»Jeder hat. Niemand darf.« Projektreisen von Katja Riemann

Jeder hat. Niemand darf.

Katja Riemann ist seit 20 Jahren in der Welt unterwegs, ist vor Ort, schaut hin. Sie beschreibt die Arbeit von Nicht-Regierungsorganisationen und erzählt von Menschen, die sie bewundert, weil sie etwas bewegen. Katja Riemanns Zuversicht macht Hoffnung, ihre Hingabe ist ansteckend, ihr Humor mitreißend. Sie zeigt, dass Veränderung möglich ist. 

Über Jahre hat sie die Arbeit von Molly Melching, der Gründerin von »Tostan« beobachtet, die in senegalesischen Dorfgemeinschaften das Ende der Beschneidung von Mädchen herbeiführt. An der Seite von Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege und dem Arzt und Aktivisten Dr. Kasereka Lusi hat sie sich ein Bild machen können über den Einsatz der Vergewaltigung als Kriegsinstrument im Ostkongo. »Drogen kann man nur einmal verkaufen, Menschen mehrmals«, berichtet sie aus Nepal, wo die Töchter der Familien der unteren Kaste als Dienstmädchen von Menschenhändlern nach Katmandu geholt werden. Und schließlich findet Katja Riemann ihre eigene Geschichte im Libanon, wo ihr Vater lange gelebt und unterrichtet hat.

»Weltoffen, auf Menschen zugehend; immer bestens vorbereitet; genau hinschauend wie zuhörend – und ohne Zögern jederzeit bereit zu handeln, wenn Menschlichkeit und Menschenrechte Handeln erfordern: So kenne ich Katja Riemann im Einsatz für die Menschenrechte.«
Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International

Online bestellen

400 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-10-397313-6

Preis € (D) 24,00 | € (A) 24,70 | zum E-Book

  • Kaufen bei Thalia.de
  • Kaufen bei Genialokal.de
  • Kaufen bei Hugendubel.de
  • Kaufen bei Osiander.de

Preisänderungen und Lieferbarkeit vorbehalten.

Leseprobe

Aufblende

Als Kind spielten wir im Sportunterricht ein Spiel, das hieß »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann«. Auf einer Seite der Turnhalle stand ein Kind, auf der anderen Seite alle anderen. Das Kind rief den Satz, und die Antwort hieß: »Niemand.« – »Und wenn er kommt?«, wurde weiter gefragt. »Dann laufen wir!« Dann rannten alle los, und das eine Kind versuchte möglichst viele der laufenden Kinder anzutippen, die dann sofort auch zu der dunklen Seite der Macht gehörten.
Man könnte denken, es sei rassistisch konnotiert, doch das ist es nicht. Es lässt sich bis auf das Mittelalter zurückführen, auf die Pest, die die Schwarze Pest genannt wurde. Oder wohl auch auf den Schatten der Angst, auf das Dunkle, das Unbekannte. Das ist schwarz. Davor hat man Angst, und konfrontierte sich in diesem Spiel damit, rannte schließlich die Angst weg. Die Angst vor dem Unbekannten wird personalisiert. Wird zu einer Person, einem schwarzen Mann oder auch einer Gruppe schwarzer
Männer. Es ist praktisch, wenn man jemanden verantwortlich machen kann für die eigene Misere. Die verantwortliche Person oder Gruppe ist im besten Fall unbekannt. Etwas Unbekanntes, das eine Projektionsfläche bietet für alle dunklen Vorstellungen, die man darauf malen kann. Schwer lasten diese Vorstellungen, lasten die Vorurteile nun auf der Projektionsfläche. Was sich darunter befindet, interessiert nicht mehr. Wer geht und schaut sich das Unbekannte an, um es sich bekannt zu machen, frage ich mich.Seit 20 Jahren stehe ich in Kontakt mit Menschenrechtsaktivisten überall in der Welt. Sie sind für mich die Helden der Zeit, vor allem jene, die im Feld arbeiten, deren Namen zumeist unbekannt bleiben. Seit einigen wenigen Jahren nun sind die Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, in Gefahr. Sie werden verbal angegriffen und körperlich attackiert, sie werden ermordet, ihre Arbeit wird zunichtegemacht, indem man ihnen beispielsweise die Mittel zerstört oder konfisziert, mit denen sie diese Arbeit leisten. Die Seenotrettung war vielleicht ein Auslöser für den Beginn der Attacken. Als 1948 die »Universal Declaration of Human Rights«, die »Allgemeine Erklärung der Menschenrechte«, veröffentlicht wurde, die in zweijähriger Arbeit von einer achtköpfigen Gruppe kluger Menschen formuliert worden war, wurde das schmale Heft mit den 30 Artikeln eine Art Anleitung, wie Gesellschaften friedlich leben könnten. Ich habe es immer als einen Waschzettel für das Leben betrachtet. Es gibt kein Land auf der Erde, in dem alle Menschenrechte eingehalten werden. Dennoch waren wir schon mal sehr viel weiter. Aktivisten konnten ihre Arbeit machen. Jetzt lösen sie Hass aus.

Zur vollständigen Leseprobe (PDF)

Über die Autorin

Katja Riemann // Foto: Mirjam Knickriem / photoselection

Katja Riemann ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Sie ist seit 2000 UNICEF-Botschafterin, unterstützt unter anderem »Plan International« und »amnesty international« und setzt sich ein für eine offene Gesellschaft und Menschenrechte, besonders für die von Mädchen und Frauen. Für ihr Engagement erhielt sie 2010 das Bundesverdienstkreuz am Band und 2016 den Bad Iburger Courage-Preis.