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»Hinter dem Vorhang«: Wir trauern um Carlos Ruiz Zafón

Mit seinen Weltbestsellern über den Friedhof der vergessenen Bücher machte Carlos Ruiz Zafón ganze Generationen zu Lesern. Nun ist er in seiner Wahlheimat Los Angeles im Alter von 55 Jahren verstorben.

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© © David Ramos

Carlos Ruiz Zafóns großes Thema war, wie man das Grauen der Geschichte, der großen wie der kleinen, überlebt: Den Bürgerkrieg in Barcelona, die Verheerung einer unglücklichen Kindheit. Er fand sympathische Figuren, die diese Kämpfe überstanden. Die imaginierte Buchhandlung Sempere in Barcelona wurde zum Sammelpunkt dieser Helden: Hier fanden sie – wie Carlos Ruiz Zafóns Leser – Hoffnung und Mut – und den Eingang zu seiner größten Erfindung auf der Landkarte der Literatur: den Friedhof der vergessenen Bücher. Mit seinen Bestsellern wie „Der Schatten des Windes“ und „Das Labyrinth der Lichter“ schuf er eine Welt, Barcelona, die viele auf den Spuren seiner Bücher bereisten.
Er liebte Bücher und alle, die für sie arbeiteten. Deutschland liebte er, hier hatte dank Michi Strausfelds Vermittlung seine internationale Karriere begonnen. Wenn seine Lesereisen Frankfurt kreuzten, wollte er alle im S. Fischer Verlag an einem Tisch sehen und jeden kennenlernen. Aber er hielt immer etwas verborgen, um alle zu überraschen: In München entdeckte er vor der Lesung hinter dem geschlossenen Bühnenvorhang einen Flügel. Er setzte sich und spielte im Dunkeln eine halbe Stunde bis zu Beginn der Veranstaltung für die hereinströmenden Gäste. Erst zum Beginn der Lesung lüftete sich das Geheimnis der improvisierten Filmmusik vor der dunklen Leinwand. Carlos Ruiz Zafón hatte viele solcher Talente und Pläne, die wir nur in Andeutungen kennenlernen durften.

Jetzt hat er seine Musik, seine Bücher, seine Geschichten mit sich genommen. Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Frau MariCarmen. Unsere Dankbarkeit reist ihm hinter den Vorhang nach.

S. Fischer Verlag