Moderiertes Gespräch

Ines Geipel im Gespräch

EUE VORFAHR:INNEN: Die Potsdamer Dichterin Jutta Petzold:
„Die Mauern sie können nicht tauschen“
Ines Geipel im Gespräch mit Verena Voigt

  • Moderation:  Verena Voigt (M.A., GFZK e.V.)
  • Potsdam, Digitalvilla am Hedy-Lamarr-Platz | Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse & Systeme
  • 26.10.2026
  • 18:00 Uhr
  • Kostenpflichtig

Jutta Petzold (1933–2020) gehört zu den lange übersehenen Stimmen einer nicht-kanonischen Widerstandskultur der DDR. Nach einem missglückten Fluchtversuch 1961 zählt sie zu den Vertreter:innen der sogenannten Dritten Literatur, deren Werke außerhalb der offiziellen literarischen Öffentlichkeit entstanden und erst spät erschlossen und gewürdigt wurden. Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ines Geipel sichert und erschließt Petzolds Nachlass. In der Digitalvilla liest sie aus neu edierten und rekonstruierten Texten und stellt eine Autorin vor, deren Werk von den Bedingungen des Schreibens unter politischem Druck, von Ausschluss und dem Kampf um eine eigene Sprache erzählt.


Die Veranstaltung ist Teil des Projekts NEUE VORFAHR:INNEN im Rahmen des zweijährigen Projekts FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS der GFZK e.V. Der Titel geht auf eine künstlerische Arbeit von Ian Keaveny zurück, der für das Projekt ein digitales Porträt Jutta Petzolds geschaffen hat. Das Gesicht erscheint darin nicht als geschlossenes Bild: Es vervielfacht und verschiebt sich, Oberflächen brechen ab, Fragmente überlagern einander. Die digitale Rekonstruktion wird selbst zum Bild einer prekären Überlieferung.


Für die Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. (GFZK) ist die Lesung Teil einer längerfristigen Auseinandersetzung mit komplexen Zensurregimen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine bislang wenig bekannte biografische Spur führt dabei nach Potsdam: Jutta Petzold lebte 1949 für kurze Zeit in der Stadt. Der genaue Ort ihres damaligen Aufenthalts ist derzeit Gegenstand unserer Recherche. Perspektivisch verfolgt die GFZK die Idee, eine Straße oder einen Platz in Potsdam nach Jutta Petzold zu benennen – als Beitrag zu einer erweiterten Erinnerungskultur, die auch marginalisierte literarische Biografien sichtbar macht.


Im Zentrum der begleitenden künstlerischen Forschung steht Petzolds spätes, fragmentarisches Prosawerk. Ihre Sprache bewegt sich an den Grenzen von Ausdruck, Sinn und Form. Wörter kippen, Bedeutungen werden instabil, syntaktische Ordnungen brechen auf. Hier entsteht eine Verbindung zur Glitch Art: Nicht weil Petzolds Literatur nachträglich zu Glitch Art erklärt werden soll, sondern weil sich zwischen ihren sprachlichen Brüchen und der zeitgenössischen Ästhetik der Störung ein Resonanzraum öffnet.


Keavenys fragmentiertes digitales Porträt und Petzolds fragmentierte Sprache begegnen sich damit an einer entscheidenden Stelle: im Bruch. Was nicht vollständig rekonstruiert, geglättet oder in einen Kanon zurückgeführt werden kann, wird gerade in seiner Störung sichtbar.

Veranstaltungsort

Digitalvilla am Hedy-Lamarr-Platz | Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse & Systeme
Karl-Marx-Str. 67

14482 Potsdam


Anmeldung: kontakt@verena-voigt-pr.de (Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V., Potsdam
https://www.gesellschaft-fuer-zeitgenoessische-konzepte.de/
)


Weitere Informationen zur Veranstaltung

Preise

Eintritt: Kostenpflichtig