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John Ironmonger im Interview über sein neues Buch »Die Insel der Schimpansen«

John Ironmonger im Interview

Die Protagonistin Ihres neuen Romans, Angel, ist nicht nur Wissenschaftlerin, sondern vor allem auch Profiturnerin. Warum war es Ihnen wichtig, dass sie die Natur nicht nur studiert, sondern sich auch körperlich auf sie einlassen kann?

In der Literatur ist es oft einfacher, Figuren nur eine einzige Facette zu geben. Aber im wirklichen Leben sind Menschen so viel komplizierter. Wenn Sie an die Menschen in Ihrem Umfeld denken, werden viele eine Karriere haben, aber vielleicht auch Leidenschaften und Fähigkeiten in anderen Bereichen. Sie haben wahrscheinlich Freunde, die Leistungssportler im Radfahren sind, erfahrene Vogelbeobachter, Schauspieler, Skifahrer, Maler ... Und ich wollte, dass Angel ebenfalls dieses facettenreiche Leben hat. Und natürlich war es für die Erzählung hilfreich, dass Angel Turnerin ist, denn wir müssen glauben, dass sie auf Bäume klettern kann. Für mich war es wichtig, dass Angel eine ganz neue Perspektive auf die Gesellschaft der Schimpansen einnehmen kann und dass die Schimpansen sie als Teil ihres Clans akzeptieren – dafür sind ihre Fähigkeiten als Turnerin fast unverzichtbar. Angel ist also Primatologin und Turnerin – eine perfekte Kombination.

Im Nachwort des Romans schreiben Sie: »Schimpansen können nicht wirklich reden. Aber wie sehr ich mir wünschte, sie könnten es.« Wenn Sie einem Schimpansen in freier Wildbahn eine einzige Frage stellen und eine ehrliche Antwort erhalten könnten, was würden Sie fragen?

Oh, ich liebe diese Frage. Ich würde einfach gerne mit Schimpansen quatschen können. Keine tiefgründigen existenziellen Fragen. Einfache Dinge wie »Sag mir, wo ich dich kratzen soll«, »Sind diese Beeren essbar?« »Was denkst du über den neuen Anführer des Clans?« Ich stelle mir ein Gespräch mit Schimpansen gerne wie ein Gespräch mit alten Freunden vor, über Beziehungen, das Wetter, Elternschaft. Aber wenn ich nur eine Frage hätte ... »Was hältst du von den Menschen?« Das könnte einen demütig werden lassen.

Ihr Buch zeigt, wie unterschiedlich Menschen auf Tiere schauen und mit ihnen umgehen: Was können wir gegen die Ansicht tun, dass die Natur nur eine Ware ist, die man kaufen und verkaufen kann?

Das ist die zentrale Frage des Romans. Bedeutet die biblische Aussage, dass der Mensch über die Tiere herrschen soll, dass wir die Natur wie unser Eigentum behandeln können – mit dem wir tun können, was wir wollen –, oder sind wir vielmehr verpflichtet, uns um die Natur zu kümmern? In dem Roman ist die Figur Caroline Mott davon überzeugt, dass jedes Tier in erster Linie einen Marktwert hat; darin unterscheidet sich ein wildlebender Schimpanse nicht von einem Zuchthuhn. Angel hingegen sieht die Schimpansen als ihre Familie und die Insel als einen Ort, der ungestört und wild bleiben sollte. Ich bin mir nicht sicher, wie wir die Welt davon überzeugen können, dass ökologische Verantwortung nicht bloß eine Option ist, sondern Grundvoraussetzung für unsere Zukunft auf diesem Planeten. Aber ich vertraue darauf, dass es viele Menschen wie Angel gibt, die das Recht auf ihrer Seite haben. Am Ende werden sich ihre Überzeugungen durchsetzen. Das müssen sie.

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John Ironmonger

John Ironmonger kennt Cornwall und die ganze Welt. Er wuchs in Nairobi auf und zog im Alter von 17 Jahren mit seinen Eltern in den kleinen englischen Küstenort, aus dem seine Mutter stammte. John promovierte in Zoologie; nach Lehraufträgen wechselte er in die internati ...

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