Anne Weber
Erste Person
Taschenbuch
Preis € (D) 7,99 | € (A) 8,30 | SFR 11,90
ISBN: 978-3-596-19010-2
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Buchdetails
128 Seiten, Broschur
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-596-19010-2
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Preisänderungen & Lieferfähigkeit vorbehalten.
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Inhalt
»Viele glauben, die Sprache sei ein Verständigungsmittel, ein Instrument, mit dessen Hilfe wir sagen können, was wir glauben, zu sagen zu haben. Das ist falsch. Die Geige ist ein Instrument, der Stift zur Not auch. Die Musik und die Sprache sind Ozeane. Man kommuniziert nicht mithilfe eines Ozeans.«
Was ist das Eigene? Das Fremde? Was trennt das Ich vom Du? Vom Rest der Welt? Bei genauerem Hinsehen schwindet jede beruhigende Übersichtlichkeit, zumal diese unersättliche erste Person sich über ihre Sinnesorgane fortwährend kleine Happen der Außenwelt einverleibt und alsbald zu Denk- und Lebensmaterial weiterverarbeitet.
Mit illusionslosem Ernst und spöttischer Lust ergründet Anne Weber die wundersame Wirkungsweise der Ersten Person, dieser inneren Recycling-Maschine. Reflexion, Fabel und Traum verbinden sich in ihrer Prosa mit fantastischer Leichtigkeit.
Was ist das Eigene? Das Fremde? Was trennt das Ich vom Du? Vom Rest der Welt? Bei genauerem Hinsehen schwindet jede beruhigende Übersichtlichkeit, zumal diese unersättliche erste Person sich über ihre Sinnesorgane fortwährend kleine Happen der Außenwelt einverleibt und alsbald zu Denk- und Lebensmaterial weiterverarbeitet.
Mit illusionslosem Ernst und spöttischer Lust ergründet Anne Weber die wundersame Wirkungsweise der Ersten Person, dieser inneren Recycling-Maschine. Reflexion, Fabel und Traum verbinden sich in ihrer Prosa mit fantastischer Leichtigkeit.
Pressestimmen
»Wenn es einen Charme des Denkens gibt, ist er hier zu finden: bei einer der wenigen wirklichen Humoristinnen der neueren deutschen Literatur.«
Martin Krumbholz, Die Zeit
»Die Erste Person: das ist das Ich (…) Was ist das Ich? Was kann es, und was kann es nicht? Woher kommt es, und wohin geht es? Was ist Erkenntnis, was ist die Zeit und was der Tod? Schwere Fragen, (…) aber Anne Weber hüpft leichtfüßig über das grandiose Gelände. Neugierig, als beträte sie es als erste, und humorvoll, als wäre der Nihilimus ein netter Kumpel. Mit Göttern und Dämonen unterhält sie sich familiär, von gleich zu gleich.« Hermann Kurzke, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5.11.2002
»Unbeirrt geht sie sich selbst auf den Grund, um ›das Unsagbare zu sagen‹. Und trifft mitten ins Schwarze.« Christiane Schrott, Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2002
Martin Krumbholz, Die Zeit
»Die Erste Person: das ist das Ich (…) Was ist das Ich? Was kann es, und was kann es nicht? Woher kommt es, und wohin geht es? Was ist Erkenntnis, was ist die Zeit und was der Tod? Schwere Fragen, (…) aber Anne Weber hüpft leichtfüßig über das grandiose Gelände. Neugierig, als beträte sie es als erste, und humorvoll, als wäre der Nihilimus ein netter Kumpel. Mit Göttern und Dämonen unterhält sie sich familiär, von gleich zu gleich.« Hermann Kurzke, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5.11.2002
»Unbeirrt geht sie sich selbst auf den Grund, um ›das Unsagbare zu sagen‹. Und trifft mitten ins Schwarze.« Christiane Schrott, Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2002
Über Anne Weber
Interview zum Buch
Gespräch mit Anne Weber über »August. Ein bürgerliches Puppentrauerspiel«, 25.03.2011
Sohn eines berühmten Vaters, Sohn einer nicht standesgemäßen Mutter – August von Goethe entkommt den Familienschatten nicht, reibt sich auf und geht schließlich daran zugrunde: Ein blasser Junge, der den eigenen Weg, das eigene Leben nicht findet.
Anne Weber, »eine ganz besondere literarische Begabung« (Ulrich Wickert, NDR Kultur), wählt nach ihrem gefeierten Roman »Luft und Liebe« die Form eines Theaters im Kopf, um die Existenz eines ewigen Sohnes und sein Ringen um Selbständigkeit als Ausweg in die Freiheit literarisch vielstimmig und eindringlich darzustellen.
