Lesung und Gespräch mit Judith Hermann
- Moderation: Stephan Szász
- Herford, Petri Kirche Herford
- 15.09.2026
- 19:00 Uhr
- Kostenpflichtig
Die Sehnsucht, an den Schrauben der Zeit drehen zu können, in die Vergangenheit einzutauchen und unbekannte Geschichten zu erforschen, wird in Judith Hermanns neuesten Roman »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« klug und eindringlich eingefangen. Von Polen bis nach Italien begibt sich Judith Hermann auf eine Spurensuche durch ihre eigene Familiengeschichte und durchleuchtet die hintersten Winkel ihrer Biographie. Sie folgt der Geschichte ihres als SS-Offizier in Polen stationierten Großvaters, reist von dort aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach. Judith Hermann, wohl einer der größten literarischen Stimmen Deutschlands, richtet ihren Blick nun nach außen, auf ihre anderen Familienmitgliedern und deren Geschichten – immer mit einem selbstreflexiven Blick auf ihr eigenes literarisches Schaffen.
Ebenfalls weltweit als außergewöhnliche Schriftstellerin bekannt, ist Tove Ditlevsen. Heute in Deutschland vor allem für ihre autobiographische »Kopenhagen Trilogie« berühmt, wurde sie in ihrer Heimat Dänemark auch als Dichterin gefeiert. Durch die Stimme von Schauspielerin Anna Stieblich tauchen wir nun ein in die sowohl verspielten, als auch witzigen und schwermütigen Verse des erstmals auf Deutsch erschienenen Gedichtbandes »Da wohnt ein junges Mädchen in mir, das nicht sterben will« In den Körpern Erwachsener stehen kleine Mädchen auf Zehenspitzen, literarische Errungenschaften und persönliche Niederlagen werden unbeirrt offenbart. Ergänzend wird aus dem dritten Kopenhagen-Band »Abhängigkeit« gelesen, in dem die Autorin eindringlich und offen über ihren Kampf gegen die Drogensucht und ihr Leben als Frau schreibt.
Musikalisch lauschen wir in der Petrikirche Herford, dem Harfe-Akkordeon Duo Oxymoron, die ein virtuoses Klanguniversum aus Jazz, Klassik und zeitgenössische Spieltechniken erschaffen – wie in den Texten, verbindet sich hier Altes mit Neuem, Helles mit Dunklem.
Judith Hermann
udith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Ihrem Debüt »Sommerhaus, später« (1998) wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der Erzählungsband »Nichts als Gespenster«. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino verfilmt. 2009 erschien »Alice«, fünf Erzählungen, die international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte Judith Hermann ihren ersten Roman, »Aller Liebe Anfang«. 2016 folgten die Erzählungen »Lettipark«, die mit dem dänischen Blixen-Preis für Kurzgeschichten ausgezeichnet wurden. Für ihr Werk wurde Judith Hermann mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. 2021 erschien der Roman »Daheim«, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, und für den Judith Hermann mit dem Bremer Literaturpreis 2022 ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien 2023 bei S. FISCHER »Wir hätten uns alles gesagt«, basierend auf den Frankfurter Poetikvorlesungen, die Judith Hermann im Frühjahr 2022 hielt. Dafür erhielt sie den Wilhelm Raabe-Literaturpreis. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.
Anna Stieblich
Anna Stieblich wurde am 20. Februar 1965 in Bremen geboren. Von 1986 bis 1990 absolvierte sie eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, gefolgt von Engagements am Stadttheater Luzern (1990/91) und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden (1992/93). Parallel dazu besuchte sie Seminare zur Stimmbildung am Roy Hart Theatre im südfranzösischen Thoiras (1990-92).
Nach zahlreichen weiteren Theaterengagements, unter anderem am Theater Basel und dem Staatstheater Dresden, übernahm Stieblich mit Beginn der 2000er Jahre immer öfter auch kleinere Fernsehrollen. Ihr Kinodebüt gab sie 2005 mit einer Nebenrolle als Standesbeamtin in der preisgekrönten Beziehungsgeschichte „KussKuss“. Eine größere Nebenrolle spielte sie in Didi Danquarts Komödie „Offset“ (2006).
