Banner mit Cover "Ankommen" von Bülent Ceylan
»Es ging mir nie nur darum, da draußen auf der Bühne anzukommen. Ich wollte vor allem in meinem eigenen Leben ankommen.« – Bülent Ceylan

Ankommen

Ausverkaufte Stadien, große Talkshow-Auftritte, The Masked Singer und Duett mit Helene Fischer - Megastar Bülent Ceylan hat alles erreicht, dennoch ist er sich und seinen Wurzeln treu geblieben. Herzlich, ehrlich, persönlich: In seinem Buch spricht Bülent Ceylan erstmals über das, wofür auf der Comedy-Bühne kein Raum ist.

Er heißt Tschäilan. Kann aber kein Türkisch. Monnemer Dialekt und Cordhosen. Das alles ist doch irgendwie eine Bankrotterklärung. »Nenn dich lieber Billy«, raten die Geschwister. Doch Bülent Ceylan entdeckt als Kind ein Talent. Er kann Stimmen imitieren und damit Leute zum Lachen bringen. Die Wirkung ist verblüffend: Witze lenken von den Geldsorgen seines Vaters ab, Witze zaubern seinen deutschen Mitschülern ebenso wie seiner bedrückten Mutter ein Lächeln ins Gesicht. Also erzählt der Junge mit dem rabenschwarzen Prinzessinnenhaar Gags, als ginge es um sein Leben. 2009 füllt Bülent Ceylan zum ersten Mal die SAP Arena. 10.000 Zuschauer, der Erfolg ist da.

Zum ersten Mal erzählt der Comedian nun von seinem Aufwachsen, spricht über die Bedeutung von Vielfalt und Identität, Heimat und den Wert der Familie - entwaffnend ehrlich, mit Herz, Humor und Tiefgang.

Wer behauptet, der Weg ist das Ziel, weiß nicht, wie wichtig ankommen ist!

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Leseprobe

Kapitel 4

Kapitel 4

Billy, der Türk und ich

Der Name Bülent bedeutet der Erhabene, der Edle, der Großgewachsene. Ceylan heißt auf Türkisch Gazelle. Ich bin sozusagen das Bambi unter den Komikern.
In meiner Kindheit und Jugend war der Name allerdings ein Problem. Wenn ich gefragt wurde, wie ich heiße, verstanden die Leute alles mögliche: »Wie bitte? Bülän? Buland?«
»Bü-Len-T«, musste ich immer wieder erklären. Dabei war mir mein eigener Name auf eine Art genauso fremd wie meinen Lehrern, unseren Nachbarn oder den anderen Kindern. Meine Geschwister hatten es da einfacher. Sie trugen leicht auszusprechende Namen, die jeder kannte. Angela, Fritz, Anya – und dann war da noch ich, der B. Ü. L. E. N.T. Mein Name war niemandem geläufig, das merkte ich schnell. Ich ragte damit merkwürdig aus der Geschwistergruppe heraus. Darüber hinaus störte es mich sehr, wenn mein Vorname – von meinem Nachnamen ganz zu schweigen – falsch artikuliert wurde. (Ceylan spricht sich übrigens korrekt »Tschäilan« aus, und nein, es ist keine Teesorte aus Sri Lanka.)

Meine Schwester Anya spürte mein Unbehagen. Irgendwann im Laufe meiner Gymnasialzeit meinte sie deshalb: »Komm, wir erfinden einen coolen Spitznamen für dich.«Anya war damals ein großer Nena-Fan. Noch mehr liebte sie Billy Idol. So waren wir uns schnell einig: Ab jetzt würde ich mich nach dem berühmten britischen Rockmusiker nennen.
»Wie heißt du?«
»Billy.«
Keine Nachfragen. So blieb es für den Rest meiner Schulzeit, bis zum Abitur. Damit hatte ich auch ein weiteres Problem gelöst, das mich als Teenager zunehmend umtrieb: Niemand erwartete von einem Billy, dass er türkisch sprach.
Nur noch bei Verwandtenbesuchen oder während unserer Türkei-Urlaube wurde ich an meine vermeintliche Unzulänglichkeit erinnert. Schon bei der Einreise, mit Blick auf meinen Pass, sprachen mich die Grenzbeamten stets auf Türkisch an. Auch wenn ich beharrlich mit den Schultern zuckte und höflich bat: »I don’t speak Turkish, could you please speak English?« Die Beamten runzelten die Stirn und redeten einfach auf Türkisch weiter. Diese Erwartungshaltung, die die ganze Welt an mich heranzutragen schien, nur weil ein türkischer Name in meinem Ausweis steht, hat mich bis ins Erwachsenenalter teilweise richtig wütend gemacht. Ich wollte durchaus gern Fremdsprachen können. Aber lieber lernte ich dann Englisch. Französisch. Sogar Russisch.
Ich möchte auf keinen Fall, dass diese Zeilen missverstanden werden. Denn ich schätze die türkische Kultur sehr, ich mag Land, Leute und die Sprache! Aber irgendwo in mir schlummert noch immer dieses bockiges Kind, das sich bestimmt tausend Mal von wildfremden Menschen die Frage anhören musste: »Wieso kannst du denn kein Türkisch?«

Bülent Ceylan wurde 1976 als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters in Mannheim geboren. Die Lebensverhältnisse waren einfach, aber Liebe, Geborgenheit und Unterstützung waren unerschöpflich. Bis heute ist Familie daher das Wichtigste in Bülent Ceylans Leben. Gemäß dem Motto “Ohne Kinder geht nix” engagiert er sich mit seiner ...

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