Buchpräsentation

Ines Geipel präsentiert "Landschaft ohne Zeugen"

Ines Geipel liest in der Stadtbibliothek Madgbeburg aus ihrem neuen Buch "Landschaft ohne Zeugen - Buchenwald und der Riss der Erinnerung".

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt

  • Magdeburg, Stadtbibliothek Magdeburg
  • 17.03.2026
  • 19:30 Uhr

Auch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte angekommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen nicht mehr nur von rechts. Warum? Was ist da los? Ines Geipel taucht in ihrem neuen Buch »Landschaft ohne Zeugen« noch einmal in die Vergangenheit ein, sucht nach den Quellen der Lagerwelt und befragt die Legenden nach 1945: von der vorbildlichen Aufarbeitung im Westen bis zum antifaschistischen Staatsmythos der DDR. Ein bestürzendes, hochaktuelles Buch über die alte und neue Unfähigkeit zu trauern und die Erinnerungskälte nach zwei Diktaturen. 


»Prozesse, Zeugen, Quellen, Bücher, Filme, Debatten über das Lager Buchenwald. Achtzig Jahre lang. Es scheint alles gesagt und geschrieben. Und warum hält es nicht, wo wir doch so viel wissen? Ist etwas übersehen worden? Fehlt etwas? Was?« – So der Anfang des neuen Buches »Landschaft ohne Zeugen« von Ines Geipel. Eine Suchbewegung, eine Quellenrecherche, eine Inspektion deutsch-deutscher Gedächtnislandschaft vor und nach 1989, vor allem aber ein präziser, erschütternder Text über die historische Anatomie des Täuschens und Vergessens.


Die Geschichte von Buchenwald, für den Osten der Urkern seines Staatsmythos, seiner politischen Identität, kam nach 1989 zwar durch neue Quellen über die Rolle der roten Lagerkommunisten ins Rutschen, zur entschiedenen Distanzierung der ostdeutschen Tätergesellschaft von seiner großen Heldenfabel kam es aber nicht. Wieso nicht? Wieso konnte daraus eine Hypothek im Hinblick auf die gesamtdeutsche Politik der Erinnerung werden?


Mittels neuer Dokumente legt Ines Geipel Schicht für Schicht frei und erzählt noch einmal von vorn: die Ausgangsstory der Westalliierten zu Buchenwald, die Strafrechtsprozesse unmittelbar nach dem Krieg, die Säuberungen im Zusammenhang mit dem BuchenwaldKomplex in der frühen DDR, die gezielte Strafverschonung der Täter, aber auch die Diskreditierung der Opfer in Ost wie West. Sie erzählt deutsche Altväter-, Väter- und Muttertexte, um an ihnen Geschichte, Gesellschaft und einzelnes Leben als politisches Signum kenntlich zu machen. Das Leben des Arztes, der zum Töten nach Buchenwald fährt, das des Großvaters, der 1942 in Riga Möbel aus »Ghettobeständen« für seine »Dienstwohnung« beantragt, die Geschichte vom brutalen Abriss des Lagers Buchenwald in den Jahren 1952/53, weil man den Weg zum roten Heldenmythos buchstäblich freiräumen musste.


Mit »Landschaft ohne Zeugen« hat Ines Geipel – nach »Umkämpfte Zone« (2019) und »Fabelland« (2024, nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis) – ihre deutsch-deutsche Grabungsgeschichte fortgesetzt. Sie liest Buchenwald als historischen Schlüssel, als zentrale Tarn-Saga einer doppelten Diktaturgeschichte. Im Zentrum des Buches stehen vergessene und viele neue Quellen. Sie betonen das Tatsächliche, Konkrete, sie legen Geschichte als Verunsicherung, hochgradige Ambivalenz nahe, vor allem aber als Reserve gegen den momentanen Bodenverlust gesamtdeutscher Erinnerungskultur.

Veranstaltungsort

Stadtbibliothek Magdeburg
Breiter Weg 109
39104 Magdeburg

Veranstalter

Stadtbibliothek Magdeburg


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