Einem größeren Publikum wurde Anna Stieblich durch die Rolle der Doris in der erfolgreichen Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ (2006-2008) bekannt. 2009 bekam sie eine feste Rolle als Rechtsmedizinerin in der Krimiserie „SOKO Leipzig“. Daneben sah man Stieblich in Fernsehspielen sowie in Episodenrollen anderer Serien. Kino-Nebenrollen hatte sie als als Mutter der jungen Hauptfigur in „Mein Freund aus Faro“ (2008) und als Schulsekretärin in dem historischen Fußballfilm „Der ganz große Traum“ (2011).
Eine Hauptrolle spielte sie unter der Regie von Didi Danquart in dem Drama „Bittere Kirschen“ (2011), als Schauspielerin, die sich nach dem Tod der Mutter auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie begibt. 2012 schlüpfte sie für den Kinofilm „Türkisch für Anfänger“ erneut in die Rolle der Doris. In den nächsten Jahren sah man Stieblich immer häufiger auf der Kinoleinwand. Sie war die Mutter der weiblichen Hauptfigur in „Schoßgebete“ (2014), eine Mutter in der jüdischen Coming-of-Age-Geschichte „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“ (2015) und eine Pilgerin in „Ich bin dann mal weg“ (2015).
Im Fernsehen spielte sie Hauptrollen in der Mutter-Tochter-Geschichte „Meine Mutter, meine Männer“ (2014) und der Culture-Clash-Komödie „Der Hodscha und die Piepenkötter“ (2016). Außerdem hatte sie feste Serienrollen in „Phoenixsee“ (2016), „Die Mockridges – Eine Knallerfamilie“ (2016) und „Gipfelstürmer – Das Berginternat“ (2019). In „SOKO Leipzig“ verkörperte sie weiterhin die Rechtsmedizinerin Sabine Rossi. 2021 startete „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ in den Kinos, mit Stieblich als herrisch-kontrollsüchtiger Tochter eines pflegebedürftigen Seniors.
Duo Oxymoron
Anna Steinkogler und Valentin Butt verstehen die Kombination ihrer Instrumente Harfe und Akkordeon mitnichten als Widerspruch, sondern als Gegensatzpaar, als überraschende, spannungsgeladene Verbindung, durch die sie bisher Ungehörtes und Unerhörtes zum Ausdruck bringen und lebendig werden lassen. Gemeinsam bilden sie das Duo Oxymoron. Die Harfenistin Anna Steinkogler ist Preisträgerin verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe und sowohl als Solistin als auch in diversen Formationen in Deutschland, Holland, Österreich und Frankreich zu Gast. Butt arbeitet u. a. an den großen Berliner Theatern als Musiker, Komponist und musikalischer Leiter und ist als Studiomusiker an Hörspielen und Filmmusikaufnahmen beteiligt. Im Vordergrund der Arrangements der beiden Musiker:innen steht nicht Imitation, sondern das Kreieren von Farben, Reibung und Spannungen und das Eröffnen frischer Perspektiven auf Altbekanntes. In den gut gelaunten Eigenkompositionen erkundet Duo Oxymoron die individuelle Ästhetik der Besetzung Harfe und Akkordeon, für die es weder Vorbilder noch Rollenzuschreibungen gibt. Im Programm ‹Scented Rushes›, lassen Steinkogler und Butt die Grenzen von U- und E-Musik hinter sich und erschaffen ein hochattraktives, eigenständiges Klanguniversum in dem sie Jazz, Neoklassik, Klassik und zeitgenössische Spieltechniken kombinieren. Eine im wahrsten Sinne des Wortes märchenhafte Hommage an Lewis Carroll, Autor der beiden Alice-Romane, aus Freiheitsliebe, Experimentierfreudigkeit und Humor.
Veranstaltungsort
Petri Kirche Herford
Wilhelmspl. 4
32052 Herford
www.wege-durch-das-land.de
Veranstalter
Wege durch das Land gGmbH
Weitere Informationen zur Veranstaltung
Preise
Eintritt: Kostenpflichtig