Hinter den Kulissen

Was liest Malu Schrader?

Sie hat ein Faible für Literatur aus Japan und den Niederlanden, muss beim Lesen nur selten weinen und findet, dass Graphic Novels noch immer unterschätzt werden: Lektorin Malu Schrader über ihre Lesevorlieben.

Was liest du gerade?
Vor allen Dingen: Manuskripte. Aber ich versuche immer, wenigstens vor dem Schlafengehen noch ein paar Seiten private Lektüre einzuschieben. Gerade habe ich mit Lola Randls »Der große Garten« begonnen, eine meiner Kolleginnen war so begeistert davon. Dann hatte ich in der Buchhandlung die Büchergilde-Ausgabe in der Hand und nach den ersten paar Seiten wollte ich mehr lesen über Pastinaken, Saatgut und Liebhaber.

Liest du auf Papier oder auf einem E-Reader?
Für die Arbeit lese ich fast ausschließlich elektronisch – deshalb alles andere dann gern auf Papier. 

Was war das letzte Buch, das du nicht bis zum Ende gelesen hast?
Es ist ein einziges, ständiges Nicht-zu-Ende-Lesen bei mir: Mal fehlt mir die Zeit, dann passt die Stimmung nicht – ich bin keine leicht zu beglückende Leserin. Ein konkretes Beispiel will mir gerade nicht einfallen, aber ich kann ein paar Parameter nennen: Wenn mir ein Buch zu sehr auf Effekt hin geschrieben scheint und ich als Leserin etwas Bestimmtes denken oder fühlen soll oder wenn die Figuren nicht ernstgenommen werden – dann bin ich raus.

Was war das letzte Buch, das dich zum Lachen gebracht hat?
Vielleicht nicht das letzte, aber das erste, das mir einfällt: Margarete Stokowskis Vorwort zu unserer Taschenbibliothek-Ausgabe von Virginia Woolfs »Ein eigenes Zimmer«.  Ihr Ton ist einfach umwerfend.

Was war das letzte Buch, das dich zum Weinen gebracht hat?
Bei Filmen muss ich immer schnell und viel weinen, bei Büchern komischerweise selten.

Welche Bücher empfiehlst du aus Japan und aus den Niederlanden?
Ich beschränke mich mal auf jeweils eins, auch wenn man viele nennen könnte: Iori Fujiwaras »Der Sonnenschirm des Terroristen« ist eins meiner Lieblingsbücher aus den letzten Jahren. Ein klug komponierter Krimi, durch den man viel über das Japan der Sechziger zu Zeiten der Studentenunruhen erfährt. 

Für die Niederlande muss ich einfach diesen einen nennen: Gerwin van der Werfs Roadtrip »Der Anhalter«. Es geht um eine Familie, die auseinanderzubrechen droht, um einen Anhalter, der nicht mehr weggeht, und um die Natur, die sich nicht beherrschen lässt. Erscheint allerdings erst am 4. März. 

Manchmal schämt man sich dafür, ein bestimmtes Buch zu mögen – hast Du eins?
Nein. Ich denke, dass in der eigenen Lesebiographie jedes Buch seine Berechtigung hat. Lesen erfüllt ja ganz unterschiedliche Zwecke und Bedürfnisse, und die können meiner Meinung nach friedlich nebeneinanderstehen. Flugscham – ja, Lesescham – nein.

Gibt es ein Buch, das alle Welt liebte, nur Du fandest es doof?
Eigentlich nicht. Spätestens im Internet finden sich immer Menschen, mit denen man gemeinsam etwas doof finden kann.

Welches Buch sollte Deiner Meinung nach jeder gelesen haben?
Auch hier kann ich nicht »das eine« nennen – aber ich denke, man sollte insgesamt mehr gute Comics und Graphic Novels lesen. Die sind auch literarisch interessant und werden immer noch unterschätzt. Den Einstieg könnte man zum Beispiel mit dem Comic »Maus« machen, in dem Art Spiegelman die Geschichte eines Holocaust-Überlebenden erzählt. Ganz anders und auch sehr gut: die Coming-of-Age-Geschichte »Ein Sommer am See« von Jillian und Mariko Tamaki. Und sowieso alles von Jiro Taniguchi.

Welches Buch hast Du nie gelesen und wünschtest, Du hättest es?
»Buddenbrooks«. Ich habe viel Thomas Mann gelesen, aber dieses nicht. Es liegt zu Hause bereit für die Weihnachtstage.

Zu welchem Buch kehrst Du immer wieder zurück?
Zu den Büchern von Astrid Lindgren, weil ich mit denen so viele Kindheitserinnerungen verbinde. Ansonsten lese ich nur wenige Bücher mehrfach – es gibt immer so viele neue, die meine Neugier wecken.

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© Jelena Täuber