie bewältigen. Es war ein unverdientes Leiden, das ihm schon als Kind auferlegt war.
Was mich zu ihm hinzog, war der Wunsch, ihm und seinem schweren Leben gewissermaßen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ihn zu trösten. Ich stellte ihn mir vor als einen, der den ständigen Demütigungen seiner Umwelt ausgesetzt war und der sein ganzes Leben lang hat kämpfen müssen, um sich nichts von seinen Verletzungen anmerken zu lassen.
Neben der Größe der Großen gibt auch eine der Kleinen, eine Größe, die im Schatten entsteht und von allen unbemerkt bleibt. Eine solche unspektakuläre Größe spürte ich bei August, und ich sah es als meine Aufgabe an, sie auch für andere sichtbar zu machen.
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