Seminar, Workshop

Wolfgang Hilbig und die Natur | Kolloquium

Ökologische Reflexion bei Wolfgang Hilbig - Literaturwissenschaftlich-botanisches Kolloquium am Literaturhaus Leipzig und im Botanischen Garten der Universität Leipzig zum 85. Geburtstag von Wolfgang Hilbi

  • Leipzig, Literaturhaus Leipzig & Botanischer Garten Leipzig
  • 31.08.2026
  • Kostenpflichtig

WOLFGANG HILBIG UND DIE NATUR


Literaturkritik und Forschung haben den überdeutlichen, geradezu konstitutiven Komplex Natur in Wolfgang Hilbigs Oeuvre zwar oft benannt, kaum in woirgang Hllbigs Oeuvre zwar oft benannt, kaum jedoch einmal für sich genommen untersucht oder gedeutet. Sofern auf die Darstellung und Reflexion von Natur und ökologischen Problematiken bei Hilbig Bezug genommen wird, qeschieht dies bis auf seltene Ausnahmen meist unter Verweis auf die politischgesellschaftlichen Umstände oder die negativendystopischen - Geschichtsbilder, welche seinen Narrativen und Phantasmagorien zugrunde liegen.


Auf diese Weise haben Kritik und Literaturwissenschaft Hilbig per se einer metaphorischen bzw. allegorischer Deutungstradition von Natur zugeschlagen, während sein Werk doch sowohl in seinen poetischen Darstellungen als auch in diskursiven, poetologischen Zusammenhängen zahlreiche Hinweise bietet, dass Natur", die Darstellung ökologischer Missstände, hybride (anthropozäne) Vermischungen von Natur und Kultur bei ihm keineswegs nur symbolisch gemeint oder schlicht auf die Verwerfungen realsozialistischen Alltags zurückführbar sind.


Im Gegenteil verweisen Schilderungen in seiner Prosa und seinen Gedichten ex negativo auf literarische Traditionen, in welchen explizit Natur als Gegenstand für sich thematisiert wird - Idylle, Bukolik, Pastorale, literarische Landschaftsbeschreibung - während seine (zumeist nach 1990 entstandenen) Essays, Dankesreden und Poetikvorlesungen immer wieder expressis verbis die ökologische Dringlichkeit beschwören: So warnt Hilbig in den Frankfurter Poetikvorlesungen 1995 vor dem Kollaps unserer Lebensgrundlagen angesichts der auf Verschwendung, Verbrauch, Wachstum" basierten neoliberalen globalisierten Produktions- und Marktlogik. Auch bestätigt ein Blick in Hilbigs mit seinem Nachlass an der Berliner AdK überlieferte Bibliothek sein Interesse an Natur und ökologischen Fragen; seine Beschäftigung mit der Kunde von den Baumen ist empirisch unterlegt.


Die Schreibhaltung des Nature Writing als literarische Auseinandersetzung mit naturkundlicher Empirie könnte daher versuchsweise auch mit Hilbigs Schreiben von der depravierten, beschädigten Natur konfrontiert werden. Auf diese Weise vermag sich sein Werk aktuellen Fragestellungen zu öffnen, die von empirischem, naturwissenschaftlichen Wissen in seinen Texten über Landschaft und Geoökologie bis hin zu Signaturen des Anthropozän reichen - ein Begriff, der zu Hilbigs Tod 2007 gerade aufgekommen war, dessen Problematik jedoch sein gesamtes Werk durchzieht.


Eine Veranstaltung des Institus für Germanistik der TU Braunschweig in Kooperation mit der Wolfgang-HilbigGesellschaft, dem Literaturhaus Leipzig und dem Botanischen Garten der Universität Leipzig. Unterstützt durch die S. Fischer Stiftung und die Stadt Leipzig.

Veranstaltungsort

Literaturhaus Leipzig & Botanischer Garten Leipzig
Leipzig


Weitere Informationen zur Veranstaltung

Preise

Eintritt: Kostenpflichtig