Peter Stamm

Wir fliegen

Taschenbuch
Preis € (D) 9,00 | € (A) 9,30 | SFR 13,50
ISBN: 978-3-596-51133-4
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Buchdetails

208 Seiten, Pappband
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-596-51133-4
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Inhalt

»Man sollte ihn lesen. Noch heute.« Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Heidi zeichnet das junge Mädchen, das sie nie gewesen ist. Vor Jahren wollte sie Künstlerin werden, in Wien studieren an der Akademie, aber die Reise ging nur bis Innsbruck. Jetzt hat sie Mann und Kind, die sie nie gewollt hat. Erst durch Carmen, die hübsche Lehrtochter aus der Bäckerei, fängt sie wieder an zu träumen. – Bruno arbeitet seit dreißig gleichmäßigen Jahren als Portier in einem Hotel. Er war beim Arzt, ein schlimmes Ergebnis könnte ihn erwarten. Noch weiß er nichts endgültiges, es ist seine letzte Nacht vor dem Resultat. Aber es wird nichts sein, bestimmt nicht. Für einen Moment ist er ganz glücklich.
Es sind diese Momente, in denen sich etwas verändert im Leben, in denen etwas geschieht, man merkt es kaum. Momente, die der Zeit enthoben scheinen. Eine neue Welt tut sich auf, man erkennt die Sackgasse, in die man vor langer Zeit geraten ist. Und plötzlich herrscht ein anderes Licht.

In seinen neuen, wunderbaren Geschichten zeigt sich Peter Stamm als Meister im Erzählen unerwarteter Wendepunkte, des flüchtigen Glücks, mit dem man nicht mehr gerechnet hat. Denn kann man wünschen, was man nicht einmal sich selbst gegenüber zugibt? Und widerspricht der Wunsch, auserwählt zu sein, dem Wunsch nach Liebe?

Pressestimmen

»Sein Blick auf die Menschen, die er beschreibt, ist scharf, genau und kompetent, seine Geschichten sind perfekt komponiert und durchgearbeitet. Kein Wunder, befindet sich der Autor seit zehn Jahren auf konstantem Höhenflug.(...) Eine ganze Lebensphase, eine Selbstsuche auf 20 Seiten ? das beherrscht Stamm hervorragend.«
Roger Anderegg, Sonntagszeitung Schweiz, 30.3.2008

»Mitunter mehrere Jahre lang, bis zu 30 Mal hat der Autor auch dieses Mal - wie schon früher - an seinen Erzählungen gefeilt. Das hat sich gelohnt: Pointiert und erschütternd sind sie geworden, gerade auch durch die kurzen, einfachen Sätze. Die meditativ-melancholische Stimmung verdankt sich auch einer Entwicklung in Stamms Stil.«
Pascal Fischer, NDR Kultur, 4.4.2008

»...ein Menschenzeichner, wie man ihn in der deutschen Literatur heute selten findet. Der neue Geschichtenband überragt die beiden früheren noch. (...) Peter Stamm beherrscht die subtilsten Anwandlungen und Stimmungen. Er arbeitet dabei so körperlich aus dem Innern der Figuren heraus, gerade aus dem Innern von Frauenfiguren, dass man unwillkürlich an Tschechow denkt - nur dass der Russe noch eine festgefügte Gesellschaft im Rücken hatte. Diese verbot ihm von vornherein jene fast erschreckende Intimität, die Peter Stamm in Sprache zu fassen vermag.«
Beatrice von Matt, Neue Zürcher Zeitung, 5.4.2008

»Einerseits ist ›Wir fliegen‹ ein typisches Stamm-Buch, mit seinen melancholischen Figuren, die an kleinen Peinlichkeiten leiden und sich - meistens vergeblich - nach Lebenskomplizen und einem bescheidenen Glück sehnen. Andererseits zeigt sich diesmal auch ein subtil neuer Stamm.«
Regula Freuler, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 6.4.2008

»So seltsam das klingt: von diesen stillen, behutsamen, diskreten Texten geht Mut und Kraft aus.«
Martin Ebel, Tagesanzeiger, 8.4.2008

»Kaum ein deutschsprachiger Schriftsteller vermag mit so wenigen Worten so viel zu erzählen wie der Schweizer Peter Stamm. Er ist ein Meister der Ökonomie, selbst in seinen Romanen gibt es kein überflüssiges Wort. Das macht seine Texte so erschreckend treffsicher. (...) Das verfehlte, das verpasste Leben ist eines der Grundthemen dieser Erzählungen, von denen keine einzige qualitativ auch nur ein Stück abfällt.«
Christoph Schröder, Frankfurter Rundschau, 11.4.2008

