Buchpräsentation

Herman Simon präsentiert "Untergetaucht"

Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Marie Jalowicz ist 20 Jahre alt und taucht unter.

Über fünfzig Jahre danach erzählt sie erstmals auf 77 Tonband-Kassetten ihre ganze Geschichte und was es heißt, sich drei lange Jahre Tag für Tag in Nazi-Berlin durchzuschlagen. Marie Jalowicz greift nach jedem Strohhalm. So fährt sie zum Beispiel nach Bulgarien, um von dort nach Palästina zu fliehen, wird denunziert und muss nach Berlin zurückkehren. Es folgt eine fast ununterbrochene Odyssee durch ihre Geburtsstadt – dutzende Unterkünfte, ein falscher Name, falsche Haarfarbe, falsche Geschichten… Ihre Quartiergeber und Helfer sind Toilettenfrauen, Passfälscher, Konsularbeamte, Zirkusartisten, Kommunisten, Einbrecher, einfache Leute, die sie zum Familienmitglied erklären. Jede Zeile ein Zeugnis dafür, wie dicht Gut und Böse beieinander liegen.

Ihr Sohn, der Historiker und Gründungsdirektor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Hermann Simon, berichtet über seine Mutter

  • Bochum, Fritz Bauer Forum
  • 05.11.2026
  • 18:00 Uhr

Berlin 1942: Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Die junge Marie Jalowicz will leben und taucht unter. Über 50 Jahre danach erzählt Marie Jalowicz Simon erstmals ihre ganze Geschichte. 77 Tonbänder entstehen – sie sind die Grundlage dieser einzigartigen Geschichte. 
»In diesem Winter 1941 spürte ich die Bedrohung wie eine Schlinge um den Hals, die sich immer weiter zuzog. Ich wollte mich retten, aber ich wusste nicht wie. Ich hatte Angst. Genauer gesagt: Die Angst hatte mich. Sie hatte mich gepackt und würgte mich«, so beschreibt sie ihren Entschluss, sich zu verstecken, bevor sie deportiert wird.
Offen und schonungslos schildert Marie Jalowicz, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin durchzuschlagen: Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke und vor allem Menschen, die ihr helfen. Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen, ein anderes Mal reist sie nach Bulgarien, um von dort nach Palästina zu fliehen. Doch sie muss nach Berlin zurückkehren. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit – der authentische Bericht einer außergewöhnlichen jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.
Mit einem Nachwort von Hermann Simon, Sohn von Marie Jalowicz Simon, Historiker und Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.

Veranstaltungsort

Fritz Bauer Forum
Feldmark 107
44803 Bochum


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