Anna Funder

Alles, was ich bin

Roman
Hardcover
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke
Preis € (D) 19,99 | € (A) 20,60
ISBN: 978-3-10-021511-6
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Buchdetails

Roman
432 Seiten, gebunden
S. FISCHER
ISBN 978-3-10-021511-6
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Cover »Alles, was ich bin«
Alles, was ich bin
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ISBN: 978-3-596-19328-8
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Preis € (D) 9,99
ISBN: 978-3-10-402003-7

Inhalt

Drei Menschen, drei Schicksale, ein leidenschaftlicher Kampf für die Freiheit: 1935 werden in einem Londoner Hotelzimmer die bekannten deutschen Widerstandskämpferinnen Dora Fabian und Mathilde Wurm tot aufgefunden. Die Gestapo spricht von Selbstmord der beiden Frauen, die engstens mit dem charismatischen Revolutionär und Schriftsteller Ernst Toller bekannt waren. Von Hitlers Machtergreifung in Berlin an begleitet Anna Funder in ihrem großen Roman die Gruppe von Freunden, die über Nacht zu einer Bande Verfolgter wird. Sie fliehen nach London, wo sie neue Verbündete finden und große Gefahren auf sich nehmen, um den Widerstand gegen die Nazis zu organisieren. Aber sie sind dort nicht sicher – ein einziger Verrat wird die Freunde auseinandersprengen und in alle Winde zerstreuen. Packend und tief bewegend bringt Anna Funder Licht in eine der mysteriösesten Geschichten des Exils. Sie erzählt von der Verbindung dreier außergewöhnlicher Menschen, die in Zeiten größten Aufruhrs alles riskieren – für die Freiheit und die Liebe.



Pressestimmen

»stellenweise wie ein Thriller […] wenn Funder die Vorgänge im Exil beschreibt, gewinnt das Buch große Eindringlichkeit.«
Eva Pfister, Stuttgarter Zeitung, 04.04.2014

»Voller Spannung und ohne überflüssiges Heldenpathos entwirft sie das Panorama der dunklen Zeit von Terror, Vertreibung und Exil, dargeboten als kunstvolles Spiel mit den Erzählebenen.«
Andreas Conrad, Der Tagesspiegel, 02.04.2014

»Trotz des Themas schreibt die Autorin in einem leichtfüßigen, unpathetischen, klaren Ton, sie formt aus den Widerstandskämpfern Figuren mit Stärken und Schwächen.«
Yvonne Poppek, Süddeutsche Zeitung, SZ Extra, 27.03.2014

»Ein Buch, das als Heldenepos beginnt und als tragischer Kriminalfall endet.«
Michael Merz, Sonntagsblick, 02.03.2014

»Der Roman lebt von seiner atmosphärischen Dichte und der emotionalen Nähe zu seinen Figuren, die Anna Funder packend miteinander verwebt hat.«
Antje Liebsch, Brigitte Woman, März 2014

»Abenteuerlich, herzzerreißend, kaufen.«
Harper’s Bazaar, März 2014

»Die australische Autorin Anna Funder hat aus einem realen Stoff einen wunderbaren Roman komponiert.«
Donna, März 2014

»Eine mysteriöse Exil-Geschichte, aus der Anna Funder ein Meisterwerk über Mut und Menschlichkeit macht.«
Angela Wittmann, Brigitte, 26.02.2014



Über Anna Funder

Anna Funder lernte vor Jahren in Melbourne Ruth Blatt kennen, die eng mit Dora Fabian befreundet war, der Sekretärin des Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller. In langen Gesprächen vertraute sie Funder die Geschichte ihres Lebens an, die zur Grundlage dieses Romans wurde. ›Alles, was ich bin‹ ist ein internationaler Bestseller, der allein in Australien mit sieben Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Anna Funder, 1966 geboren, studierte in Melbourne und Berlin. Sie ist Autorin, Anwältin und Dokumentarfilmerin. Für ihr erstes Buch ›Stasiland‹ erhielt sie den Samuel Johnson Award. Ihr Werk ist in 25 Sprachen übersetzt. Sie lebt in Brooklyn.

Mehr über Anna Funder

Anna Funder
Foto: Karl Schwerdtfeger


Interview zum Buch

Die Entstehung des Romans ›Alles, was ich bin‹, 21.01.2014
Anna Funder über die Entstehung ihres Romans ›Alles, was ich bin‹:
Anna Funder: Wenn man den Sommer 2006 in London und die Recherchearbeiten in New York und Berlin mit einbezieht, arbeitete ich insgesamt fünf Jahre lang an dem Roman. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen war das Buch mein einziger Gedanke. Zu der Zeit passierten aber auch andere Dinge in meinem Leben – darunter sehr wichtige: Meine kleinen Töchter wuchsen heran und wurden eingeschult; mein Sohn wurde geboren. Doch die ganze Zeit über lebte und atmete ich für dieses Buch, es war wie ein riesiges, geheimes, inneres Parallelleben. Es dauerte fünf Jahre, es niederzuschreiben, aber tatsächlich hatte ich das Buch mein ganzes Erwachsenenleben lang in mir getragen.