»Auffällig gut gelingen ihm die kurzen Formen, einfühlsame Beschreibungen innerer Zustände, überschaubare, emotional angespannte Konstellationen.« Helmut Böttinger, Süddeutsche Zeitung, 16.4.2008

»Peter Stamm ist meisterhaft im Erfinden alltäglicher Kleinigkeiten, von denen seine Figuren wie von Geschossen getroffen werden.«
Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur

»Keine von Peter Stamms Geschichten ist ohne nachhaltige Wirkung. Der gelernte Psychologe lotet sorgsam Seelentiefen aus und beschreibt Schicksale, die vieler Schicksale sein könnten. Das ist es, was an seinen Erzählungen berührt.«
Roland Mischke, Wiesbdener Kurier, 19.4.2008

»Es passiert kaum etwas bei Peter Stamm, auch sprachlich nicht - aber dieses Wenige ist viel. In der Stille des Tons werden die Erschütterungen im Leben der Figuren umso genauer wahrnehmbar: Stamm ist ein Seismograph, der sich in die Leere der Lebensentwürfe hineinbegibt - und die Schwingungen der Sehnsucht aufzeichnet.«
Ulrich Rüdenauer, Mannheimer Morgen, 27.4.2008

»Die Vereinzelung und deren Akzeptanz sind Grundkoordinaten in der Stamm'schen Erzählungswelt. Stamm hängt Echolote in die Abgründe der Seelen seiner Protagonisten, und er lässt uns die feinen Knicke zwischen Wahrheit und Unwahrheit spüren, wenn die Figuren ihre Münder aufmachen. Großartige Literatur.«
Salli Sallmann, rbb Kulturradio am Morgen, 10.4.2008

»Mit seinem Erzählband ›Wir fliegen‹ hat der Schweizer Autor Peter Stamm endgültig Anschluss an die ganz Großen des Metiers gefunden.«
Charles Linsmayer, Der kleine Bund, 26.04.2008

»Stamm taucht den Leser mit seinen wunderbaren Geschichten und seiner präzisen Sprache in ein Wechselbad der Gefühle. Wie kaum einer versteht er es, die Angst und die Beklemmung seiner Figuren auf den Leser zu übertragen. Aber auch ihre - noch nicht begrabenen - Träume und Hoffnungen. Nicht leicht, das zu schaffen - Stamm ist es meisterhaft gelungen.«
Sonja Kolb, Associated Press, 1.5.2008

»Genau davon, von den Vorzügen der Schweigsamkeit, von der brennenden Erwartung, von der tröstlichen Ungewissheit des Lebens handeln Stamms beste Erzählungen.«
Wolfgang Höbel, Der Spiegel, 10.5.2008

»Peter Stamm porträtiert Menschen, die sich im falschen Leben bewegen - ihrem eigenen. Er erzählt nie den dramatischen Wumms, sondern die schleichende Verödung. In einem nüchternen, achselzuckenden Tonfall, der dem Pathos kaum Chance zur Entfaltung lässt, aber eine Melancholie enthält, die gerade durch die Unterschwelligkeit ihre Kraft entwickelt.«
Hamburger Abendblatt, 14.5.2008

»Peter Stamms dritter Prosaband birgt ein literarisches Selbstbildnis- und ein Panoptikum melancholischer Lebensumbrüche. Erzählt wird in gewohnt virtuoser Zurückhaltung und kühler Präzision.«
Bettina Kugler, St.Galler Tagblatt, 14.4.2008

»Spektakulär ist die Art des Erzählens über das so banale wie existenzielle Drama des alltäglichen Menschseins. Er ist ein Autor mit einem untrüglichen Gespür für scheinbar unauffällige Begebenheiten und in sie hineingeworfene Figuren.« Gabriele von Arnim, Die Welt, 17.5.2008

»Was das Scheitern anbelangt, das leise Scheitern im Alltag, dem kein dramatisches Leiden folgt, darin ist der 1963 geborene Schweizer Peter Stamm ein literarischer Meister. (...) Auf geradezu prekäre Weise sind die zwölf Erzählungen auch darin stimmig, dass sie die Verzagtheit zum natürlichen Lebenszustand der Menschen erklären.«
Karl-Markus Gauss, Die Zeit, 21.5.2008

