Neue Rundschau 2025/4
Eine Reise rund um die Welt der Poesie
Beim Schreiben von Gedichten, so Paul Valéry, wird alles »durch ein Sieb hindurchgehen müssen, wird gewogen, geläutert, in Form gebracht, so stark wie möglich verdichtet«. Der Autor und Herausgeber Michael Lentz macht sich in diesem Heft auf ...
Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe
Editorial 5
Altagor 12
Apsilon 35
Bode, Robin 43
Cobbing, Bob 51
Dick, Uwe 70
Dufrêne, François 79
Greenham, Lily 93
Isou, Isidore 105
Kraus, Dagmara 130
Lorenz, Carla 137
Mon, Franz 146
Planz, Alice Lovis 150
Rasp, Renate 156
Vree, Paul de 186
RILKE LESEN
Michael Lentz Zu Rainer Maria Rilke: Tränen, Tränen, die aus mir
brechen und Der Tod 201
Winfried Menninghaus Sterben als anti-autoritärer Akt, eine positive
Vision der Selbsttötung und harte vs. weiche Klangästhetik. Zu Rilkes
Gedichten Tränen, Tränen und Der Tod 234
CARTE BLANCHE
Gábor Szabó Im Zeichen der Bedrohung. Drei Erzählungen von László
Krasznahorkai 263
Die Autor*innen und Übersetzer*innen 285
Artikel aus der »Neuen Rundschau 2025/4«
Die NEUE RUNDSCHAU im 133. Jahr
Herausgegeben von den Lektor*innen des S. Fischer Verlags
"Eine freie Bühne für das moderne Leben schlagen wir auf. Im Mittelpunkt unserer Bestrebungen soll die Kunst stehen; die neue Kunst, die die Wirklichkeit anschaut und das gegenwärtige Dasein." So stand es auf der ersten Seite des 1890 erschienenen ersten Hefts der Freien Bühne für modernes Leben. Die „neue Kunst", das meinte damals nicht zuletzt den Naturalismus, doch waren die Grenzen - ganz wie im Verlagsprogramm Samuel Fischers - nicht eng gezogen. Um die Abgrenzungen zwischen den Lagern sollte sich die Zeitschrift auch unter ihrem neuen Namen, den sie ab 1904 führte, recht wenig kümmern: Die Neue Rundschau wurde schnell zum arrivierten Forum moderner Literatur und Essayistik. Das lässt sich an den Namen der Beiträger ablesen, doch fast ebenso deutlich an dem Umstand, dass die avantgardistischen Bewegungen der Zwischenkriegszeit selten ohne Seitenhieb auf sie auskamen.
Nach 1945 entfielen die Anlässe zu solchen Scharmützeln; die Neue Rundschau hielt ihre Stellung als eine der großen europäischen Kulturzeitschriften. Blättert man in ihren Jahrgängen, sieht man sich einer beeindruckenden Tradition gegenüber, die es fortzusetzen gilt. Zu ihr gehört die Verbindung zwischen Essays und Literatur, zwischen theoretischen Reflexionen und Stücken poetischer Praxis, zwischen den Wissenschaften und den Künsten. Die Neue Rundschau versteht sich als ein Ort intellektueller Debatten, literarischer Neuentdeckungen und Wiedererinnerungen.