Moderiertes Gespräch

LiteraTurm: Ines Geipel und Christian Lehnert im Gespräch

Auch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte angekommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen nicht mehr nur von rechts. Warum? Was ist da los?

  • Moderation:  Jörg Schieke (MDR)
  • Frankfurt, Skadden LLP
  • 09.06.2026
  • 18:00 Uhr
  • 18,00 € (regulär),  8,00 € (ermäßigt)

Blühende Landschaften, sterbende Dörfer


Fahren Westdeutsche nach Ostdeutschland, dann besuchen sie die Feriengebiete an der Ostsee oder die Kulturstädte von Weimar bis Rostock. Abseits dessen bleibt eine Terra incognita – ein Lust-Unlust-Terrain, das auch die etablierten Parteien zu meiden scheinen. Mit der ostdeutschen Provinz werden unberührte Natur, schlechte Infrastruktur und renitente AfD-Wähler, männlich und Ü 60 verbunden. Und Rechte aus dem Westen decken sich mit alten Schlössern und Landgütern ein. Wie aber sieht es hinter diesen Fremdzuschreibungen aus?


Sowohl Ines Geipel als auch Christian Lehnert kennen die Landschaften, Menschen und Stimmungen zwischen der Lausitz und Vorpommern. Der aus Dresden stammende Dichter und Theologe Christian Lehnert zog sich vor einigen Jahren in einen Weiler im Osterzgebirge zurück. Aus seinem Leben in der Natur, im Glauben und im Zweifeln entstand das ebenso poetische wie tiefsinnige Prosawerk Das Haus und das Lamm.

Ines Geipel ist mit Büchern wie Fabelland oder Umkämpfte Zone eine Grenzgängerin in der neueren deutschen Geschichtsschreibung. Ihre Perspektive ist analytisch geschärft und zugleich persönlich grundiert – ein Schreiben gegen Verdrängung und Vereinfachung. Gemeinsam mit Jörg Schieke vom MDR nähern sich Geipel und Lehnert der ostdeutschen Provinz als einem Raum politischer Empfindlichkeit und heimatlicher Verbundenheit.


Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, war Anfang der 1980er-Jahre Mitglied der DDR-Leichtathletik-Nationalmannschaft. Nach einem aufgedeckten Fluchtversuch 1984 wurde sie aus dem Sport entfernt. 1989 floh sie über Ungarn aus der DDR. Heute ist sie Professorin für Verskunst an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und Mitbegründerin des Archivs der unterdrückten Literatur in der DDR. Sie hat zahlreiche Bücher zur Gewaltgeschichte des Nationalsozialismus und der Diktaturgeschichte des Ostens veröffentlicht, darunter Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass und Fabelland. Der Osten, der Westen, der Zorn und das Glück, das für den Deutschen Sachbuchpreis 2025 nominiert wurde. Zuletzt erschien 2026 Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung.


Christian Lehnert, geboren 1969 in Dresden, ist Dichter und Theologe. Er leitet das Liturgiewissenschaftliche Institut an der Universität Leipzig. Seit seiner ersten Gedichtsammlung Der gefesselte Sänger 1997 hat er viele weitere veröffentlicht, zuletzt Windzüge 2024. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt 2018 den Deutschen Preis für Nature Writing und 2025 den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg von der Höhe. Zuletzt erschien 2024 der Band Das Haus und das Lamm. Fliegende Blätter zur Apokalypse des Johannes. Christian Lehnert lebt im Osterzgebirge.


Jörg Schieke, geboren 1965 in Rostock, ist freier Schriftsteller und Redakteur beim MDR. Er veröffentlichte mehrere Gedichtbände und wurde mit dem Brentano-Preis der Stadt Heidelberg ausgezeichnet.

Veranstaltungsort

Skadden LLP
Taunustor 1
60310| Frankfurt


https://www.frankfurtticket.de/tickets/ines-geipel-christian-lehnert-18395.77746

Veranstalter

Kulturamt Frankfurt


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Preise

Eintritt: 18,00 € (regulär),  8,00 € (ermäßigt)