Mit neunzehn habe ich die wirkliche Ruth kennengelernt, aus der die Ruth Becker in »Alles, was ich bin« wurde. Sie war genau sechzig Jahre älter als ich, aber so voller Leben, so gegenwärtig, dass es schien, die Geschichte hätte gar nicht stattgefunden. Das zwanzigste Jahrhundert faltete sich wie ein Akkordeon in sich selbst zurück. Dadurch, dass ich eine so alte Freundin hatte, schien mir das Leben lang und die Historie kurz. Und tatsächlich, die Geschichten, die Ruth von ihren gegen Hitler gerichteten Aktionen erzählte, waren nicht mehr länger historisch, sondern verwandelten sich in etwas, zu dem eine sehr mutige und bescheidene Freundin von mir die Kühnheit und Geistesgegenwart besessen hatte.

Im Gespräch verband Ruth ihre Kritik an Hitler mit einer Kritik an unserer eigenen (australischen, konservativen, gegen Flüchtlinge gerichteten) Politik. Ihr Verhalten machte mir klar, dass, unter welcher politischen Herrschaft man auch lebt, es immer Menschen geben wird, die einen klaren Blick für die Dinge behalten, egal, ob sich diese ganz entsetzlich oder halbwegs unangenehm darstellen: Es sind die Menschen, die sich entschließen, ihre Stimme zu erheben. Es ist diese Art von Mut, der mich, mitsamt dem ihm zugrundeliegenden moralischen Kompass, stets faszinierte.

In den späten Achtzigern hatte ich in Berlin studiert, in den Neunzigern kehrte ich mehrmals dorthin zurück, um dort zu leben. Während ich weg war, schrieben Ruth und ich uns immer. Was ich über Ruths persönliche Geschichte wusste, begleitete mich stets. Ich lief durch die Straßen und sah die Einschusslöcher vom Straßenkampf zwischen Kommunisten und rechtsradikalen Vorläufern der Nazis aus den Zwanzigern oder von dem Kampf der Russen gegen Ende des Krieges. So konnte ich Ruths Leben quasi körperlich wahrnehmen. Schon lange kannte ich zum Beispiel die Geschichte, wie die Gestapo ihr befahl, sich mit ausgestreckten Armen und Beinen an die Wand zu stellen und sie dann rings um sie herum schoss. Die Erzählung fühlt sich anders an, wenn man mit seinen Fingern über eine Wand tastet und spürt, welch tiefe Trichter Kugeln schlagen.

Alle guten Texte entstehen aus einer Art Liebe. Ein Buch, das sich nicht aus dieser leidenschaftlichen Quelle speist, erkennt man sofort; es weigert sich, zu leben. Einen großen Teil von »Stasiland« habe ich in Berlin geschrieben. Für mich waren Berlin und auch andere Städte im Osten Deutschlands keine Orte, die zuerst von Nazis, dann von der Stasi überrannt worden waren. Im Gegenteil, diese Städte waren stattdessen voll mutiger Menschen, die sich geweigert hatten, mit den Unrechtsregimen zu paktieren – ironische, humorvolle, bescheidene und höchst kühne Menschen, die sich nicht kompromittieren ließen und ihre Mitbürger nicht verrieten. »Stasiland« war zunächst eine Hommage an diese außergewöhnlichen Menschen, die man in dem neuen wiedervereinigten Deutschland vergessen hat.

Als ich mit »Alles, was ich bin« begann, war es eine meiner Absichten, eine Gruppe von äußerst kühnen, zum großen Teil vergessenen Menschen zu ehren, die sich in den Dreißigern den Nazis entgegenstellten. Sie gaben Zeugnis für das Beste im Menschen – die Art von Gewissen, das ganz selbstverständlich das Wohlergehen der anderen über das eigene stellt und es zum Kern der eigenen Moralität macht – Menschen, die sich weigerten, mit einem Unrechtsregime zusammenzuarbeiten und sich dadurch zu erniedrigen, Menschen, die für dieses größere Gut Gefahr auf sich nahmen. Es ist immer noch das Ziel eines guten Romans, wahre und vergessene Helden in eine Geschichte gekleidet zum Leben zu erwecken und Licht in das dunkle Funktionieren der Seele zu bringen.

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