»Was seine Expeditionen in die menschliche Unterwelt ans Tageslicht fördern, sind traurigschöne Bilder zeitloser und zugleich ganz im Heute beheimateter Seelenlandschaften. Einige in Momenten der Erstarrung, andere, vielleicht, des Auftauens.«
Oliver Pfohlmann, Der Tagesspiegel, 22.5.2008

»Peter Stamm erweist sich mit seinem lakonischen Sprachstil und dem scharfen analytischen Blick als Meister deutschsprachiger Erzählkunst.«
Berliner Zeitung, 22.5.2008

»Peter Stamm erzählt in einer zurückhaltenden klaren Sprache. Die Nüchternheit und die Distanz seiner Sätze hat allerdings nichts mit Unbeteiligtsein zu tun. Es ist ein Skizzieren, das die Bilder nur umso deutlicher leuchten lässt. Dieser Autor weiß um die Kunst des Weglassens.«
Urs Bugmann, Neue Luzerner Zeitung, 30.5.2008

»Brillant, wie der 45jährige Schriftsteller den Band mit ›Die Erwartung‹ eröffnet.« Markus Bundi, Südkurier, 10.6.2008

»Seine Sprache ist schmucklos und präzise; jeder Satz ein Treffer, jedes Wort am richtigen Platz. Eine verstörende Prosa mit verstörten Figuren«
Dr. Oliver Pfohlmann, Landshuter Zeitung, 5.7.2008

»Mit Peter Stamm lernen alle noch so verklemmten Figuren, wie leicht es sein kann, die Flügel zu spreizen und hinauszufliegen ins Offene.«
Frank Dietschreit, Märkische Allgemeine, 12.07.2008

»In solchen Texten zeigt sich Peter Stamm auf der Höhe seiner Kunst.«
Pia Reinacher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.8.2008

Über Peter Stamm

Peter Stamm, geboren 1963, studierte einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie. Er lebt mit seiner Familie in Winterthur. Er arbeitete in verschiedenen Berufen, unter anderem in Paris und New York. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor und Journalist. Er schrieb mehr als ein Dutzend Hörspiele. Seit seinem Romandebüt ›Agnes‹ 1998 erschienen drei weitere Romane, vier Erzählsammlungen und ein Band mit Theaterstücken. Zuletzt erschienen 2009 der Roman ›Sieben Jahre‹ und 2011 die Erzählungen ›Seerücken‹.

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Peter Stamm
Foto: Gaby Gerster


Interview zum Buch

Ein Gespräch mit Peter Stamm über das Wesen der Liebe, das Glück des Schreibens und seinen neuen Roman ›Sieben Jahre‹, 12.08.2009
Fischer Verlag: Alexander, der Held in Ihrem neuen Roman ›Sieben Jahre‹, lebt mit seiner Frau Sonja, sie ist schön und erfolgreich und müsste ihn – von außen betrachtet – glücklich machen. Ohne etwas vorwegzunehmen: Sie tut es nicht. Jedenfalls hat er eine Geliebte, Iwona, eine eher unattraktive, eher graue Frau, die ein sehr einfaches Leben führt. Für den Leser ist diese Liebschaft, die sich zu einer Amour fou auswächst, überraschend. War auch für Sie diese Liebe überraschend?
Peter Stamm: Die Beziehung zur unscheinbaren Iwona war der Ausgangspunkt der Geschichte. Was mich interessierte, war die Macht, die ein Mensch über uns hat, wenn er uns liebt. Was Alex an Iwona bindet, ist nicht so sehr körperliche Anziehung, sondern ihre bedingungslose Hingabe. Auf das Thema bin ich in Witold Gombrowicz' Stück ›Ivonne, Prinzessin von Burgund‹ gestoßen, in dem der Prinz aus einer Art Überdruss die hässlichste Frau zu seiner Ehefrau wählt und sie dann nicht mehr loswird, weil er, wie er sagt, »in ihr« ist. Aus dem Stück hat meine Figur auch ihren Namen. Es war schwierig, eine unattraktive Figur zu schaffen, ich habe gemerkt, dass Hässlichkeit sehr schwer zu definieren ist und mehr mit dem Charakter als mit dem Aussehen zu tun hat. Auf eine komplizierte Art ist Iwona ja doch attraktiv. Überraschend – und manchmal schockierend – war für mich, wie sich die Geschichte entwickelt hat. Iwona hat, vielleicht gerade weil sie unattraktiv ist, einen sehr starken Willen, sie ist bereit, jedes Opfer zu bringen, um ihr Ziel zu erreichen. Wie sie mit ihrer Schwangerschaft umgeht, ist zum Beispiel ziemlich schockierend.
Wir fliegen
 

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