Christoph Ransmayr

Morbus Kitahara

Taschenbuch
Preis € (D) 9,95 | € (A) 10,30 | SFR 14,90
ISBN: 978-3-596-13782-4
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Buchdetails

448 Seiten, Broschur
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-596-13782-4
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Cover »Morbus Kitahara«
Morbus Kitahara
Preis € (D) 22,00
ISBN: 978-3-10-062908-1

Inhalt

»Der Friede von Oranienburg« ist der Name für die Jahre und Jahrzehnte nach einem großen Krieg. Aber dieser Name bezeichnet keine Epoche des Wiederaufbaus, sondern eine der Sühne, der Vergeltung und Rache. Nach dem Willen der Sieger sollen die geschlagenen Feinde aus den Ruinen ihrer Städte und Industrien zurückkehren auf die Rübenfelder und Schafweiden eines vergangenen Jahrhunderts. Drei Menschen begegnen sich im Moor, einem verwüsteten Kaff an einem See im Schatten des Hochgebirges. Ambras, der »Hundekönig« und ehemaliger Lagerhäftling, wird Jahre nach seiner Befreiung Verwalter jenes Steinbruchs, in dem er als Gefangener gelitten hat. Verhaßt und gefürchtet haust er mit einem Rudel verwilderter Hunde im zerschlissenen Prunk der Villa Flora. Lily, die »Brasilianerin«, die Grenzgängerin zwischen den Besatzungszonen, die vom Frieden an der Küste des fernen Landes träumt, lebt zurückgezogen in den Ruinen eines Strandbades. An manchen Tagen aber steigt sie ins Gebirge zu einem versteckten Waffenlager aus dem Krieg, verwandelt sich dort in eine Scharfschützin und macht Jagd auf ihre Feine. Und Bering, der »Vogelmensch«, der Schmied von Moor: Er verläßt sein Haus, einen wuchernden Eisengarten, um zunächst Fahrer des Hundekönigs zu werden, dann aber dessen bewaffneter, zum Äußeren entschlossener Leibwächter. Doch in diesem zweiten Leben schlägt ihn ein Gebrechen, ein rätselhaftes Leiden am Auge, dessen Namen er in einem Lazarett erfahren soll: Morbus Kitahara, die allmähliche Verfinsterung des Blicks.

Über Christoph Ransmayr

Christoph Ransmayr wurde1954 in Wels/Oberösterreich geboren und studierte Philosophie in Wien, wo er nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder lebt. Neben seinen Romanen ›Die Schrecken des Eises und der Finsternis‹, ›Die letzte Welt‹, ›Morbus Kitahara‹ und ›Der fliegende Berg‹ erschienen bisher zehn Spielformen des Erzählens, darunter ›Der Weg nach Surabaya‹, ›Geständnisse eines Touristen‹ und zuletzt ›Der Wolfsjäger‹. Für seine Bücher, die bisher in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter anderem die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka und Bert Brecht benannten Literaturpreise, den Premio Mondello und, gemeinsam mit Salman Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union.

Mehr über Christoph Ransmayr

Christoph Ransmayr
Foto: Jörg Steinmetz


Interview zum Buch

Gespräch mit Christoph Ransmayr zu seinem ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ , 22.05.2012
Frage: Nach Ihren großen Romanen »Die letzte Welt«, »Morbus Kitahara« und »Der fliegende Berg« erscheint nun der »Atlas eines ängstlichen Mannes«. Dieses Buch ist kein Roman, sondern eine ganz besondere Gattung, ein »Atlas«, ein erzählter Atlas der Welt. Wie sind Sie zu dieser Form gekommen?
Christoph Ransmayr: Diese in siebzig Episoden gegliederte Erzählung hat das einfachste Vorbild: die Haltung eines Menschen, der sich erinnert – an Begebenheiten, Gestalten und Orte seines Lebens und davon in geschlossenen, voneinander unabhängigen und nur durch ein Ich verbundenen Geschichten erzählt. Wie einen kartographischen Atlas kann ein Leser auch den Atlas eines ängstlichen Mannes aufschlagen, wo immer er will, kann mit den letzten Seiten beginnen oder am Anfang – und wird stets inmitten der Welt sein. Am Ende jeder Episode holt der Erzähler Atem, setzt nach kurzen oder längeren Pause mit einem Ich sah von neuem an und versetzt sich selbst und seine Zuhörer oder Leser allein nach den Gesetzen der freien Assoziation an einen anderen, weit entfernten oder allernächsten Ort. Schließlich kann in unserer Erinnerung etwa ein verfallener Bootssteg an einem See im Brandenburgischen durchaus neben einem Pfahlbau am Oberlauf des Yangtsekiang aus dem Wasser ragen.
Morbus Kitahara
 
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