Anne Weber, »eine ganz besondere literarische Begabung« (Ulrich Wickert, NDR Kultur), wählt nach ihrem gefeierten Roman »Luft und Liebe« die Form eines Theaters im Kopf, um die Existenz eines ewigen Sohnes und sein Ringen um Selbständigkeit als Ausweg in die Freiheit literarisch vielstimmig und eindringlich darzustellen.
Petra Gropp: Sie haben zuletzt einen von der Kritik gefeierten und bei den Lesern sehr erfolgreichen Roman geschrieben, »Luft und Liebe«. Es hätte ein Stoff für einen Kitschroman sein können, haben Sie über dieses Buch gesagt, und in Ihren Händen ist diese romantische »Prinzessinnengeschichte« zu einer so leichten wie raffiniert-intelligenten, funkelnd ironischen Erzählung um Liebe, Betrug und Rache geworden.
Im Mittelpunkt Ihres neuen Buches, »August«, steht eine reale Person, August von Goethe, der Sohn Johann Wolfgang von Goethes. Was reizt Sie an dieser Figur?
Im Mittelpunkt Ihres neuen Buches, »August«, steht eine reale Person, August von Goethe, der Sohn Johann Wolfgang von Goethes. Was reizt Sie an dieser Figur?
Anne Weber: Vielleicht, dass sie so alles andere als »schillernd« und dabei doch tragisch ist. August hat nicht nur das Schicksal eines Menschen, der sein Leben lang im Schatten eines Größeren steht (wofür ich übrigens nicht seinen Vater verantwortlich mache, der schließlich nichts für seine Größe konnte). Was mich anrührte, war auch Augusts Zerrissen-Sein zwischen dem übergroßen, erdrückenden Vater und der in der Augen der guten Weimarer Gesellschaft des Dichters unwürdigen, sozial tief unter ihm stehenden Mutter. August war ein uneheliches Kind. Erst als er schon fast erwachsen war, entschloss sich Goethe doch noch dazu, die Mutter seines Sohnes, Christiane Vulpius, zu heiraten, aber auch diese späte Heirat konnte aus dem Sprössling keinen rechtmäßigen, respektablen Nachfahren mehr machen. Etwas von dem »Schmutz« seiner Geburt blieb immer an ihm haften.
In diese Situation ist August hineingeboren, niemand, er selbst am allerwenigsten, ist dafür verantwortlich zu machen. Darin liegt die Tragik seiner Existenz: Er konnte seiner Lebenssituation nicht entkommen, und ebenso wenig konnte er sie bewältigen. Es war ein unverdientes Leiden, das ihm schon als Kind auferlegt war.
Was mich zu ihm hinzog, war der Wunsch, ihm und seinem schweren Leben gewissermaßen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ihn zu trösten. Ich stellte ihn mir vor als einen, der den ständigen Demütigungen seiner Umwelt ausgesetzt war und der sein ganzes Leben lang hat kämpfen müssen, um sich nichts von seinen Verletzungen anmerken zu lassen.
Neben der Größe der Großen gibt auch eine der Kleinen, eine Größe, die im Schatten entsteht und von allen unbemerkt bleibt. Eine solche unspektakuläre Größe spürte ich bei August, und ich sah es als meine Aufgabe an, sie auch für andere sichtbar zu machen.
In diese Situation ist August hineingeboren, niemand, er selbst am allerwenigsten, ist dafür verantwortlich zu machen. Darin liegt die Tragik seiner Existenz: Er konnte seiner Lebenssituation nicht entkommen, und ebenso wenig konnte er sie bewältigen. Es war ein unverdientes Leiden, das ihm schon als Kind auferlegt war.
Was mich zu ihm hinzog, war der Wunsch, ihm und seinem schweren Leben gewissermaßen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ihn zu trösten. Ich stellte ihn mir vor als einen, der den ständigen Demütigungen seiner Umwelt ausgesetzt war und der sein ganzes Leben lang hat kämpfen müssen, um sich nichts von seinen Verletzungen anmerken zu lassen.
Neben der Größe der Großen gibt auch eine der Kleinen, eine Größe, die im Schatten entsteht und von allen unbemerkt bleibt. Eine solche unspektakuläre Größe spürte ich bei August, und ich sah es als meine Aufgabe an, sie auch für andere sichtbar zu machen.

