Premiere

»Elegie für das letzte Licht: Texte aus Gaza« - Buchpremiere

Gaza steht im Zentrum der Weltöffentlichkeit – meistens vermittelt durch Statistiken der Zerstörung und der Opfer. Die von Maha El Hissy und Husam Maarouf im S. Fischer Verlag herausgegebene Anthologie »Elegie für das letzte Licht« versammelt literarische Texte aus den vergangenen drei Jahren von rund zwanzig Autor:innen aus Gaza.

  • Moderation:  Logan February
  • Berlin, silent green Kulturquartier
  • 01.12.2026
  • 19:30 Uhr
  • 8,00 € (regulär),  5,00 € (ermäßigt)

Anlässlich der Buchpremiere lesen Batool Abu Akleen und Haidar Al-Ghazali, zwei junge und seit kurzem im Exil in Frankreich und Italien lebende Dichter:innen aus Gaza. Herausgeber Husam Maarouf wird aus Gaza mit einem aufgezeichneten Videobeitrag dabei sein können. Abdalrahman Alqalaq entwickelt die Dramaturgie eines Abends, an dem auch zahlreiche weitere Beiträge aus dem Buch vorgestellt werden.

In den versammelten Anthologietexten zeigt sich ein Schreiben, das allein durch die furchtbaren Lebensumstände, denen fast alle der Autor:innen ausgesetzt waren und sind, oft auf die sogenannten kleinen Formen beschränkt bleibt. Diese wirken jedoch – ob nun als Gedichte, Briefe, Tagebucheinträge oder Essays – umso eindrücklicher. Vielfach sind gerade die Texte der ganz jungen Autor:innen von einer poetischen Klarheit und Härte, die in der zeitgenössischen internationalen Poesie ihresgleichen suchen. So schreibt etwa die erst 21-jährige Batool Abu Akleen ein pointiert-bitteres Gedicht über den Valentinstag, der sein werde wie immer, nur eben jetzt: „Alle auf den Friedhof, Baby. Alle auf den Friedhof.“ Der ebenfalls erst 22-jährige Haidar Al-Ghazali zieht fast beiläufig in einem längeren Gedicht einen Vergleich, der in der Literaturgeschichte noch nicht zu finden sein dürfte: „Ich bin verzweifelt / wie ein Leichenkühlschrank.“

Gedichte wie diese lösen bereits ein, was Herausgeber Husam Maarouf ein Anliegen bei der Kuration der Texte für diese Anthologie war. Maarouf besteht auf der Notwendigkeit einer anderen palästinensischen Erzählung: „einer Erzählung, die nicht auf Phrasen und Parolen beruht, sondern auf Kunst und Literatur“, einer, die die Kraft besitze, den Anderen jenseits aller Schablonen zu erreichen. Und Herausgeberin Maha El Hissy bekräftigt dieses Anliegen und verbindet es mit dem Wunsch, eine gerade in Deutschland vorherrschende Logik umzukehren: eine Logik, nach der Palästinenser:innen zunächst als Zahlen und erst viel später als Menschen erscheinen.


Eine gemeinsame Veranstaltung des Haus für Poesie, des Literarischen Colloquiums Berlin und des S. Fischer Verlags

In Lesung & Gespräch: Batool Abu Akleen, Haidar Al-Ghazali, Maha El Hissy, Husam Maarouf
Dramaturgie: Abdalrahman Alqalaq; Moderation: Logan February


Batool Abu Akleen, geboren 2005, ist eine palästinensische Dichterin und Übersetzerin aus Gaza-Stadt. Im Alter von fünfzehn Jahren gewann sie den Barjeel Poetry Prize. Ihre Texte wurden in mehrere Sprachen übersetzt und in zahlreichen internationalen Publikationen veröffentlicht. Nach ihrer Evakuierung aus Gaza im Herbst 2025 nahm sie ein Studium an der Sorbonne Nouvelle in Paris auf. Im Juni 2026 war sie beim Poesiefestival Berlin zu Gast.

Haidar Al-Ghazali geboren 2004, wuchs in Gaza auf. Er studiert Englische Literatur und Übersetzung an der Islamischen Universität Gaza. Seine Gedichte wurden in acht Sprachen übersetzt und auf verschiedenen internationalen Plattformen veröffentlicht. Zurzeit lebt und studiert er in Italien.

Abdalrahman Alqalaq, geboren 1997 im Alyarmouk Flüchtlingslager bei Damaskus, ist ein palästinensischer Lyriker, Schriftsteller und Performance- und Theaterkünstler. Er studierte Kulturwissenschaften, ästhetische Praxis und Theaterwissenschaften in Hildesheim, Rabat und Berlin. Sein lyrisches Debüt „Übergangsritus“ erschien 2024 im Wallstein Verlag. Zuletzt wurde sein Theaterstück „Absentee Law“ von der Jury des Körber Studio Junge Regie 2026 für die Shortlist am Thalia Theater in Hamburg ausgewählt.

Maha El Hissy, geboren 1980 in Alexandria, ist Literaturwissenschaftlerin, Kuratorin und Moderatorin. Sie lehrte Neuere deutsche Literatur in München, Kairo, London und New York. Sie ist Herausgeberin des Sammelbands „Die ganze Geschichte fasse ich an der Hand“ (Verbrecher, 2025) und Kuratorin der Literaturreihe „Vorzeichen“ (2024) sowie des arabischsprachigen Podcasts „Ne7ki“ (2025). El Hissy ist Mitglied mehrerer Preisjurys, darunter der Jury des Deutschen Buchpreises und des Internationalen Literaturpreises - Haus der Kulturen der Welt. El Hissy lebt und arbeitet in Berlin.

Husam Maarouf, geboren 1981 in Gaza, ist ein palästinensischer Dichter und Journalist. Er lebt und arbeitet bis heute in Gaza, wodurch seine Arbeit unmittelbar von den Realitäten vor Ort geprägt ist. Maarouf gilt als wichtige Stimme der zeitgenössischen arabischen Lyrik. 2024 hat er den Verlag Gaza Publications gegründet.

Veranstaltungsort

silent green Kulturquartier
Gerichtstraße 35
13347 Berlin


Tickets unter: https://literatur-berlin.tickettoaster.de/produkte/4277-tickets-elegie-fuer-das-letzte-licht-buchpremiere-mit-batool-abu-akleen-haidar-al-ghazali-maha-el-hissy-husam-maarouf-silent-green-kulturquartier-berlin-am-01-12-2026


Zur Veranstaltung

Preise

Eintritt: 8,00 € (regulär),  5,00 € (ermäßigt)